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Medien & TV „Blochin“im ZDF: Ein Finale im Dauerregen
Nachrichten Medien & TV „Blochin“im ZDF: Ein Finale im Dauerregen
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09:04 05.08.2019
Immer mit düsterer Miene: Blochin (Jürgen Vogel) ist zerfressen von dem Wunsch nach Rache für den brutalen Mord an seiner Tochter. Quelle: Foto: Stefan Erhard/ZDF
Mainz

Regen hat in Film und Fernsehen eine Bedeutung, die weit übers reine Naturereignis hinausgeht. Denn wenn er fällt, dient es der dramaturgischen Verstärkung. Oder hat irgendwer je ein fiktives Begräbnis ohne Wassermassen aus grautrübem Himmel erlebt? Eben! Bei „Blochin“-Regisseur Matthias Glasner herrscht demnach permanentes Bestatten. Denn als er nun das Finale von „Blochin“ gedreht hat, regnete es Bindfäden aus einem Himmel, der mit grauschwarz geradezu übertrieben bunt beschrieben wäre.

Gut, das war in den ersten fünf Folgen einer hoffnungsschimmerhellen ZDF-Serie, die das öffentlich-rechtliche Programm aufs Niveau vorauseilender Streamingdienste heben sollte, auch nur selten anders. Wer sie nicht mehr in Erinnerung hat, kann sie derzeit in der Medithek des ZDF oder im Nachtprogramm des Sender sehen. Als Jürgen Vogels Antisuperheld vor vier Jahren in ein heillos verworrenes Geflecht aus organisierter Kriminalität und politischer Korruption, Drogen- und Waffenhandel, Verrat und Liebe geraten war, schien allerdings zumindest anfangs ab und zu die Sonne. Doch jetzt, in den letzten 110 Minuten – ein Abschluss mit Spielfilm – des Actionthrillers? Regenregenregen.

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Blochin: Alles hängt mit allem zusammen – irgendwie

Weil der fiese Russenkiller Kyrill (Alexander Scheer) seine Tochter getötet hat, entführt Blochin dessen Geliebte (Jasna Fritzi Bauer), die bald darauf erschossen im – genau – Regen liegt. Nach eigenem Drehbuch arbeitet sich die Regie sodann chronologisch durch die fünf Tage dazwischen, vertieft dabei die Amour fou des Kommissars Yorik (Christoph Letkowski), taucht sie in den Morast um Staatssekretärin Steinbrenner (Jördis Triebel) und impft den Zuschauern mit Rückblenden bis in Blochins sepiabraune Kindheit ein, wie alles mit allem zusammenhängt, irgendwie.

Dummerweise hängt in diesem Durcheinander wenig mit irgendwas zusammen, weshalb das hochkarätige Ensemble zügig in drittklassige Effekthascherei mündet. Handlungsorte variieren dabei grundsätzlich zwischen dem radikalen Chic verwaister Fabrikhallen oder der barocken Moderne russischer Oligarchen, deren Landsleute nur noch hierzulande so kalt-kriegerisch dargestellt werden. Polizisten müssen Papiersätze à la „er ist wie vom Erdboden verschluckt“ aufsagen und abtreten, während die Titelfigur Blochin wie Bruce Willis bald aus jeder Pore blutet und dabei ihr traurig-trotzige Einheitsmimik kultiviert.

Klischee-Feuerwerk bei Blochin: Der Sex ist prima und Gangster halten die Kanone schräg

Dieses selbstreferenzielle Pathos kulminiert am Ende in einem Standbild von so aufgeblähter Theatralik, als habe Samuel Beckett diese Dallas-artige Zusammenkunft an Blochins Krankenbett mit Wolfgang Rademann im Rohbau der Schwarzwaldklinik gedreht. Außerdem muss der Sex aus dieser Grabbelkiste dramaturgischer Standards im Film natürlich grundsätzlich grandios und im Gegensatz die Trauer allumfassend sein. Gangster halten ihre Kanonen schräg, während Polizisten pro Stunde häufiger die Waffe ziehen als reale Beamte im ganzen Jahr. Und bei missbräuchlicher Nutzung werden sie dafür flugs intern verfolgt.

Die Misere von Blochin zeigt, wohin die lineare deutsche Fiktion unterwegs ist. Dass selbst ein kunstbeflissener Regisseur wie Matthias Glasner bei so einem Projekt die Kontrolle verliert, zeigt den Fehler der hiesigen Serienlandschaft. Es mangelt ihr zuweilen an Demut, Selbstironie, Augenzwinkern und Kreativität. Beinahe scheint es, als schicke das ZDF den armen Vogel eigens auf Rachefeldzug, um uns dies vor Augen zu führen.

„Die ganze Geschichte ist wie ein einziger löchriger Kessel“, sagt der hybride Dominik (Thomas Heinze), der Schwager von Blochin, am Schluss. Womöglich soll dieser Satz den Dauerregen so mit dem Drama verbinden. Tatsächlich beschreibt Heinzes Text damit ungewollt die Beerdigung des linearen Serienfernsehens deutscher Herkunft. Trübe Aussichten.

Von Jan Freitag/RND

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