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Medien & TV ARD-Doku zeigt Thema Depression im Stadion
Nachrichten Medien & TV ARD-Doku zeigt Thema Depression im Stadion
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08:54 15.11.2014
Robert Enkes Tod stieß eine Debatte an – doch hatte sie auch Folgen?
Robert Enkes Tod stieß eine Debatte an – doch hatte sie auch Folgen? Quelle: dpa
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Hannover

Der ehemalige Bayern-Trainer Jupp Heynkes formulierte es vor wenigen Tagen so: „Wir müssen versuchen, unser Leben zu entschleunigen, weil überall viel Druck aufgebaut wird.“ Heynkes sprach in Hannover auf einer Diskussionsrunde zum Thema „Robert Enke. Unser Freund und Torwart.“ Der Tod des Fußballprofis erschütterte vor fünf Jahren nicht nur die Fußballwelt: Sein Selbstmord zog eine leidenschaftliche Debatte über Druck und Stress in der Leistungsgesellschaft nach sich. Der Hannover-96-Torwart und Nationalspieler, hatte unter schweren Depressionen gelitten und sich mit gerade mal 32 Jahren das Leben genommen.

Rund 40.000 Menschen nahmen im November 2009 an der Trauerfeier für im Stadion in Hannover teil, fünf Fernsehkanäle übertrugen live. In den Wochen danach wurde heftig über den rücksichtslosen Umgang mit Menschen, gerade im Profisport diskutiert, Verantwortliche und Offizielle gelobten Besserung. Doch im Sommer dieses Jahres nahm sich mit Andreas Biermann erneut ein Fußballer das Leben – Anlass für die Fernsehmacher Nick Golüke und Michael Müller, in einer spannenden Fernsehdokumentation der Frage nachzugehen, ob sich seit dem Tod Robert Enkes etwas geändert hat.

„Der größte Fortschritt für mich ist die Bewusstseinsbildung. Dass man eben nicht lapidar sagt, der hat’s nicht drauf, der kann’s nicht“, sagt Fußballfunktionär Wolfgang Niersbach in der Dokumentation über die Entwicklung der vergangenen Jahre. So wie der Präsident des Deutschen Fußballbundes glauben viele Kenner der Profiszene, dass in den Vereinen seit Robert Enkes Tod sensibler und verantwortungsvoller mit Depressionen und anderen seelischen Krankheiten umgegangen wird. Sie verweisen etwa auf die verstärkte Betreuung von Spielern durch ausgebildete Psychologen in den Clubs und Leistungszentren, gerade auch im Nachwuchsbereich. Andere, wie der frühere Trainer Holger Stanislawski, sind da weniger optimistisch. „Ich glaube, dass sich nichts geändert hat“, sagt der frühere Profikicker und Coach von Vereinen wie dem FC St. Pauli und der TSG 1899 Hoffenheim.

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es in dem ganz auf Leistung und Ergebnisse fokussierten Profigeschäft immer noch schwer, wovon auch der Fall Andreas Biermann zeugt. Der damals bei FC St. Pauli spielende Kicker hatte den Tod Enkes 2009 zum Anlass genommen, sich als depressiv zu outen und dies später als schweren Fehler bezeichnet. Ihr Bruder habe keine Hilfe bekommen, sich alleingelassen gefühlt und sein Bekenntnis schließlich als berufliches Todesurteil begriffen, berichtet Andreas Biermanns Schwester in der 45-minütigen Dokumentation.

Golüke und Müller beleuchten das komplizierte Thema aus vielen Perspektiven, lassen Fußballer, Trainer und Psychologen zu Wort kommen. Doch deren Aussagen zeigen auch, dass die Zeit des großen Grübelns in der Branche bereits wieder vorbei ist. Denn der ein oder andere betont dann doch ein wenig zu sehr, dass Depressionen bei sensiblen Sportlern nicht ausschließlich etwas mit dem hohen Leistungsdruck im Profifußball zu tun haben müssen. Und in der Tat können diese auch genetische und andere Ursachen haben, die sich oft schon in der Kindheit äußern. „Der Fußball macht nicht krank“, sagt beispielsweise DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann. Manchmal vielleicht aber doch.

Martin Weber / Christiane Eickmann

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