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08:10 05.05.2014
Foto: Gesundheitsministerin Ana Mato legt sich mit den TV-Sendern an.
Gesundheitsministerin Ana Mato legt sich mit den TV-Sendern an. Quelle: dpa/Archiv
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Für die Urlauber aus dem unterkühlten Norden ist es ein Vergnügen: Die Sonne geht spät unter, und auch um Mitternacht ist auf den Straßen noch was los. Kein Land in Europa kommt so spät zur Ruhe wie Spanien. Und während die Touristen bei Sangría und Tapas den Abend genießen, schauen die Einheimischen fern bis in die Puppen. „Um Mitternacht, wenn Europa schläft“, schreibt die Madrider Tageszeitung „ABC“, „sitzen 18 Millionen Spanier vor dem Fernseher.“ Das kann nicht gesund sein, glaubt die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato. Weswegen sie die Programmmacher dazu überreden möchte, ihre Hauptsendezeiten vorzuverlegen. Doch die sträuben sich.

Die Debatte beschäftigt die Spanier immer wieder aufs Neue. Bereits vor zehn Jahren gründete der katalanische Unternehmensberater Javier Buqueras den „Verein für die Rationalisierung der spanischen Uhrzeiten“. Ihm war aufgefallen, dass in Spanien fast alles später als im Rest Europas geschieht – vor allem aber, dass die Spanier etwas verschwenderisch mit ihrer Zeit umgehen, zulasten des Nachtschlafs. Seitdem haben schon mehrere Regierungen versucht, ihren Landsleuten europäische Sitten beizubringen. Sie sind bisher immer gescheitert.
Gesundheitsministerin Mato will jetzt beim Fernsehen ansetzen. Die Hauptnachrichten am Abend beginnen gewöhnlich um 21 Uhr und ziehen sich, mit Sport und Wetter, eine ganze Stunde hin. Da geschieht es leicht, dass der anschließende Spielfilm, zumal wenn er von Werbung unterbrochen wird, erst deutlich nach Mitternacht endet. Begänne alles eine halbe oder gar ganze Stunde früher, kämen die Spanier früher ins Bett und könnten ausschlafen, glaubt die Ministerin.

Die Fernsehsender allerdings fürchten, bei früheren Sendezeiten Zuschauer und damit Werbeeinnahmen zu verlieren. Sie haben gute Argumente: Die Spanier gehen nicht nur spät ins Bett, sie arbeiten auch besonders lang und kommen oft erst nach 20 Uhr nach Hause, weil viele Unternehmer von den Beschäftigten erwarten, so lange wie möglich an ihrem Schreibtisch sitzen zu bleiben.

Eine „Drittweltkultur“ sei das, schimpft Unternehmensberater Javier Buqueras. Trotzdem will er sich am heutigen Montag mit dem Direktor des staatlichen Rundfunks RTVE zusammensetzen, um für einen früheren Beginn des Abendprogramms zu werben. Vielleicht lassen sich die Arbeitgeber auf dem Umweg übers Fernsehen davon überzeugen, dass ein früherer Dienstschluss kein Schaden für sie sein muss. Schließlich kämen die Leute am Morgen etwas ausgeschlafener ins Büro.
Auf das Nickerchen am Mittag ist in Spanien jedenfalls kein Verlass mehr – die traditionelle Siesta von 14 bis 16 Uhr wurde im Zuge der Wirtschaftskrise per Regierungsbeschluss abgeschafft.

Von Martin Dahms

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