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Kultur Movimentos-Festwochen starten mit Gershwin-Tanzabend
Nachrichten Kultur Movimentos-Festwochen starten mit Gershwin-Tanzabend
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21:04 24.04.2009
Von Stefan Arndt
Launig: Franzosen tanzen in Wolfsburg. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Sie streifen die Sandburg, die wie frisch erholt in den blauen Himmel ragt, und lösen sich dann in die Unbestimmtheit auf, aus der sie gekommen sind. Manchmal, wenn sie ihr ansteckend glückliches Lächeln zeigen, steigen ihnen Luftblasen aus Nase oder Mund: Sie sind Taucher in einem Meer ohne Wasser.

Allein der poetisch-absurde Film „Good Morning, Mr. Gershwin“, der die Eröffnungspremiere der Movimentos Festwochen in der Wolfsburger Autostadt, grundiert, vermag ein Freudengefühl auszulösen, das den ganzen Abend anhalten wird. Die Produktion der bunt zusammengesetzten Compagnie von José Montalvo und Dominique Hervieu ist eine aberwitzige Mischung aus allen möglichen Tanzstilen, Akrobatik und Videokunst. Sie vermischt die (ohnehin unglaubliche) Realität des Bühnengeschehens mit der Fiktion der Projektionen.

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Zur Musik von George Gershwin steigen die Akteure in den Film und wieder heraus, tanzen, steppen, machen Kunststücke. So selbstverständlich werden die Grenzen des Tanztheaters selten ausgeweitet. Leicht und oft lustig ist dieses Zaubertheater und doch nicht etwa leichtgewichtig: Immer wieder spürt man, dass es in dem Stück auch um Rassismus gegen Schwarze geht.

Die Arbeit des französischen Choreografenpaares, das bereits vor vier Jahren mit dem Stück „On Danse“ in Wolfsburg zu Gast war, ist in ihrer Heimat ein großer Erfolg. Zuletzt wurde „Good Morning, Mr. Gershwin“ in Paris bejubelt (wir berichteten). Die deutsche Erstaufführung in Wolfsburg ist ein fröhlicher Beginn des Festivals, das diesmal unter dem Motto „Verantwortung“ steht. Weil es sich in den sechs Tanzproduktionen, die bis zum 31. Mai gezeigt werden, nur mühsam finden lässt, überschreibt das Motto vor allem das umfangreiche Begleitprogramm.

Erstmals in der neunjährigen Movimentos-Geschichte gehört auch eine Kunstschau dazu. „Love me tender“ heißt die Ausstellung von fünf Künstlern aus Deutschland, Kanada, Österreich und Taiwan, die sich dem Verhältnis von Kindern und Erwachsenen widmet.

Im Erdgeschoss des imposanten VW-Kraftwerks sind Hanna Nitschs Mädchenporträts zu sehen, die in zarten Pastelltönen eine verstörende Gleichzeitigkeit und Zartheit und Brutalität beschwören. Vor einem halben Jahr waren die Werke in der hannoverschen Galerie Drees zu sehen. Jens Lüstraeten zeigt eine Fotoserie mit Vätern in Berufskleidung, die ihre Babys auf dem Arm halten. Uli Aigner macht in großformatigen Bunt- und Filzstiftgemälden die Familie als „Keimzelle des Staates“ aus, und Corin Sworn überprüft mit filigranen Skulpturen aus Spielzeug historische Pädagogikkonzepte.

Im ersten Stock des Kraftwerks ist etwas versteckt in einer Ecke eine Videobox aufgebaut, in der Tseng Yu-Chin in seinem Video „Who is listening“ in zwei parallelen Einstellungen das neckende, zärtliche und auch aggressive Spiel zwischen einer Mutter und ihrem kleinen Sohn zeigt.

Sonnabend und Sonntag spielt die Band Kraftwerk im Kraftwerk (ausverkauft), bis zum 2. Mai ist das australische Bangarra Theatre zu Gast.

Karten: (0800) 2 88 67 82 38.

25.04.2009
Karl-Ludwig Baader 24.04.2009