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Nachrichten Kultur Musikhochschule sucht Nachfolgerin für Schröfel
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21:36 06.04.2015
„Alles in Seelenruhe“: Mädchenchor-Leiterin Gudrun Schröfel.
„Alles in Seelenruhe“: Mädchenchor-Leiterin Gudrun Schröfel. Quelle: Behrens
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Hannover

Es ist mit Blick auf die Zukunft der Chorstadt Hannover die wohl wichtigste Personalie in der klassischen Musikszene der Stadt. Wer wird der Leiterin des Mädchenchors, Gudrun Schröfel, nachfolgen, wenn sie den Dirigentenstab abgibt? Dass ihre Nachfolge überhaupt gesichert ist, ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder zu verdanken. Der 71-Jährige stiftete der Musikhochschule Hannover schon Mitte 2013 gemeinsam mit AWD-Gründer Carsten Maschmeyer eine Professur, die je zur Hälfte die Lehrtätigkeit im Fach Chorleitung an der Hochschule und die künstlerische Leitung des Mädchenchors umfasst. Jetzt - anderthalb Jahre später - hat das Institut am Emmichplatz die Stelle öffentlich ausgeschrieben.

Gesucht wird jemand mit „überragender Kompetenz und möglichst internationaler Ausstrahlung, der über einschlägige Erfahrung mit professionellen und nicht professionellen Chören verfügt“. Welchen Stellenwert die neue Professur für die Hochschule hat, zeigt auch, dass sie international ausgeschrieben ist. Inseriert wurde nicht nur in der Wochenzeitung „Die Zeit“, sondern auch im International Choral Bulletin“ der Internationalen Vereinigung für Chormusik IFCM). Die Organisation hat sich den weltweiten Austausch von Chormusikern auf die Fahnen geschrieben. Sie halte diese Professur, die mit einem so renommierten Klangkörper wie dem hannoverschen Mädchenchor verbunden sei, für „hochattraktiv“, sagte Musikhochschulpräsidentin Susanne Rode-Breymann gestern. Sie hoffe auf „viele internationale Bewerbungen“, sodass man eine wirkliche „Bestenauslese“ betreiben könne. Neben der künstlerischen und der pädagogischen Qualifikation sei es wichtig, dass die Kandidaten die Bereitschaft mitbrächten, sich vor Ort zu vernetzen. Dass der Nachfolger Gudrun Schröfels seinen ersten Wohnsitz in Hannover hat, ist als Wunsch in der Ausschreibung ausdrücklich festgehalten.

Berufungsverfahren bis April 2016

Die Verkopplung der Stiftungsprofessur mit einem Klangkörper, der nicht zur Musikhochschule gehöre, sei ein Novum in Hannover, sagte Rode-Breymann. Mit der neuen Organisationsform und den dazugehörigen Abstimmungsprozessen habe es auch zu tun, dass die Ausschreibung sich so lange hinausgezögert habe.

Die Bewerbungsfrist für die Stelle läuft bereits Ende April ab. Bis der Nachfolger von Gudrun Schröfel feststeht, wird es aber noch dauern. Bis Mitte April 2016 werde sich das Berufungsverfahren hinziehen, wenn alles normal verlaufe, schätzt Rode-Breymann. Und wann wird der Neue den Mädchenchor übernehmen? Vertraglich ist das nicht geregelt, die Übergabe wird - so Rode-Breymann - in die Hände der beiden künstlerischen Persönlichkeiten gelegt. Es sei nicht sinnvoll, in so einem Fall mit Terminen zu arbeiten. Für sie habe bislang im Vordergrund gestanden, dass durch die Stiftungsprofessur die Existenz des Mädchenchors gesichert werde, sagt Gudrun Schröfel. Der Mädchenchor sei selbst nicht in der Lage, einen neuen Leiter zu finanzieren, der dem Niveau des Ensembles entspreche: „Diese Angst ist jetzt weg.“

Auch Gudrun Schröfel war im Hauptberuf bis zur Emeritierung 2012 Professorin an der Hochschule, hatte im Chor zunächst ehrenamtlich gearbeitet und später eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. Sie leitet den Mädchenchor seit 1999. Sie gehe davon aus, dass die Übergabe in aller Seelenruhe einvernehmlich und gut gestaltet werde, sagt sie. Sie sei gesund, und solange sie das bleibe, wolle sie dem Chor auch zur Verfügung stehen: „Im Moment denke ich über eine Übergabe noch gar nicht nach.“

Von Jutta Rinas

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