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Kultur Sichtlich zufrieden: Fischer-Z im Capitol
Nachrichten Kultur Sichtlich zufrieden: Fischer-Z im Capitol
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18:52 17.10.2012
Konzeptkunst: Fischer-Z beim Konzert im hannoverschen Capitol.
Konzeptkunst: Fischer-Z beim Konzert im hannoverschen Capitol. Quelle: Dimi Anastassakis
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Hannover

John Watts ist Fischer-Z, und Fischer-Z ist John Watts. Watts, 1954 im Nordwesten Londons geboren, gründete die Band Ende der Siebziger. Im Jahr 1979 veröffentlichten sie das Debütalbum „Word Salad“ und wurden für die Verbindung von Pop, New Wave und Reggae-Anleihen gefeiert. In den beiden Folgejahren kommen zwei weitere erfolgreiche Alben. Dann wird es öffentlich ruhiger um den Mann, der immer Hut trägt.

Watts hätte mit Fischer-Z wohl auch noch größer werden können. Aber anbiedern, an Trends oder Plattenfirmen, das ist seine Sache nie gewesen. Fischer-Z lösten sich auf, dann gab es sie wieder, aber nur Watts war noch dabei. Er machte immer die Musik, die er machen wollte, scherte auch mal tief in die Richtung von elektronischer Musik aus und sang selten über die Liebe, aber öfter über die schwankenden Gestalten am Rande von Gesellschaft und Wahnsinn. Und so spielt er an diesem Oktoberabend im hannoverschen Capitol vor einigen Hundert Gästen, sichtlich zufrieden.

Viele wippen schon, als der für Fischer-Z so bestimmende Bass das erste Mal sanft vibriert. Das Keyboard wird mal spärlich eingesetzt, mal ergießt sich ein dichter Wave-Sound auf die Zuschauer. Großer Jubel bei „Berlin“, einem der alten Hits. Damals ging es um die Gefahren des Kalten Krieges. Wirklich sicherer ist die Welt heute nicht, der Song passt immer noch. Auf der Leinwand im Hintergrund laufen surreale Videos, die einem Dalí-Werk entliehen wirken. Watts, den man sicher Konzeptkünstler nennen kann, hat diese Videos konzipiert, auch die, die ihn in jungen und alten Jahren zeigen. Meistens sind die Bilder schwarz-weiß, und irgendwie passen die beiden Farben mit all ihren Schattierungen zu diesem Mann.

„Cheers“, sagt Watts, nimmt einen Zug aus der grünen Bierflasche und richtet den Hut. Das Publikum prostet zurück und jubelt. Viel mehr Worte verliert der Sänger an diesem Abend nicht mehr. Muss er ja auch nicht.

Stefan Stosch 16.10.2012
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