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Kultur Rapper Sido veröffentlicht sein viertes Studioalbum
Nachrichten Kultur Rapper Sido veröffentlicht sein viertes Studioalbum
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14:33 23.10.2009
Ist bürgerlicher geworden: Rapper Sido.
Ist bürgerlicher geworden: Rapper Sido. Quelle: ddp
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Nach „Maske“, „Ich“ und „Ich und meine Maske“ ist es das vierte - und das erste, das der Rapper komplett in Zusammenarbeit mit Universal aufgenommen hat. Mit der neuen Platte nimmt der 29-Jährige Abschied von der alten Labelheimat Aggro Berlin. Das 2001 gegründete Indie-Label, zu dessen kommerziellen Zugpferden Sido gehörte, hatte sich im Frühjahr dieses Jahres aufgelöst.

Für Sido ist „Aggro Berlin“ ein musikalischer Neuanfang. 16 Titel von Rap über Reggae bis Rock, Texte von aggressiv bis hintergründig-witzig. Wer den „Arschficksong“-Sido erwartet, wird enttäuscht. „Meine Lieder“, sagt der Musiker, „entsprechen immer meinem Leben, ich will, dass meine Musik authentisch ist“. Vorbei die Zeit, da Sido für 160 Mark Miete („Die jeden Monat aufzutreiben, war schon anstrengend.“) auf einem Hinterhof hauste und gelegentlich nicht wusste, wo das Geld fürs Essen herkommen sollte. „Damals war mir mein Leben scheißegal“, sagt er.

Heute lebt Sido mit seiner Lebensgefährtin, der Ex-Nu-Pagadi-Sängerin Doreen Steinert, im angesagten Berliner Stadtbezirk Friedrichshain, kümmert sich um seinen Sohn, geht wählen und ist nach eigenem Bekunden „mittlerweile ein normaler deutscher Staatsbürger“. Einer, der es fast 20 Jahre lang geschafft hat, seine Ostberliner Herkunft zu verschweigen - und sie der staunenden Fangemeinde mit der Single-Auskopplung „Hey Du“ nun doch offenbarte.

„Die Lieder aus der Aggro-Zeit haben mir aus der Seele gesprochen. Das tut meine Musik heute immer noch. Sie hat sich mit mir verändert. Ich finde das Album auch aus musikalischer Sicht einen Schritt in die richtige Richtung. Mein Augenmerk liegt inzwischen mehr auf der Musik als auf den Raptexten“, sagt er.

Die neue Scheibe ist ein echtes Gemeinschaftswerk. KIZ, J-Luv, G-Hot, Samy Deluxe, Harris, Kitty Kat & Binita, Doreen Steinert, B-Tight & Alpa Gun und Die Sekte haben mitgemacht. Die Skits hat Kabarettist Kurt Krömer beigesteuert. Das Album ist - Universal sei Dank - in Los Angeles produziert worden. Der erfolgsverwöhnte Musiker kann das bis heute kaum fassen: „Niemals hätte ich gedacht, dass ich hier ein Album aufnehmen würde. In Amerika? In Polen vielleicht. Aber nicht in Amerika“, heißt es in einem biografischen Begleittext.

Überhaupt das Biografische: Auf Erzählungen aus dem Leben des „Jungen von der Straße“ müssen die Fans noch eine Weile warten. „Wenn ich abends so über das Leben nachdenke und darüber, was mir alles Wunderbares und Beschissenes passiert ist, ertappe ich mich schon dabei, wie ich das im Kopf so formuliere. Aber im Moment habe ich keine Intention, das wirklich aufzuschreiben. Ich finde, dass das mit knapp 30 noch ein bisschen zu früh ist.“

Derzeit hat der Rapper auch ohne Autobiografie genug zu tun. Vom 20. November bis 13. Dezember geht er auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz - mit Live-Band. „Das ist was anderes als früher, als mein DJ einfach die Instrumentals reingenommen hat, ich bin raus, hab’ gerappt und fertig“, beschreibt er die Proben. Zudem bereitet er einen Film über einen Jungen aus dem Märkischen Viertel in Berlin und ein MTV-Unplugged vor. Die berühmte Maske hat dem Vernehmen nach wirklich ausgedient. Das Sido-Motto dagegen nicht:
„Immer schön aggro bleiben!“

ddp