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Kultur Richard-Wagner-Urenkelinnen leiten erstmals die Festspiele
Nachrichten Kultur Richard-Wagner-Urenkelinnen leiten erstmals die Festspiele
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15:53 27.07.2009
Die Regisseurin Katharina Wagner (rechts), Urenkelin Richard Wagners (1813-1883), und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier.
Die Regisseurin Katharina Wagner (rechts), Urenkelin Richard Wagners (1813-1883), und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier. Quelle: Timm Schamberger/ddp
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Doch wie werden die 31 und 64 Jahre alten Halbschwestern, die sich zuvor kaum kannten, als Co-Chefinnen miteinander auskommen? Verbindet sie mehr als eine Zweck-Schwesternschaft, oder geht es rein um den Machterhalt der Wagnerschen Dynastie? Seit September 2008 sind die Urenkelinnen des Komponisten Richard Wagner für sieben Jahre gemeinsame Intendantinnen der berühmten Opernfestspiele. Ihr Vater hatte den Weg für Eva und Katharina nach 57 Jahren Festspielleitung frei gemacht - und nur für sie!

Über Katharina wird seit Jahren viel berichtet, auch außerhalb des Feuilletons. So ließ uns gerade das renommierte „Zeit“-Magazin tief zurückblicken in ihre Kindheit und verriet, dass Klein-Kathi gerne Eisverkäuferin geworden wäre. Doch sie wurde Regisseurin und hat als solche gerade auf Gran Canaria eine glanzvolle Inszenierung von Richard Wagners „Tannhäuser“ abgeliefert. Als Regisseurin gilt die junge Frau noch als Lernende, in Bayreuth dagegen ist sie Co-Chefin. „Die Aufgabenteilung hat sich so eingespielt, dass bislang ohne Streitereien Einigungen erzielt werden“, beschreibt Katharina die Zusammenarbeit. Eva kümmere sich hauptsächlich um die Besetzung, sie kümmere sich um die Produktionsleitung. „Wir sprechen alles gemeinsam ab. So läuft das“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Im Juni hatte die Bayerische Landesvertretung in Berlin eingeladen, um die Schwestern erstmals gemeinsam öffentlich zu präsentieren. Sie wollten ihr Konzept „Zukunft Bayreuth“ erläutern. Doch es kam nur Katharina, die bereits seit einiger Zeit die Außendarstellung des Familienunternehmens Wagner übernommen hat. Eine Erklärung für das Fernbleiben der mit Spannung erwarteten Tochter Wolfgang Wagners aus erster Ehe, von der er sich nach seiner zweiten Heirat losgesagt hatte, gab es nicht. Bis 1976 war sie die Assistentin ihres Vaters und hatte den Theaterbetrieb von der Pike auf kennen gelernt. Doch dann kam Gudrun, die zweite Ehefrau ihres Vaters, und Eva musste gehen. 30 Jahre lang herrschte Funkstille zwischen Vater und Erstgeborener.

Über die 64-jährige Eva Wagner-Pasquier ist nur wenig bekannt, der „Spiegel“ bezeichnet sie gar als „die Unsichtbare“. Die Kulturmanagerin arbeitet seit vielen Jahren in Frankreich, ist noch künstlerische Beraterin des Opernfestivals von Aix-en-Provence. Sie war 2001 vom Stiftungsrat bereits zur neuen Festspielchefin gewählt worden. Ihr Vater Wolfgang verhinderte damals aber den Wechsel an der Spitze, warf seiner Tochter gar „Unfähigkeit“ vor. Der plötzliche Tod seiner zweiten Frau Gudrun 2007 machte dann den Weg frei für eine Wiederannäherung von Vater und verstoßener Tochter.

Die Stiefschwestern lassen erst Stück für Stück ihre Festspiel-Handschrift erkennen: Bayreuth soll sich öffnen für neues Publikum. 2008 gab es erstmals ein Public Viewing, in diesem Jahr eine Kinderoper. Vor den Aufführungen wird es zudem erstmals inszenierungsbezogene Einführungsvorträge geben; sie kündigten eine „Bayreuther Akademie“ für den Nachwuchs an. Zur Aufarbeitung der Nazi-Verstrickungen der Familie Wagner wird ein unabhängiges Team von Historikern und Musikwissenschaftlern eingesetzt.

Dass Bayreuth bereits in neuen Zeiten angekommen ist, lässt sich woanders sehen: Die Gewerkschaft ver.di will für die rund 140 nicht künsterlischen Beschäftigten erstmals in der Geschichte der Festspiele einen Tarifvertrag erreichen. Unter dem bisherigen Festspielleiter waren Gehaltsverhandlungen meist im Zwiegespräch abgelaufen. Drei Tage vor Eröffnung der diesjährigen Saison soll am Mittwoch nun die entscheidende Runde stattfinden. ver.di hatte für den Fall, dass es zu keiner Tarifeinigung kommt, zum Festspielauftakt mit Streik gedroht.

Wolfgang Wagner war nicht der einzige Enkel Richard Wagners. Er hatte drei Geschwister, von denen ein Bruder (Wieland) und eine Schwester (Verena) ebenfalls eine reiche Nachkommenschar haben. Wie sich diese bei der Leitung der Festspiele zu kurz gekommene Verwandtschaft künftig verhält, bleibt eine spannende Frage in der Familiensaga.

ddp

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