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Kultur Schauspieler Hannes Jaenicke: So können wir die Meere retten
Nachrichten Kultur Schauspieler Hannes Jaenicke: So können wir die Meere retten
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07:13 12.10.2019
Engagierter Schauspieler: Hannes Jaenicke. Quelle: imago images / APress

Herr Jaenicke, was macht die Schauspielerei?

Wir haben gerade an zwei neuen Filmen aus der Reihe der Amsterdam-Krimis gearbeitet. Die beiden ersten Teile im vergangenen Jahr liefen so gut, dass wir jetzt zwei neue drehen durften. Als Nächstes mache ich wieder eine Dokumentation aus der ZDF-Reihe „Im Einsatz für …“, dieses Mal über Lachsfarmen, die letzten Wildlachse und Überfischung. Danach drehe ich noch einen ARD-Film zum Thema Meeresschutz im Indischen Ozean. Es gibt viel zu tun.

Sie drehen nicht nur, Sie setzen sich seit Jahrzehnten auch intensiv für die Umwelt ein. Würden Sie sich eher als Umweltschützer oder als Schauspieler bezeichnen?

Ich verdiene mein Geld als Schauspieler und gebe es für meine Umweltaktivitäten aus. Mein Beruf bereitet mir nach wie vor einen Riesenspaß, ich würde die Schauspielerei nur sehr ungern an den Nagel hängen. Aber die Dokus und die Umweltschutzprojekte sind mein Herzensprojekt.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann mit der Schauspielerei Schluss zu machen und vielleicht sogar Politiker zu werden, um noch mehr zu bewegen?

Um Gottes willen. Wo bleibt denn da der Spaß? Ich habe einen von drei Berufen, in denen man fürs Spielen bezahlt wird. Das wird man als Schauspieler, als Musiker und als Fußballer. Und ich weiß nicht, ob im Bundestag zu sitzen irgendetwas mit Spaß und Spiel zu tun hat. Ich fürchte nein. Es muss schrecklich sein, dauernd von 1000 Lobbyisten traktiert zu werden.

Chemieunfall Grund für Umweltengagement

Gab es eine Initialzündung für Ihr Engagement für die Umwelt?

Erst mal fand ich es als Jugendlicher cool, dass irgendwelche verrückten Kanadier in Schlauchbooten gegen japanische Walfänger vorgingen. Mit 15, 16 Jahren wurde ich Mitglied von Greenpeace. Da bekommt man regelmäßig deren Newsletter, und das Thema Umweltschutz hat mich dadurch immer mehr beschäftigt. Ein Schlüsselerlebnis war dann, als ich 1986 mit Herbert Grönemeyer in einem Kölner Ruderklub war. Wir mussten für den Film „Väter und Söhne“ trainieren. Dann passierte die Sandoz-Katastrophe, dieser große Chemieunfall in der Schweiz, es folgte das größte Fischsterben im Rhein. Danach war der Fluss klinisch tot und für Herbert und mich Schluss mit Rudertraining. Dies war der Moment, in dem ich dachte, es reicht vielleicht doch nicht, nur seinen Jahresbeitrag an Greenpeace zu überweisen.

Sondern?

Sich zu engagieren. Irgendwann habe ich die Chance bekommen, Dokumentationen für das ZDF und andere Sender zu drehen. Das mache ich jetzt seit 20 Jahren. Ich bin irgendwann zu der Erkenntnis gekommen, dass Dokus eine gute Möglichkeit sind, etwas zu bewegen. Das mache ich mit Begeisterung – und mit erfreulichem Erfolg, was Publikum und Reaktionen angeht.

Sie haben jetzt ein Buch über das Meer geschrieben. Was fasziniert Sie denn so am Meer?

Zunächst einmal bin ich ein ganz normaler, aber fanatischer Wassersportler. Ich liebe Segeln, Surfen, Kitesurfen, war früher Ruderer und Kajakfahrer. Wann immer ich kann, gehe ich ins oder aufs Wasser. Ich stelle aber immer häufiger fest, dass, egal, wohin man reist, die Meere zu Müllhalden geworden sind. Die Idee hinter diesem Buch war, ob man diese Tatsache vielleicht überdenken oder gar ändern kann.

Das erste Mal ans Meer

Sie sind ja in Frankfurt und Pittsburgh, also als Landratte aufgewachsen. Wann hatten Sie zum ersten Mal Kontakt mit dem Meer?

Meine Großmutter hat in den Sechzigerjahren in Holland regelmäßig eine Ferienwohnung gemietet, dort haben wir unsere Sommerferien verbracht. Da bin ich als Anderthalbjähriger das erste Mal hingekommen – es war der Beginn meiner Liebesgeschichte mit Wasser und Meer.

Erst mal also die Nordsee.

Ja, und die ist auch in einem kata­strophalen Zustand, wie wir wissen.

Was ist denn heute Ihr Lieblingsmeer?

Schwer zu sagen. Ich finde das Mittelmeer großartig, der Pazifik ist das faszinierendste, der Indische Ozean das wärmste, der Atlantik das wildeste aller Meere. Nein, es ist mir eigentlich egal, Hauptsache Wasser. Ich sitze auch gern am Rhein und schaue den Schiffen zu. Oder in Oberbayern an einem See. Mir ist eigentlich gleich, in welcher Form Gewässer daherkommt, ich finde es immer beruhigend und anziehend.

Mir ist eigentlich gleich, in welcher Form Gewässer daherkommt, ich finde es immer beruhigend und anziehend.

Hannes Jaenicke

Sie haben ja schon angedeutet, wie gefährdet die Gewässer der Erde sind. Wie kann denn die Menschheit besser mit den Meeren umgehen?

Da denke ich zunächst einmal an die Gesetzgebung. Wir brauchen dringend ein Komplettverbot von Einwegplastik oder eine hohe Besteuerung. Wir brauchen zudem eine Steuervergünstigung für dasjenige Plastik, das zirkular behandelt, also wiederverwendet wird. Ein Beispiel: Der Putzmittelhersteller Frosch produziert seine Flaschen aus 100 Prozent recyceltem Plastik, Recyclat genannt. Warum ist Frosch der einzige Hersteller? Warum machen das andere nicht nach?

Das liegt ja alles in der Verantwortung der Politik und der Unternehmen. Können Konsumenten nichts bewirken?

Doch, wir brauchen natürlich auch bewusstere Verbraucher. Nicht solche wie in Deutschland, wo pro Stunde 380.000 To-go-Becher verballert werden. Jeder sollte seinen eigenen Becher, seine eigene Trinkflasche dabeihaben, und das sollte belohnt werden. Weiter geht es mit der Überfischung. Der Fischkonsum muss reduziert werden, wir brauchen schärfere Kontrollen, was Fangquoten und -techniken betrifft. Es wird unglaublich viel illegal gefischt, in erster Linie durch spanische Fangflotten. Pestizide sind ein weiteres Problem, Fungizide, Insektizide, alles, was von der Agrarindustrie eingesetzt und auf Äckern ausgebracht wird, landet irgendwann im Meer. Ich könnte Sie jetzt zwei Stunden lang zutexten, bis Ihr Ohr welk ist, und bin dann immer noch nicht fertig mit all den Problemen.

„Unser Geldbeutel ist eine Waffe“

Aber wird die Macht der Verbraucher nicht überschätzt?

Nein, die ist viel größer, als wir denken. Unser Geldbeutel ist eine unfassbar scharfe Waffe. Würden wir jetzt alle nur noch Frosch kaufen, würden deren Konkurrenten wie Procter & Gamble und Henkel sehr schnell anders produzieren. Würden wir aufhören, SUVs zu kaufen, würde die Autoindustrie keine SUVs mehr herstellen. Wir könnten den Markt also massiv beeinflussen.

Sind Sie sicher?

Natürlich. Das Nächste ist, dass wir natürlich die Wahl haben, nehme ich einen Plastik- oder Papierbeutel oder benutze ich meinen eigenen Stoffbeutel. Dauernd wird kritisiert: „Papierbeutel haben auch keine gute CO2-Bilanz.“ Das stimmt, aber wofür brauchen wir überhaupt eine Papiertüte? Unsere Umweltministerin Svenja Schulze schlägt jetzt endlich ein Plastiktütenverbot vor. Das hat Ruanda 2008 eingeführt. Ähnlich wie Tansania, Kenia, Bangladesch. Wir tun immer so, als seien wir ganz vorn dabei bei solchen Gesetzen. Das stimmt überhaupt nicht: Wir liegen ganz weit hinten.

Aber wenn eigentlich alles auf der Hand liegt, wie wir die Probleme lösen können, warum setzt die Politik dann nicht auf diese Lösungen?

Vor allem liegt es am Lobbyismus, es gibt eine unglaublich mächtige Ölindustrie, eine unglaublich mächtige Verpackungsindustrie, eine unglaublich mächtige Konsumgüterindustrie. Es gibt den großartigen Satz von Dieter Hildebrandt: „Die Politik hat genau den Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.“ Daran hat sich leider nichts geändert. Im Gegenteil: Es ist noch schlimmer geworden.

„Kleiderkreisel sind großartige Erfindungen“

Ist die Bundesregierung mit dem Klimapaket die ersten Schritte in die richtige Richtung gegangen?

Das Klimapaket ist ein Witz, ein Klacks in Anbetracht der Probleme, die Deutschland hat, die eigenen Klimaziele umzusetzen. Da wurde eine große Chance ängstlich und mutlos vertan.

Worauf achten Sie persönlich?

Soweit es möglich ist, kaufe ich Kleidung, die sauber produziert wird, von Patagonia etwa. Und ich kaufe viele Klamotten gebraucht. Ich finde Kleiderkreisel und Kleidertauschbörsen großartige Erfindungen. Billig-T-Shirts aus den großen Kaufhäusern und Textildiscountern können gar nicht sauber und sozial produziert sein.

Sie sind aber auch ein Vielflieger. Wie passt das zusammen?

Ich fliege privat so gut wie nie, aber beruflich natürlich oft. Die Frage ist: Soll ich jetzt meinen Beruf an den Nagel hängen und aufhören, Filme zu drehen, weil ich Flugscham habe? Oder gleiche ich das in anderer Form aus? Ich mache grundsätzlich einen CO2-Ausgleich und unterstütze mehrere Wiederaufforstungsorganisationen. Ich lebe weitestgehend vegan, ich versuche so viel gebraucht und im Sharingprinzip zu konsumieren, wie es geht. Aber mit dem Fliegen ist es schwierig: Ich müsste in Rente gehen, wenn ich aufhören würde zu fliegen. Ich drehe jetzt gerade eine Lachsdoku in Kanada, da komme ich mit dem Fahrrad nicht hin, und einen fliegenden Teppich gibt es leider noch nicht. Natürlich ist meine Fliegerei ein fauler Kompromiss, das ist mir sehr wohl bewusst.

Auf dem Boot in die USA: Svante Thunberg, Vater der Klimaaktivistin Greta Thunberg, am Ende des ersten Tages auf hoher See an Bord der Rennjacht "Malizia". Quelle: -/Team Malizia/dpa

Halten Sie Aktionen wie die von Greta Thunberg, mit dem Boot in die USA zu fahren und nicht mit dem Flugzeug zu fliegen, für zielführend?

Das ist symbolisch hervorragend, großartige PR. Greta wird jetzt von den Medien natürlich auf der einen Seite geschlachtet, auf der anderen Seite gehypt, als wäre sie Mutter Teresa. Da kann man ja vielleicht auch einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Greta ist eine hochintelligente, beeindruckende Schülerin, die eine weltweite Bewegung losgetreten hat. Und wie bei allen Bewegungen brauchst du eine Leitfigur. Das war bei der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther King, das war in der Anti-Apartheid-Politik Nelson Mandela, um nur zwei zu nennen. Greta Thunberg ist das Gesicht einer unglaublich wichtigen, neuen Umweltbewegung. Ich bewundere, was sie auf die Beine gestellt hat – und dass so viele Menschen auch in Deutschland mit ihr auf die Straße gehen. Meine Generation hat es versaut, wir werden die Erde nicht mehr retten. Aber wir können diese jungen Leute dabei unterstützen, es besser zu machen.

Bruder ist bekannter Maler

Sehen Sie irgendwo Hoffnung, dass in Sachen Klimaschutz umgedacht wird?

In Skandinavien passiert sehr viel, in Holland, Costa Rica, auch an der Westküste der USA, die sind uns um Längen voraus, selbst in Afrika gibt es Länder, die beim Thema Klima- und Umweltschutz weiter sind als wir. Da bin ich eigentlich gerade ganz optimistisch. Ich habe, wie gesagt, gerade zwei Monate in Amsterdam gedreht und gestaunt, wie die Holländer uns abgehängt haben.

Inwiefern?

Man landet am Flughafen, und da stehen erst einmal nur Elektrotaxis. Dann kommt man in die Innenstadt, und die ist komplett autofrei. Die Amsterdamer fahren mit dem Fahrrad. Man sieht Frauen mit einem Bakfiets, so heißen die Lastenräder dort, und drei Kindern, die sie mit diesen Rädern zur Schule bringen. Du siehst da sogar Leute, die Eisschränke mit Lastenrädern durch die Gegend fahren. Der gesamte Grachtenring ist autofrei, und es funktioniert. Amsterdam ist ja nicht kollabiert, im Gegenteil.

Ihr Bruder ist Maler und beschäftigt sich vor allem mit Industriekultur. Sagen Sie dem manchmal auch: Mensch, mal doch mal ein paar Bilder, auf denen du den Klimaschutz thematisierst?

Mein Bruder arbeitet in wechselnden Phasen. Er ist bekannt geworden mit dem Malen von alten Zechen und Stahlwerken, also einer untergehenden Industriekultur. Dann hat er aber auch Phasen, da malt er riesige Blumenbilder, und es gibt Zeiten, da malt er Schiffe und Häfen. Mein Bruder ist berühmt geworden mit der Industriemalerei, aber er macht viele andere Sachen. Er hat keinen Führerschein und lebt zehnmal grüner als ich.

Hannes Jaenicke hat seine Schauspielausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert. Aber er lernte auch an der Wiener Opernschule und der London School of Modern Dance. Zunächst stand er danach auf den Theaterbühnen Deutschlands und Österreichs, unter anderem an der Burg in Wien und bei den Salzburger Festspielen.

Sein erster Film bedeutete auch gleich den Durchbruch für Jaenicke: Unter anderem mit Götz George steckte er 1984 in „Abwärts“ im Fahrstuhl fest. Seitdem spielt er in zahlreichen Filmen und Serien. Seit 1999 dreht Jaenicke auch Dokumentarfilme, seit 2008 läuft seine Reihe „Im Einsatz für ...“, in der es schon um Orang-Utans, Eisbären, Elefanten, Delfine und andere Tiere ging.

Aber der 59-Jährige scheint auch damit noch nicht ausgelastet zu sein. Er setzt sich für den Umweltschutz ein und schreibt auch noch Bücher. Sein aktuelles, das er gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalistin Ina Knobloch verfasst hat, heißt „Aufschrei der Meere. Was unsere Ozeane bedroht und wie wir sie schützen müssen“ (Ullstein, 320 Seiten, 19,99 Euro). Darin erzählen die beiden von ihrer Liebe zum Meer. Vor allem aber zeigen sie auf, wie und womit der Mensch die Ozeane besser schützen kann.

Von Kristian Teetz/RND

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