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21:27 12.06.2015
Foto: Stedefreund (Oliver Mommsen, re.) begleitet Unternehmer Overbeck (Thomas Heinze) zu dessen Windpark.
Stedefreund (Oliver Mommsen, re.) begleitet Unternehmer Overbeck (Thomas Heinze) zu dessen Windpark. Quelle: ARD
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Der Krimi widmet sich damit einem spannenden politischen Thema - er fragt, ob Umweltschutz automatisch ein sauberes Geschäft ist.

Zunächst sieht für Inga Lürsen (Sabine Postel) und ihren Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) alles ziemlich eindeutig aus: Bekannte Umweltaktivisten haben entdeckt, dass Windräder zahlreiche Zugvögel töten und die Existenz der Schweinswale bedrohen. Kein Interesse, dass das publik wird, hat der Unternehmer Lars Overbeck (Thomas Heinze). Er betreibt einen Windpark in der Nordsee - und hätte damit auch ein Motiv, um die beiden Aktivisten beseitigt zu haben.

Doch nach und nach wird Overbeck, dessen Betrieb kurz vor dem Konkurs steht, scheinbar selbst zum Opfer. Der Windpark-Betreiber glaubt nicht nur, ein Konkurrenzunternehmen wolle ihn vernichten. Auch die Umweltaktivisten würden - müssten sie erkennen, dass sich ihre Annahmen nicht beweisen lassen - zu drastischen Mitteln greifen.

Damit ist Overbeck die zentrale Figur, bei der alle Handlungsstränge zusammenlaufen. Er kennt nicht nur den vermissten Aktivisten Henrik Paulsen aus seiner eigenen Zeit als Naturschützer, sondern auch Katrin Lorenz (Annika Blendl), die für eine große Umweltschutzorganisation arbeitet und Zertifikate für sauberen Strom an Energieversorger verkauft. Overbeck gerät auch mit Kilian Hardenhof (Lucas Prisor) aneinander, der mit Paulsen zusammenarbeitete, in ihm eine Art Mentor sah. Und plötzlich taucht wie aus dem Nichts noch ein weiterer Gegenspieler (gespielt von Rafael Stachowiak) auf, dessen Verhältnis zu Lorenz, Overbeck und der Aktivistengruppe nebulös erscheint.

Mit großen Bildern und vielen maritimen Wortspielen inszeniert Regisseur Florian Baxmeyer einen Tatort, der statt einer Familientragödie einen politischen Fall erzählt. Dabei stoßen die Ermittler schnell an ihre Grenzen, kommen kaum an ihre verschlossenen Zeugen heran - und treten insgesamt eher farblos auf. Die anderen Akteure hingegen zeigen, dass man weder ein netter Mensch, noch sonderlich sympatisch sein muss, um sich für die Umwelt einzusetzen - allen voran Windpark-Chef Overbeck. Aber auch bei dessen Konkurrenten, der abgebrühten Strategin Lorenz und dem „umweltpolitischen Ziehsohn“ des Vermissten, verschieben sich die Grenzen zwischen Richtig und Falsch, zwischen Gut und Böse. Das ist zumindest zeitweise spannend, führt zu einem überraschenden Ende. Dennoch nimmt die Geschichte nur langsam Fahrt auf, ist in Teilen langatmig und über weite Strecken vorhersehbar. Die starken, fast malerischen Bilder wirken überreizt, zu oft haben die Autoren in die Schublade mit bedeutungsschwangeren Sprichwörtern gegriffen.

Andererseits ist die Inszenierung nicht konsequent: Die persönliche Vergangenheit von Kommissarin Inga Lürsen, ihre Tendenz zur linken Politik, wird nur kurz angeschnitten, wirkt dadurch aufgesetzt, fast wie vergessen. Hier hätten die Drehbuchautoren ihre Ermittler mehr in den Fokus rücken oder es aber ganz bleiben lassen sollen.

Ähnlich verhält es sich mit Overbecks Kontrahenten. Er wird über lange Strecken als abgebrüht und skrupellos dargestellt - bis ihm in der letzten Szene noch etwas Menschlichkeit eingehaucht wird. Das hilft der Geschichte nicht weiter. Im Gegenteil: Mehr Aussagekraft bekäme sie, hätte man sich ganz auf die Branche Klima- und Naturschutz konzentriert. Das allein hätte gezeigt, dass Öko auch nur ein Geschäft ist - oder um es mit Overbecks Worten zu sagen: „Windräder sind kein Pappenstiel!“

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