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Kultur Monty Pythons fliegender Schädel
Nachrichten Kultur Monty Pythons fliegender Schädel
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21:57 02.07.2014
Wieder auf der Bühne: Eric Idle, John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin und Terry Jones (v. l.).
Wieder auf der Bühne: Eric Idle, John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin und Terry Jones (v. l.). Quelle: Daniel Leal-Olivas
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London

So respektlos kann nur Monty Python eine Show beginnen. Es herrscht noch gespannte Stille beim Londoner Publikum, da fliegt über die Leinwand der Kopf des verstorbenen Mitglieds Graham Chapman und prallt wie eine Flipperkugel an Planeten ab.

Als die fünf übrigen Komiker auf die Bühne kommen, jubelt die Arena. Das Eis zu brechen haben die Engländer nicht nötig, auch nicht nach 34 Jahren ohne gemeinsame abendfüllende Auftritte.

Gerade Kultbands haben auf der Bühne oft ein Problem: Die Fans warten auf die alten Hits, die Musiker wollen Neues ausprobieren. Monty Python und ihr Publikum sind sich in dieser Hinsicht vollkommen einig. Ob toter Papagei oder Käsekauf, Holzfällerlied oder die Speisekarte voller „Spam“, sie erfüllen dem Publikum ungefragt jeden Wunsch. „Es wäre merkwürdig, in diesem Alter zu versuchen, bessere Dinge als unser Bestes zu schreiben“, hatte Eric Idle vor Beginn der Liveshows in der Londoner O2-Arena gesagt.

So wird der erste von zehn Abenden am Dienstag zu einer ausgedehnten Bühnenversion der TV-Sendung „Flying Circus“, die Monty Python seit 1969 zu Stars gemacht hat: Scheinbar beliebig reihen sich Sketche aneinander, unterbrochen von ebenso ästhetischen wie unsinnigen Animationen. Zwar ist der „Silly Walks Song“ neu, zwar gab es in den Siebzigern keine Witze über vibrierende Handys, zwar sind die Schritte der Tanzgruppe eigens für diese Bühne erdacht worden. Die Physiker Stephen Hawking und Brian Cox bieten per Videoeinspielung genau die Überraschungsmomente wie der Komiker Stephen Fry bei einem Auftritt.

Doch zu viel Ungewohntes mutet man den Anhängern nicht zu, die auf den Sitzen mitsprechen, -klatschen und -singen. „Deswegen sind wir ja hier“, sagt Zuschauerin Sue aus Leeds, 68 Jahre alt. „Um in Erinnerungen zu schwelgen und uns wieder jung zu fühlen.“ John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Terry Gilliam und Michael Palin können sich an diesem Abend sowieso alles erlauben. Cleese vergisst beim Aufzählen von Käsesorten erst den Text und kann sich dann das Lachen nicht verkneifen - und das Publikum johlt. Die Herren zwischen 71 und 74 gönnen sich so viele Verschnaufpausen, dass sie netto recht wenig Zeit auf der Bühne verbringen. Egal, über die alten Videoclips der fußballspielenden Philosophen und die alberne Olympiade (genau, der Wettlauf der Menschen ohne Richtungssinn) wird genauso gelacht.

Und die britische Presse? Nörgelt. „Sind wir etwa für viel Geld in die Arena gelockt worden, um Material zu sehen, das man auf der DVD ‚Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“ findet?“, fragt der „Independent“. „Werden diese zweieinhalb Stunden irgendwelche Ungläubigen zu Python bekehren? Werden sie nicht“, krittelt die „Times“. Und der „Guardian“ stellt fest, Cleese habe einen Bauch bekommen.

Doch den Fans ist das schnuppe. Thomas, 19, der extra aus der Normandie angereist ist, sagt: „Sie spielen, was du sehen willst, und singen, was du hören willst.“

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