Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Medien & TV „24h Europe“: Arte feiert Europa in aufwendiger Echtzeit-Doku
Nachrichten Medien & TV „24h Europe“: Arte feiert Europa in aufwendiger Echtzeit-Doku
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 03.05.2019
Blick auf Europa: Junge Menschen genießen den Kadiköy-Anleger den Sonnenuntergang über der europäischen Seite von Istanbul, zu sehen in der Arte-Sendung „24-Stunden Europe“. Quelle: zero one 24/Emin Ozmen/Magnum Photos
Strassburg

Der See, in den Rakel und Lovisa am Morgen einer durchwachten Mittsommernacht springen, ist trotz fast pausenloser Sonne eiskalt – das spürt man am Nebel über Helsinkis Waldboden, das sieht man an den Augen der zwei Schülerinnen, das tönt aus jedem ihrer quietschvergnügten Schreie. Schließlich ist ein Bad am Morgen der ideale Wachmacher für sie. Und ein Startschuss für die Europa-Doku. Wer den beiden beim Schwimmen in einem der Abertausend finnischen Gewässer zusieht, hat sich zwölf Monate später vor den Fernseher gepflanzt, um dort etwas absolut Ungewöhnliches zu erleben.

Für Rakel und Lovisa ist es ein sensationell sorgloser, irgendwie aufregender, wiederholt wunderbarer Wochenendfrühsommertag, wie ihn wohl nur Teenager genießen. Für ihr Publikum hingegen ist es ein sensationell berauschender, irgendwie unfassbarer, sehenswerter Beitrag des Kulturkanals Arte, der es zehn Jahre nach „24h Berlin“ wieder mal getan hat: einen Mikrokosmos so intensiv unter die Lupe zu nehmen, dass man buchstäblich nicht nur dabei, sondern wirklich mittendrin ist in „24h Europe“.

Nach „24h Berlin“ jetzt die Europa-Erweiterung

So heißt die Erweiterung von Volker Heises Panoptikum grundverschiedener, seltsam vertrauter Daseinsentwürfe, die in früheren Produktionen von Deutschlands Hauptstadt über Jerusalem schließlich nach Bayern führte und von dort aus nun kontinental erweitert wird. Statt Tempelhof und Tempelberg erkundet der versierte Dokumentarist seit heute früh um 6 Uhr also gleich 26 Länder. Das, sagt Volker Heise über diese Perspektiverweiterung, „war ein echter Quantensprung“. Und weil der so gewaltig war, musste er sich Hilfe suchen.

Nach drei 24-stündigen Langzeitbeobachtungen als Showrunner hat der Produzent die künstlerische Verantwortung an Britt Beyer und Vassili Silovic abgegeben. Das Konzept jedoch bleibt identisch: Zwischen Island und Kreta, dem Atlantik und dem Ural begleiten 45 Teams 60 Protagonisten zwischen 18 und 30 Jahren im Spannungsfeld eines riesig kleinen Lebensraums von gut 10 000 Quadratkilometern Größe, den noch niemand zuvor in dieser Dichte beleuchtet hat. Nach dem Anbaden der finnischen Schülerinnen zum Beispiel wandern die Kameras vom Plattenbau des russischen Stahlarbeiters Andreij zum Flüchtlingsschiff der italienischen Seenotretterin Chloé und zurück. Sie beobachten Taxifahrer und Geschäftsleute, Azubis und Arbeitslose, Bauern und Ingenieure, Ärzte und Patienten, Tagediebe und Workoholics sowie Naturliebhaber, Clubgewächse. Und während sich erstaunlich viele der jungen Leute in Empathie und Mitgefühl für andere üben, bereitet sich die hessische AfD-Aktivistin Marie ebenso wie ein polnisches Wehrsportgruppenmitglied auf eine Abgrenzung vor.

Ein 24-Stunden-Europa-Konzentrat mit hohem Unterhaltungswert

So widersprüchliche, zugleich jedoch eng verbundene Einzelschicksale verbindet Arte erneut zu einer soziokulturellen Echtzeitarchäologie, die im Licht der anstehenden Europawahl etwas Beispielloses versucht: aus maximaler Differenz größtmögliche Nähe zu generieren. Es gehe um ein Gefühl von Verbundenheit, sagt Volker Heise im Gespräch. In 1440 Minuten, einem Konzentrat aus Hunderten Drehstunden, gelingt ihm das mit verblüffendem Unterhaltungswert.

Wie in der Arte-Dramaserie „Eden“, die das Megathema Migration fiktionalisiert, geht es Heises Team schließlich um neue Sichtachsen im Dienste des europäischen Projekts. Die permanenten Ortswechsel verlangen dem Zuschauer dabei zwar ein hohes Maß an Konzentration ab. Aber wer bis Sonntag um 6 Uhr – oder in der Mediathek – bis zum Schluss dranbleibt, wird mit frischem Wind durchs brexit-, populismus, krisenwunde Gemüt belohnt. Der Zuschauer erlebt eine Landmasse, die Arte seinem Auftrag als deutsch-französischer Kulturkanal entsprechend zwar spürbar liebt, aber wie in jeder guten Ehe auch mal kritisiert. Klänge Europa stets wie in diesen 24 Stunden – es müsste wohl niemandem darum bange sein.

Von Jan Freitag/RND

Popstar Justin Bieber und YouTube haben ein gemeinsames Projekt angekündigt. Details zu der Zusammenarbeit seien aber noch „streng geheim“.

03.05.2019

Die einst durch „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ bekannt gewordene Schauspielerin Maike von Bremen muss ihre Schauspiel-Karriere beenden. Das teilt sie auf Instagram mit. Ihre Augenlider seien chronisch entzündet, sie dürfe sich nicht mehr schminken.

03.05.2019

Erstmals zeichnet ein deutscher Künstler einen „Lucky Luke“-Band. Der Zeichner Mawil lässt den einsamen Cowboy im neuen Comic sein treues Pferd Jolly Jumper gleich mal gegen ein Fahrrad eintauschen.

03.05.2019