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Kultur Streit um die Kunstgalerie Kubus
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09:41 18.11.2010
Von Johanna Di Blasi
Kunst im Quadrat: Der Kubus eckt an. Quelle: Martin Steiner
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Anfang der Woche hat die hannoversche Stadtverwaltung einen Versuchsballon gestartet. Sie brachte einen Abriss des Kubus ins Gespräch, eines charakteristischen Baus der hannoverschen Nachkriegsmoderne, der für Kunstausstellungen genutzt wird. Offenbar um zu sehen, ob protestiert wird oder ob man auf dem Areal in der Nähe des Neuen Rathauses Investoren freie Hand lassen kann. Von den Kommunalpolitikern kam kein Widerspruch, die Lage des Kubus mit angebauter Volkshochschule gehöre zu „den attraktivsten in der City“, hieß es. Man wolle das Areal „zur Aufwertung freigeben“.

Der kleinformatige Kubus, der seit den frühen sechziger Jahren Hannovers Städtische Galerie ist und in dem über Jahrzehnte hinweg hannoversche und niedersächsische Kunstgeschichte geschrieben wurde, stört also jetzt irgendwie. Für den nicht als Denkmal geschützten Kunstwürfel scheint nun alles möglich: von Integration in einen Büro- oder Wohnkomplex bis zum Totalabriss.

Die architektonische Qualität des 1962 bis 1965 errichteten Gebäudes, ein schwebender Block auf leichtfüßig verglastem Sockel, geschweige denn die Rolle, die der Kubus innerhalb der kulturellen Erinnerung der Stadt spielt, aber wurde nicht thematisiert. Hier hatte der legendäre Galerist Dieter Brusberg sein Domizil, später kamen die Galerien Wewerka und Sandmann + Haak. Und die Stadt bemühte sich in den sechziger bis achtziger Jahren um ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm in der zentralen Halle. Eine eigene Sammlung aber hat der Kubus nicht.

Allenthalben ist derzeit die architektonische Nachkriegsmoderne auf dem Prüfstand. Die einen sehen sie als akut gefährdet an, die anderen als hässlich, kalt und entbehrlich. Man dürfe diese Bauten nicht fetischisieren, heißt es.

Bei der Stadt Hannover ist über den Kubus-Erbauer fast gar nichts bekannt. Dabei hat Alfred Müller-Hoeppe, 1910 in Bad Hersfeld geboren, 1987 in Hannover gestorben, immerhin die denkmalgeschützte Bauverwaltung mitentworfen. Im Foyer der Bauverwaltung befindet sich – die wenigsten Hannoveraner werden es wissen – ein Mobile von Alexander Calder. In der Volkshochschule gibt es ein Glasfenster von Gerhard Wendland (gerade ist ihm im Kubus eine Ausstellung gewidmet). Und in die Fassade des Kubus hat Müller-Hoeppe, der bei der Stadt angestellt war, ein monumentales Stahlrelief des bedeutenden Bildhauers Erich Hauser eingefügt.

„Schon allein wegen der Bauplastik von Hauser würde mich der Abriss des Kubus schmerzen“, sagt der hannoversche Künstler Hannes Malte Mahler. Ihn erinnert die jetzige Abrissdebatte an die Landtagsdiskussion. „Es ist wie mit den Panton-Stühlen, die die Leute plötzlich wegwarfen, weil sie Plastik blöd fanden.“ Timm Ulrichs, der Anfang der achtziger Jahre über das Dach eine zwölf Meter lange, vom Blitz getroffene Kiefer in den Kubus gewuchtet hatte, fühlt sich ebenfalls an die Landtagsdebatte erinnert. „Es wäre schade um den Kubus.“

„Der Kubus ist die nach außen gestülpte Behauptung der Autonomie. Man kann nicht klarer bauen, was ein ‚White Cube‘ ist“, meint der Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle. Es sei „ein sehr klares Statement, eine sehr geeignete Form für eine Kunstgalerie“.

Auch Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann schätzt den Bau: „Der Kubus ist ein elegantes Bauwerk, gut nutzbar und an einem guten Standort.“ Sollte er allerdings abgerissen werden, verspricht sie einen „Alternativstandort für die Städtische Galerie“.

Stadtbaurat Uwe Bodemann bewertet den Kubus als „Zeitzeugnis aus den sechziger Jahren und nach wie vor eine interessante Kultureinrichtung in der südlichen Altstadt“. Eine bauliche Neuentwicklung am jetzigen Standort müsse sich „aufgrund der städtebaulichen Bedeutung des Grundstücks maßstäblich in den baulichen Zusammenhang einfügen“.

Kann der Kubus also weg? Oder muss er bleiben? Im Rahmen von „Hannover City 2020+“ sind kürzlich Entwürfe von drei Architektenteams in die engere Wahl gekommen. Alle drei integrieren den Kubus in ihre Neuplanungen des Areals, wobei Trojan Trojan + Partner eine Aufstockung des Baus vorschlagen.

Die Architektenkammer Niedersachsen verweist auf ihre gerade laufende Wanderausstellung „Architektur in Niedersachsen zwischen Nierentisch und Postmoderne“. Für diese hat ein Expertenteam aus 700 Nachkriegsbauten 35 erhaltenswerte ausgewählt, darunter den Kubus. „In der Architektenschaft genießt er Wertschätzung“, sagt Kammersprecherin Felicia Riess.

Hannovers Kunstszene treibt indes nicht nur die Sorge um den Kubus-Bau um. Die Künstler fürchten, dass nach der Abschaffung der Künstlerausbildung in Hannover nun auch der einzige Ausstellungsort der heimischen Szene wegfällt. Überraschend käme das Aus nicht. In den zurückliegenden Jahren ist das Kubus-Programm von Stadtmitarbeitern nebenbei erledigt worden – und fiel dementsprechend aus. Zwar baute die Stadt erst unlängst einen Lift in den Kubus ein und erneuerte den Fußboden, doch um die Strahlkraft der Galerie kümmerte man sich nicht.

Die Künstlerin Dagmar Brand kündigte für Anfang kommender Woche eine Protestaktion an. Sie trommelt derzeit Kollegen zusammen. „Wir werden am Dienstag, 23. November, um 11 Uhr vor dem Rathaus Aufstellung nehmen und die Politiker zum Gespräch auffordern. Anschließend besetzen wir den Kubus.“ Unter den Protestbereiten sind namhafte Künstler wie Siegfried Neuenhausen, oder Bernd-Wolf Dettelbach.

Mit einem solchen Ansturm hatten die Veranstalter nicht gerechnet: Die britische Band Blood Red Shoes begeisterte ihre Fans im ausverkauften Chéz Heinz.

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