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Medien & TV Ein Kind kämpft mit dem Krebs
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00:15 19.03.2014
Foto. Hand in Hand gegen das Schicksal: Emma (Katharina Böhm) leistet Lili (Lilian Prent) am Krankenbett Gesellschaft.
Hand in Hand gegen das Schicksal: Emma (Katharina Böhm) leistet Lili (Lilian Prent) am Krankenbett Gesellschaft. Quelle: ZDF
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Hannover

Thema des von Gabriela Zerhau inszenierten Films ist die Krebserkrankung einer 14-Jährigen. Und im Mittelpunkt steht der fast unmenschlich erscheinende Therapieverlauf dieser Krankheit. Dabei bleibt dem Zuschauer in „Jeder Tag zählt“ fast nichts erspart. Und natürlich wird auch ihre Angst vor dem stets drohenden Tod behandelt.

All das wird ungemein spannend, glaubhaft und anrührend erzählt, und wirkt zudem erstaunlich authentisch, ja fast dokumentarisch – wohl nicht zuletzt, weil der Film auf einer wahren Geschichte beruht: auf dem Roman „Am seidenen Faden“, in dem die Verfasserin Jutta Mehler die Leukämieerkrankung ihrer eigenen Tochter verarbeitet hat. Und der dann von ihrer Schwester Ruth Toma zu einem Drehbuch umgeschrieben worden ist. Aber auch das gute Schauspielerensemble macht den Film sehenswert, allen voran die erst 17-jährige Hauptdarstellerin Lilian Prent, die hier ihre erste große Rolle spielt. Im Oktober ist die Gymnasiastin dann auch an der Seite von Jan-Josef Liefers, Christoph Maria Herbst und Esther Schweins auf der Kinoleinwand in dem Fantasyabenteuer „Mara und der Feuerbringer“ zu sehen.

Hier verkörpert Lilian Prent die 14-jährige Lili, die mit ihrer Mutter und deren zweiten Mann in einem kleinen Ort in Bayern lebt. Anfangs sieht man die Jugendliche, wie sie einmal wieder lustlos in ihrem Essen herumstochert. Da Lili seit Wochen keinen Appetit mehr und sichtbar abgenommen hat, befürchtet ihre Mutter Emma (Katharina Böhm), dass ihre Tochter unter Magersucht leidet. Doch es kommt noch schlimmer: In einer Münchener Kinderklinik diagnostizieren die Ärzte bei ihr Leukämie. Überlebenschance: 40 Prozent. Eine erste Therapie schlägt bei Lili nicht an. Was bleibt, sind Chemo und Knochenmarktransplantation. Und der Ausgang ist ungewiss.

Da der Eingriff in München erfolgt, möchte Lili in den wenigen Behandlungspausen bei ihrem Vater Gerd (Bernhard Schir) wohnen. Er hat Emma kurz nach der Geburt ihrer Tochter verlassen wegen einer Frau (Bettina Mittendorfer), mit der er nun zusammen mit zwei Söhnen in München lebt. Widerwillig lässt sich Emma auf Lilis Wunsch ein, kann aber ihrer Apathie gegen Gerds Neue kaum verhehlen. Aber ihre durchaus verständlichen Animositäten sind nichts gegen das, was ihre Tochter nun durchmacht.

Trotz dieser enormen privaten Spannungen ist es erstaunlich, wie selbstverständlich und pragmatisch Lilis gesamte Patchworkfamilie letzten Endes mit der schweren und seelisch so belastenden Krankheit umgeht. Wie sie selbst dramatische Rückschläge wegsteckt. Bei alldem nie die Hoffnung auf Heilung verliert. Und wie sie schließlich gestärkt aus dieser existenziellen Krise hervorgeht.

Auch Lili verändert die Krankheit nicht nur äußerlich. Durch ihr Ringen um Leben und Tod wirkt sie im Laufe des Films immer erwachsener. Und hat dann sogar eine Ahnung, was der Sinn des Lebens sein könnte. Kurzum: „Jeder Tag zählt“ ist ein informativer, emotionaler und gleichzeitig angenehm unpathetischer Film, den man sich trotz des schweren Themas nicht entgehen lassen sollte.

Ernst Corinth

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