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Kultur Kunst statt Jeans: „Made in Korea" bei SinnLeffers
Nachrichten Kultur Kunst statt Jeans: „Made in Korea" bei SinnLeffers
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15:11 15.04.2009
Kultur statt Kommerz: Ins ehemalige SinnLeffers-Kaufhaus an der Osterstraße zieht vorübergehend koreanische Kunst ein. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Und nicht nur dort: Das komplette ehemalige Kaufhaus sei ein einziger Ausstellungsraum, sagt Kristin Schrader, zuständige Kuratorin der Kestnergesellschaft. Als diesjähriges Partnerland der Hannover Messe präsentiere sich Südkorea in diesem Kooperationsprojekt mit der Kestnergesellschaft auch von seiner kulturellen Seite.

Der Ausstellungstitel „Made in Korea“ stehe nicht nur für die vielfältigen Exponate, sondern spiele auch auf den ungewöhnlichen Ausstellungsort an, sagt die Direktorin des Kulturprogramms Korea, Kim Jungwha. „Vor Jahren war die Kennzeichnung ’Made in Korea’ Sinnbild für das Exportland Korea und die dort hergestellten Waren“, sagt die in der Hauptstadt Seoul lebende Koreanerin. „Heute sind es nicht mehr nur Produkte, sondern auch Ideen, Visionen und die Kultur, die von Korea nach Deutschland gelangen.“

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Die Schau gibt nicht nur einen Überblick über zeitgenössische Kunst, aktuelle Fotografien sowie Design in Korea, sondern widmet sich auch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des südostasiatischen Landes. Das leerstehende Kaufhaus bietet ausreichend Platz, alles unter einem Dach als Gesamtschau unterzubringen. Durch die Verteilung auf einzelne Etagen lasse sich die Ausstellung dennoch gut strukturieren, begründet Kim ihre Entscheidung für die Wahl des unkonventionellen Ortes der Schau, die von 50 koreanischen Künstlern bestritten wird.

Im Teil „Freizeit, eine verkleidete Arbeit?“ im Unter- und Erdgeschoss steht zeitgenössische koreanische Kunst und damit die Veränderungen der koreanischen Gesellschaft seit 1992 im Mittelpunkt. Fotografien unter dem Motto „Magische Momente: Korea Express“ dominieren indes das erste Obergeschoss, während sich in der Designausstellung im zweiten Obergeschoss alles um das Thema „Die Kunst des Shoppings: Design für Koreas GmbH“ dreht.

Während im Untergeschoss Videoinstallationen etwa zum Thema der Teilung des Landes auf aufgestellten weißen Wänden flimmern, werden im Erdgeschoss Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen gezeigt. So präsentiert etwa der Künstler Jo Haejun das Tagebuch seines Vaters, das neben Geschriebenem vor allem aus zahlreichen Zeichnungen besteht. „Neben der persönlichen Lebensgeschichte seines Vaters erfahren wir viel über die damalige Gesellschaft in Korea“, sagt Kim. „So wird das Buch zu einer Art Archiv.“

Eine Treppe höher dominieren Wände, verhüllt mit koreanischem Zeitungspapier. Darauf sind Hunderte Fotografien zu sehen, in Farbe und Schwarz-Weiß. In der obersten Etage werden die Gewohnheiten und Vorurteile thematisiert, die unbewusst beim Einkaufen herrschen. Neben in Korea tatsächlich verkauften Produkten, wie auf dem Henkel stehende Tassen, wird hier ein Einkaufswagen mit eingebautem Bildschirm gezeigt, der erlaubt, die Kunden hinter sich genau zu beobachten.

Überbleibsel des Kaufhauses wie ein Schild mit dem Vermerk, dass rabattierte Ware vom Umtausch ausgeschlossen ist, wurden bewusst mit in die Schau integriert. Denn eine solche Gelegenheit bietet sich nicht allzu oft. In Hannover jedenfalls sei so eine Kulturausstellung in einem ehemaligen Kaufhaus bislang einmalig, erklärt Schrader.

Die Schau kann dienstags bis sonntags von 12 bis 19 Uhr bei freien Eintritt besucht werden.

ddp