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19:57 21.08.2019
Regisseurin Nora Fingscheidt. Quelle: imago images / snapshot

Klar war das schon bei der Berlinale: Den Namen Nora Fingscheidt sollte man sich von nun an gut merken. Die 36-jährige hatte sich mit ihrem Spielfilmdebüt „Systemsprenger“ in die internationale Riege der Autorenfilmer katapultiert. Der Alfred-Bauer-Preis des Festivals, vorgesehen für Werke, die neue Perspektiven der Filmkunst eröffnen, würde nur der Anfang sein. Seit Mittwoch ist Fingscheidt Deutschlands Kandidat für den Auslands-Oscar, der am 9. Februar 2020 vergeben wird.

Der Weg bis zur Trophäe in Hollywood ist noch weit: Die Regisseurin muss erst noch die Auswahlschritte der Oscar-Akademie überstehen. Am Ende bleiben nur fünf Bewerber aus aller Welt auf einer Shortlist übrig. Und doch: Wer Fingscheidts ebenso knallharte wie einfühlsame Geschichte über die Not und die Wut eines neunjährigen Mädchens gesehen hat, traut diesem Film eine große Karriere zu.

Bislang war Fingscheidt schon als versierte Dokumentarfilmerin ein Begriff (Max-Ophüls-Siegerin mit „Ohne diese Welt“). Bei „Systemsprenger“ hatte sie sich erstmals für die fiktionale Form entschieden: Das Mädchen Benni (grandios: Helena Zengel) ist ein „Systemsprenger“. So bezeichnen Jugendhelfer verhaltensauffällige Kinder, die durch das staatliche Betreuungsnetz aus Psychologen und Pädagogen rutschen.

Fingscheidt ist auf Festivalreise

Benni tickt wie eine Zeitbombe, die jederzeit explodieren kann. In einem Moment ist sie das lustigste Mädchen der Welt, im nächsten donnert sie ihren Kopf oder den eines anderen Kindes gegen eine Fensterscheibe. All die engangierten Helfer um Benni herum sind hilflos. Benni will nach ihrer Odyssee durch Wohngruppen und Sonderschulen nur eines: zurück zu ihrer heillos überforderten Mama.

Nora Fingscheidt wurde unter sieben Bewerbern für die Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film ausgewählt. Sie setzte sich unter anderem durch gegen die Hape-Kerkeling-Biografie „Der Junge muss an die frische Luft“ von Regisseurin Caroline Link, die mit „Nirgendwo in Afrika“ (2001) schon einmal den Oscar gewonnen hat.

So ist wieder frisches Gegenwartskino im Oscar-Rennen gemeldet - und kein abgehangenes Historiendrama wie im Vorjahr Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“.

Fingscheidt ist mit ihrem Film gerade auf einer weltweiten Festivalreise. „Die überwältigenden Reaktionen des Publikums zeigen: Kino kann einen Dialog zwischen Kulturen herstellen, weil es ums Menschsein geht“, sagte Fingscheidt, als sie die Nachricht von ihrer Nominierung erhielt. Deutscher Kinostart für dieses herzzerreißende Werk ist der 19. September.

Von Stefan Stosch/RND

Nora Fingscheidt geht mit ihrem Spielfilm “Systemsprenger” für Deutschland ins Oscar-Rennen. Er wurde unter sieben Bewerbern ausgewählt.

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