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Kultur Michael Jackson im Museum: Bilder einer Kunstfigur
Nachrichten Kultur Michael Jackson im Museum: Bilder einer Kunstfigur
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18:01 14.07.2018
Die Londoner National Portrait Gallery widmet sich in einer neuen Ausstellung Michael Jackson. Quelle: National Gallery
London

Die Stimmen erklingen mit jedem Schritt in Richtung des Saals am Ende der Ausstellung deutlicher, lauter und auch ein bisschen schiefer. “Billie Jean“, singen sie a cappella, “is not my lover“.

Dann steht der Besucher plötzlich in einem dunklen Raum vor einer Videoinstallation. Die Musik stammt von einem virtuellen Chor, kreiert im Jahr 2005 von Candice Breitz. 16 deutschsprachige und völlig unterschiedliche Michael-Jackson-Fans hat die südafrikanische Künstlerin dafür in Berlin einzeln aufgenommen mit Bild und Ton. Sie singen jeden Titel des Albums “Thriller“ von Anfang bis Ende. Manche tanzen dazu, andere imitieren die legendären Bewegungen ihres Idols wie den Moonwalk-Tanzschritt, wieder andere wirken versunken in der Musik, haben die Augen geschlossen, lächeln.

Breitz hat die 16 Einzelteile dann zusammengefügt zu einer einzigen Aufnahme als künstlerische Hommage an die Fan-Kultur um Michael Jackson. Der Zuschauer kann kaum anders, als zu lächeln. Und sie bewegen durch ihre Imperfektion und Intimität. Beim Betrachten der Videos erkennt sich der Besucher plötzlich selbst wieder.

Der Einfluss von Michael Jackson auf die zeitgenössische Kunst

Die Londoner National Portrait Gallery widmet sich in einer neuen Ausstellung Michael Jackson. “On the Wall“, heißt sie in Anspielung auf das Album “Off the Wall“. Doch anstatt mit Hilfe von Erinnerungsstücken das Leben der Musiklegende mit allen seinen Kontroversen nachzuzeichnen, will die Schau den Einfluss von Jackson auf die zeitgenössische Kunst aufzeigen.

48 Künstler aus aller Welt haben sich beteiligt und stellen mit ihren Gemälden, Zeichnungen, Videos, Collagen, Teppichbildern oder Fotos ihre Sicht auf den King of Pop dar. Und so ist Michael Jackson, der im August 60 Jahre alt geworden wäre, überall und nirgendwo.

Die Auseinandersetzung mit seiner angeblichen Pädophilie oder den familiären Problemen wird mit Absicht ausgespart. Es tut der Ausstellung keinen Abbruch, der Blick konzentriert sich auf den genialen wie widersprüchlichen Superstar, der stets mit seiner Identität haderte.

Mit weißen Micky-Maus-Handschuhe: Ein Michael-Jackson-Porträt von KAWS. Quelle: National Gallery

Porträts von Andy Warhol sind zu sehen, der sich bereits Anfang der Achtzigerjahre mit der Poplegende beschäftigte. Zudem werden Bilder des US-amerikanischen Fotografen David LaChapelle ausgestellt, der Jackson etwa als Erzengel mit weißen Flügeln inszenierte, der den roten Teufel besiegt. Auf einem anderen überhöht er ihn zur Jesus-Figur.

In der Schau ebenfalls gezeigt wird das letzte Porträt, das der Sänger vor seinem Tod im Jahr 2009 beim US-Maler Kehinde Wiley in Auftrag gegeben hat. Darauf sitzt MJ im Rubens-Stil als König Philipp II. von Spanien in royaler Rüstung auf einem weißen Pferd vor dramatischer Wolkenkulisse.

Wiley, der sich immer wieder der westlichen Kunstgeschichte bedient und gelegentlich weiße Protagonisten durch Afro-Amerikaner ersetzt, provoziert auf diese Weise eine Diskussion über den Status von Schwarzen in der Gesellschaft.

“Man begegnet selten jemandem, der ihn komplett uninteressant findet“

“Auch fast zehn Jahre nach seinem Tod gibt es Menschen mit ex­trem positiven Ansichten von Michael Jackson und mit sehr negativen“, sagt Kurator Nicholas Cullinan, der die National Portrait Gallery seit 2015 leitet. “Aber man begegnet selten jemandem, der ihn komplett uninteressant findet.“ Für ihn sei es faszinierend gewesen zu entdecken, “wie eine Person so viele Dinge für ganz unterschiedliche Menschen bedeuten konnte“.

So haben einige Künstler beispielsweise ihre Jugenderinnerungen aufgearbeitet, in anderen Werken wird Jacksons Wichtigkeit für die schwarze Community deutlich. Gleichwohl sei es außergewöhnlich, so Cullinan, dass das größte Interesse an der Popikone junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren zeigen. Sein Vermächtnis werde weitergetragen.

Ein Porträt von Andy Warhol steht im Zentrum der Michael-Jackson-Ausstellung in London. Quelle: National Gallery

Michael Jackson wollte mit Absicht Grenzen durchbrechen und die ganze Welt durch seine Musik vereinen.“ Ist ihm das gelungen? “Er kam seinem Ziel sehr nahe“, sagt die US-Künstlerin Lorraine O’Grady und verweist auf die eine Milliarde Menschen, die – wie sie – seinen Tod betrauert haben, die Hälfte davon ohne zu wissen, warum sie weinten.

In ihrem Werk vergleicht die Künstlerin Michael Jackson mit dem französischen Poeten Charles Baudelaire, da ihrer Ansicht nach beide eine ähnliche Einstellung gegenüber der Arbeit teilten, die sich durch unerbittlichen Perfektionismus auszeichnete.

Die Schau, die bis zum 21. Oktober in London läuft, zieht dann weiter nach Paris und kommt im März 2019 in die Bundeskunsthalle nach Bonn.

Von Katrin Pribyl

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