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Medien & TV Die Kunst, den richtigen Ton zu treffen
Nachrichten Medien & TV Die Kunst, den richtigen Ton zu treffen
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19:39 06.07.2014
Foto: Symbolbild
Symbolbild Quelle: dpa
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Die meisten Fernsehzuschauer kennen das: Erst erhöht man die Lautstärke, weil man die Schauspieler kaum versteht, dann fliegen einem fast die Ohren weg, weil die Musik viel zu laut ist. Das Phänomen tritt vor allem bei Kinoproduktionen auf. Aber auch bei Fernsehfilmen kann man den Gesprächen nicht immer folgen. Den Sendern ist das Problem dank regelmäßiger Zuschauerbeschwerden durchaus bekannt.

„Besonders bei älteren Apparaten kann es bei der Darstellung von Hintergrundgeräuschen, Musik und Dialogen manchmal zu Problemen kommen“, sagt SWR-Sprecher Wolfgang Utz. Gebhard Henke, Leiter des WDR-Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie, weist darauf hin, dass das Problem womöglich nicht beim Gerät, sondern beim Zuschauer liegt: „Viele ältere Menschen haben aufgrund des nachlassenden Gehörs Probleme, wenn die Filmtonmischung Sprachdialog, Musik und Geräusche sehr ‚gleichberechtigt’ abmischt, die Dialoge also nicht abgesetzt herausstellt. Insbesondere jüngere Regisseure mischen gerne so, weil das ‚realistischer’ klingt.“

Die Suche nach dem goldenen Mittelweg ist eine der Hauptbeschäftigungen von Hansjörg Kohli, dem Leiter der Musikredaktion im ZDF. Musik, sagt er, sei „ein Mittel, um Gefühle zu vermitteln. Mit den anderen Elementen des Films ist das nur begrenzt möglich.“ Bei der Mischungsabnahme liege der Fokus dennoch stets auf der guten Verständlichkeit der Dialoge. Man müsse aber bedenken, dass die akustische Ebene eines Films gewissermaßen das Ende einer Kettenreaktion sei: „Schon bei der Auswahl des Schauplatzes muss darauf geachtet werden, ob die Umgebung, etwa ein Autobahnrastplatz oder die Nähe zu einem Flugplatz, eine Herausforderung für den Ton darstellt. Dann ist die Frage, ob der Tonmeister am Set genug Zeit für einen sauberen Ton hat. Und so gibt es im Verlauf der Verarbeitungskette viele Stellschrauben, die es am Ende einfacher oder schwieriger machen, den Dialog im Studio so zu mischen, dass er verständlich ist.“

Eine echte Herausforderung für alle, die beim Film mit Akustik zu tun haben, ist offenbar die Unterschiedlichkeit der Empfangsgeräte: Leider lässt sich laut Kohli „nicht mehr wie früher pauschal eine ganz bestimmte Wohnzimmersituation verallgemeinern. Die Bandbreite der Geräte reicht vom klassischen Röhrenfernseher über ein Flachbildgerät, das vielleicht ein gutes Bild, aber miserable Lautsprecher hat, bis zum Monitor mit hochwertigem AV-Receiver und ausgezeichneten externen Boxen.“

Kohlis Gegenüber im Studio sind Tonmeister wie Sascha Heiny. Der Sounddesigner ist für die Akustik einer Vielzahl von Fernsehfilmen verantwortlich. Er gibt den Schwarzen Peter an Regisseure und Redakteure weiter: „Die wollen die Musik oft gern lauter haben, auch auf die Gefahr hin, dass die Dialoge dann schwerer zu verstehen sind, weil die Musik für eine emotionale Bindung an den Film sorgt.“ Für Brumm- oder Pfeiftöne gebe es zwar Filter, aber Autolärm lasse sich nur mit größerem Aufwand reduzieren. Animiert ein Regisseur seine Darsteller dazu, wie im Alltag zu sprechen, weil das authentischer klingt, ist auch Heiny mit seinem Latein am Ende: „Wenn Schauspieler nuscheln, nützt die beste Technik nichts.“

Von Tilman P. Gangloff