Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Auf eigene Kosten
Nachrichten Kultur Auf eigene Kosten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 22.11.2013
Von Stefan Stosch
Foto: Robert De Niro über seinen neuen Film „Malavita – The Family“
Robert De Niro über seinen neuen Film „Malavita – The Family“ Quelle: Universum Film
Anzeige

So fest war sein Image verknüpft mit jenem des Kino-Mafiosos, dass er im Alter darangehen konnte, das Bild mehr oder weniger lustvoll zu parodieren – siehe seine Auftritte als Pate mit Erektionsproblemen in „Reine Nervensache“. Seitdem zehrt der jetzt 70-Jährige von der Substanz. Er schlachtet seine eigene Legende aus.

In Luc Bessons brachialer Komödie „Malavita – The Family“ wird dieses Prinzip auf die Spitze getrieben. Fred (De Niro), ein New Yorker Obergangster, ist mit Familie in der Normandie untergetaucht. Er hat seine Mitmafiosi verpfiffen und lebt, beschützt vom FBI, unter der Identität eines Schriftstellers. Als solcher wird er zu einem Kulturabend als Experte fürs US-Kino eingeladen. Und was wird gegeben? Martin Scorseses „Good Fellas“. Da sitzt De Niro also im Kino in der Rolle eines Mafiabosses, der die Rolle eines Mafiabosses kommentiert, den De Niro gespielt hat – und Scorsese ist auch jetzt wieder als ausführender Produzent mit an Bord. Der Szene haftet etwas Trauriges an. Sie erinnert an die gute, alte Zeit, als De Niro noch jung und böse war. Jetzt muss er Witze auf eigene Kosten reißen.

Regisseur Luc Besson, nicht eben bekannt für Feinsinniges, weiß nicht recht, wie er seinem Hauptdarsteller besondere Finessen entlocken könnte – obwohl der von Stars wie Michelle Pfeiffer als Ehefrau und Tommy Lee Jones als FBI-Haudegen eskortiert wird. De Niro schaut wie ein Gangster, meint es aber nicht so – allen Gewaltfantasien zum Trotz, in denen er schon mal eine Nervensäge mit glühender Holzkohle füttert.

Besson geht derweil auf Nummer sicher: Er setzt auf kulturelle Verwerfungen – das funktioniert bei den Franzosen seit „Willkommen bei den Sch’tis“ gut. Freds Familie hadert nicht nur mit französischen Besserwissern (sogar beim uramerikanischen Barbecue!) und kulinarischen Problemen (keine Erdnussbutter im Supermarkt!), sie bringt auch ihre schlechten Angewohnheiten mit nach Europa. Sowohl Eltern als auch Kinder greifen zu brutalen Mitteln, um ihren Platz im Land von Calavados und Camembert zu behaupten.

Richtig zur Sache geht es, als die Mafia ein Großaufgebot in die Normandie entsendet. Besson zettelt einen Showdown an, wie man ihn aus jeder beliebigen Actionkomödie kennt. Und er verschenkt das Potenzial, das in diesem Stoff und vor allem im Hauptdarsteller steckt. sto

„Nehmen Sie ihn, wie er ist“

In „Malavita – The Family“  spielen Sie einen alten Mafioso. Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie oft Sie schon einen Mafioso gespielt haben?
Warten Sie mal: viermal, fünfmal, sechsmal (zählt mit den Fingern mit, bricht dann grinsend ab) ... Schon ein paarmal, würde ich sagen. 

Macht das denn überhaupt noch Spaß?
Wenn das Drehbuch gut geschrieben ist. Und wenn der Regisseur weiß, was er tut. 

Sie gelten als Anhänger des Method Acting, versuchen, sich über eigene Erfahrungen tief in ihre Rollen hineinzufühlen. Waren Sie je in Gefahr, sich zu verlieren, sich aus Ihrem wirklichen Leben auszuklinken?
Ich weiß sowieso nicht, wer ich bin. Nein, das Problem hatte ich noch nicht. Mein Freund Martin Scorsese und ich wollten aber mal einen Film über einen Schauspieler machen, der auch zu Hause seine Rolle nicht ablegt. Aus dem Projekt ist leider nie was geworden. 

Und was macht den echten De Niro aus?
Lassen Sie es mich so sagen: Nehmen Sie ihn, wie er ist. 

Würden Sie heute für eine Rolle noch so weit gehen wie 1980 in „Wie ein wilder Stier“? Damals haben Sie sich viele Kilos angefuttert, um den verfetteten Boxer Jake LaMotta zu spielen.
Wenn es sein muss, würde ich das tun. Und damals schien es mir unvermeidbar: Ich war Mitte dreißig, und ich wusste, dass ich den gealterten LaMotta in seinem Nachtklub nur dann überzeugend hinbekomme, wenn ich ordentlich an Gewicht zulege. 

Im aktuellen Film wird viel mit Klischees gespielt. Weder Franzosen noch Amerikaner kommen dabei sonderlich gut weg. Glauben Sie, dass man Nationen Eigenschaften überstülpen kann?
Es ist okay, seine Späße darüber zu machen. Warum nicht? Besonders wenn ein Regisseur wie Luc Besson das tut: Er kennt die amerikanische Kultur gut, dreht Filme in den USA, aber tief drin ist er sehr französisch. 

Wie eitel muss ein Schauspieler sein – und wie eitel darf er sein?
Wichtig ist, dass die Eitelkeit ihm nicht bei der Rolle in die Quere kommt. Ich schaue mir meine alten Filme zum Beispiel nicht besonders gerne an. Dann denke ich manchmal: Was ist das für ein Monster auf der Leinwand? 

Aber Sie tun es?
Manchmal schon. Ich würde die Filme gerne mal in einem Rutsch hintereinanderweg sehen, von Anfang an bis in die Gegenwart. Dann würde man manches vielleicht besser verstehen und im Zusammenhang sehen. Doch kostet das leider eine Menge Zeit. Wäre vermutlich auch nicht ganz leicht auszuhalten. 
 

Das Interview führte Stefan Stosch

19.11.2013
Kultur Kurt Krömer im Theater am Aegi - Voll Dispo, Opfer!
22.11.2013
Daniel Alexander Schacht 21.11.2013