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Nachrichten Kultur Rosanne Cash – Mit Dolch und Rosen
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14:39 19.11.2018
Über die Liebe, über den Zorn: Rosanne Cash auf dem Cover ihres neuen Albums „She Remembers Everything“. Quelle: Blue Note/AP
New York

„Sie erinnert sich an alles“ heißt das Album. Der Titel klingt doppeldeutig nach Glück oder dem Gegenteil. „Sie“, das steht für alle Frauen. Und „sie“ könnte hier Bilanz ziehen, wie schön alles war. Oder die Warnung aussprechen, dass die Beziehung ab jetzt in die Gefahrenzone eintritt, weil einiges von dem, was „sie“ sich vom Gewesenen in Erinnerung ruft, als Argument dienen könnte, zu gehen.

Rosanne Cashs Album handelt von der Liebe über die Jahre

Rosanne Cash ist auf dem Cover der Künstlerin Portia Munson umgeben von Rosenblättern. Das Ding zwischen ihren Händen scheint ein Dolch zu sein. Die gefährliche Art dessen, wovon Lynn Anderson vor beinahe 50 Jahren sang: „Tut mir leid, ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen.“

Das Album handelt zuvörderst und vordergründig von der Liebe über die Jahre. Die geboren wird, glücklich gedeiht, Höhen erklimmt, Täler durchwandert und sich unweigerlich auf den Punkt zubewegt, an dem einer von beiden dem anderen vorangeht. Cash erzählt in „Crossing To Jerusalem“ von sich, aber in „The Only Thing Worth Fighting For“ auch erneut von ihrem Vater Johnny, von dem ja vieles auf ihren vorherigen Alben handelte, und dem das Leben so schwer wurde, nachdem seine Lebensliebe June gestorben war. Und in „Everyone But Me“ singt sie davon, wie schwer man am Tod der Eltern zu tragen hat.

Cashs reife Betrachtungen über die Zweisamkeit rühren an

Rosanne ist die Tochter von Johnnys erster Frau Vivien, bei der sie aufwuchs, bis sie sich blutjung der „Johnny Cash Roadshow“ anschloss. 40 Bühnenjahre sind seit ihrem ersten Album vergangen, jedes ist in den Liedern wie dem knochig-folkigen „The Undiscovered Country“ und dem taumelnd swingenden „My Least Favourite Life“ (mit Decemberists-Sänger Colin Meloy) spürbar.

Die reife, persönliche, traurigkeitsdurchzogene und zugleich nie hoffnungslose Betrachtung der Zweisamkeit rührt einen an, vor allem im Titelsong, in dem eine geheimnisvolle „sie“ in ihren Erinnerungen zu verschwinden scheint. Es sind dies aber auch Lieder von einem alten Amerika, das in einer neuen, dunkleren Welt versinkt. Trumps Walten gibt der Platte auf dem Jazzlabel Blue Note die dunkelgraue Note - wie so vielen Alben so vieler Künstler dieser Tage.

„Feminine Gothic“ nennt Cash ihre Americana. Die 63-Jährige packt ihren Unmut über alles Geschehene seit der Wahl in sehr persönliche Musik. In diesen Liedern, die zum Teil mit Hilfe ihres Ehemanns und Produzenten John Leventhal entstanden, schwingt mit, wie Frauen, die gegen Missbrauch laut werden, immer noch nicht geglaubt wird, wenn es etwa darum geht, einen Mann in eine Schlüsselposition zu hieven.

Das neue Amerika tanzt in den Liedern von Rosanne Cash

Die Beteiligten an der Kavanaugh-Anhörung tanzen unsichtbar in Cashs Liedern, die zerrissenen mexikanischen Familien an der Grenze zu den USA, es klingen darin unterschwellig der herrschende Lärm von Spaltung und Diskriminierung und das Weinen einer ihrer drei Töchter, nachdem Trumps Sieg unzweifelhaft war. All das gibt diesem Album über die Runden im Kampf des Lebens, die man gewinnt und über die, die man verliert, seinen klaren Blick, seine Echtheit, seinen schönen Moll-Klang.

Mit Kris Kristofferson und Elvis Costello beschwört Rosanne die „8 Gods of Harlem“ herauf. Ein Song, der schon seit 2008 in der Schublade liegt, der aber klingt, als sei er unter dem Eindruck jüngster Geschehnisse entstanden. Die drei Stimmen versuchen aus drei Perspektiven ein Schulmassaker zu erfassen, nur um damit zu bezeugen, dass diese Gewalt eigentlich unfassbar ist.

Ein packendes Lied über Waffengewalt – statt Gedanken und Gebete

Und die Stimme von Kristofferson, des einstigen jungen wilden Mannes, dem Johnny Cash eine eigene Karriere bahnte, klingt wie alter Sand. Cash, seit Ewigkeiten unterwegs für schärfere Waffengesetze, hat ein packendes Lied, wo andere die immergleiche „Gedanken und Gebete“-Formel abspulen. Cash passt auf und wird sich an alles erinnern. Sie gehört zu den vielen Widerständigen dieser Tage. Ihr Vater, der das auch war, wäre davon sehr angetan.

Rosanne Cash: „She Remembers Everything“ (Blue Note) bereits erschienen

Von Matthias Halbig / RND

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