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Kultur Lambchop: Im Handwerker-Look in der Elbphilharmonie
Nachrichten Kultur Lambchop: Im Handwerker-Look in der Elbphilharmonie
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12:06 01.05.2019
Der Country-Erneuerer aus Nashville: Lambchop-Singer Kurt Wagner. Quelle: Gonzales Photo/Christian Hjorth/picture alliance
Hamburg

Stille ist für Kurt Wagner wie ein Instrument. Die besonders leise, behutsame Musik seiner Band Lambchop hat eine unvergleichliche kontemplative Wirkung. In der Hamburger Elbphilharmonie, wo der 60-Jährige Country-Erneuerer aus Nashville sein neues Album „This (is what I wanted to tell you)“ vorstellt, wirken seine zurückhaltende Art und die Luft, die er in seinen Liedern lässt, noch eindrucksvoller als auf seinen Aufnahmen.

Vom Luftholen und Ausatmen

Dass es hier, in der Bedeutsamkeit des vornehmen Konzertsaales, keinen Thekenlärm gibt, dass sich alle im Publikum zurücknehmen, nicht reden oder dazwischenrufen wie in gewöhnlichen Musikläden, ist wohltuend. Man kann so ganz genau hören, wie Wagner seine Songs ausatmet. Und auch sein Luftholen. Man nimmt das ruhige Tempo, das die Band vorgibt, automatisch auf und versinkt in Gedanken.

Lambchop werden wohl nie durch Routine verkalken, denn Wagner lässt sich seit jeher von Country-fremden Ideen leiten. Hervorzuheben ist sein vom Soul der Siebziger inspiriertes Album „Nixon“ aus dem Jahr 2000.

Der Singer-Songwriter erscheint zwar im grobkarierten Handwerker-Look auf der Bühne – wie der Parkettleger, der er mal war –, aber er ist ein filigraner Soulmann. Fasziniert vom modernen, schwarzen Kanye-und-Kendrick-Sound kombiniert er nun Pedal-Steel-Gitarre, gespielt von Paul Niehaus, mit analogem Synthesizer. Dieses Gerät bedient Schlagzeuger Matthew McCaughan nebenbei. Hauptamtlich spielt dieser bei der Indie-Folk-Band Bon Iver, die ein ähnliches experimentierfreudiges Konzept hat.

Mit „Flotus“ hatte Wagner 2016 erstmals ein Album voll hingetupfter Elektronik aufgenommen. Es sollte eine Liebeserklärung an seine Frau werden – doch Mary gefiel Kurts digital verfremdete Stimme gar nicht. Dabei klingt er weder wie Cher noch wie ein billiger Pop-Roboter. Er pitcht sie nie bis zur Unkenntlichkeit.

Hört das denn nie auf?

„I’ve tried hard to be good, but the days are just that many“, erzählt er, denn sein Singen ist eher ein Sprechen. Ja, denkt man selbst: Dieses Tag-ein-Tag-aus, dieses Streben und Scheitern, dieser lebenslange Versuch, das Beste aus allem zu machen, ist wirklich mühevoll. Hört das denn nie auf?

Die Protagonisten in Wagners Songs driften durch ihren Alltag, der mal mehr, mal weniger grau ist. Alle sind irgendwie desillusioniert. Mal duftet die Luft nach Zitrusreiniger, mal sieht jemand im Fernsehen „the man with the Nixon tattoo“, den ehemaligen Trump-Berater Roger Stone, mal läuft gerade „Santa Claus is coming to town“ im Radio, in der Version der Jackson 5. All diese ganz gewöhnlichen Menschen haben ganz gewöhnliche Gedanken. Wagner gibt sie, so banal sie auch sein mögen, in seinen Liedern detailliert wieder. „Früher kamen sie mir viel größer vor als heute“, denkt einer, der, während er im Flughafen auf jemanden wartet, die Umgebung beobachtet. Was genau er sieht, welches „sie“, verrät Wagner nicht. Doch man kennt dieses Gefühl selbst. Man muss nur mal in seine eigene Schule zurückkehren. Dort wirken die Klassenzimmer und Flure heute viel kleiner als damals. Dort wird einem sehr schnell bewusst, wie alt man inzwischen ist.

Wenn die Zeit verrinnt

Lambchop spielen alle acht Songs des neuen Albums. Um Vergänglichkeit geht es auch im besten Lied, „The new isn’t so you anymore“. „Let’s start again like stupid children“, wünscht sich jemand. „Sir“, erklärt ihm Wagner, „I’m afraid that’s not possible.“ Die Zeit verrinnt, sie lässt sich nicht zurückdrehen. Die Angst der Älteren, mit den Jüngeren nicht mehr mithalten zu können, sich vom Weltgeschehen immer mehr abzukoppeln, dieses Gefühl zunehmender Entfremdung, wird hier durch Wagners modulierte, ein bisschen beschädigt klingende Stimme besonders betont.

„Flowers“, das letzte Lied des neuen Albums, singt er dann ohne diese Verzerrung. Der kleine Trick birgt große Kunst: Wagners Stimme wirkt plötzlich nackt und nah, als wolle er demonstrieren, wie verletzlich ein Mensch sein kann – wenn er sich nicht verstellt, sich völlig öffnet.

Von Mathias Begalke

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