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Kultur Roger Cicero und Lutz Krajenski spielen in Hannover
Nachrichten Kultur Roger Cicero und Lutz Krajenski spielen in Hannover
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07:47 20.10.2010
Roger Cicero im Pavillon in Hannover.
Roger Cicero im Pavillon. Quelle: Frank Wilde
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Roger Cicero solo“ ist das Konzert im Pavillon etikettiert. Doch da ist noch der Mann an den Tasten. Ohne Lutz ­Krajenski hätte nicht nur an diesem Abend jemand an der Seite des erfolgreichen Swingcrooners Cicero gefehlt. Seit vielen Jahren spielen sie zusammen, keiner wäre ohne den anderen dort, wo er jetzt ist. Krajenski ist glücklicherweise cool genug, um als „featuring Lutz Krajenski“ nicht beleidigt zu sein. Er hat genauso viel Charisma wie Cicero und überhaupt: Er hat garantiert so viele Fans wie der Sänger, auch wenn er nicht so smart ist.

Auf dem Programm stehen Ciceros Lieblingslieder. Eine ziemliche Bandbreite ist das. „What’s going on“ von Marvin Gaye, aber auch „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller, Jazzstandards wie „In the mood for love“ und deutschsoulige Songs über den Tod seines Vaters und die Liebe zu seinem kleinen Sohn. Roger Cicero ist in allen Genres ein Meister der Zwischentöne und der Modulation – auch wenn die persönlichen Songbekenntnisse aus seinem Leben dann doch recht lang und reichlich knödelig ausfallen.

Er ist der Saubermann unter den Soulsängern. Immer sieht er manierlich aus, auch wenn seine Töne „schwarz“ und „dreckig“ klingen. Andere mussten und müssen Grimassen ziehen, um solche Klänge zu produzieren. Cicero bleibt auch in den höchsten Tönen immer gut anzusehen, was er vor allem seiner Gesangstechnik verdankt. Was so mühelos aussieht, ist tatsächlich das Ergebnis harter Arbeit. Doch dann geht auch der lockere Sänger mal an seine Grenze: Mit „Blue Rondo al la Turk“ von Dave Brubeck und Al Jarreau beweist der 40-Jährige den 600 Fans im Pavillon, was er wirklich kann, und liefert ein kleines Meisterstück ab. Dieses verflixte Großwerk im Neunachteltakt gelingt Roger Cicero aufs Atemberaubendste, hinterher ist er schweißgebadet. Was ihm übrigens gut steht.

Lutz Krajenski lässt sich nichts anmerken. Vielleicht atmet er unbemerkt etwas auf, als das minutiös einstudierte Œuvre vollendet ist, für das Bach Pate gestanden hat. Ansonsten spielt Krajenski inbrünstig den E-Flügel, kriecht fast mit dem ganzen Körper hinein, und noch lieber „quält“ er das schwere Echtholzmöbel, dem er seinen Spitznamen „Hammond“ verdankt. Unter seinen Fingern wabert, meckert, bratzt, zirpt und klingt die Orgel so heftig, als sollte es das letzte Mal sein. Das wollen wir aber nicht hoffen.

Karin Vera Schmidt

Simon Benne 19.10.2010
Stefan Stosch 23.10.2010