Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Krankenhagen im Interview
Nachrichten Kultur Krankenhagen im Interview
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 21.04.2012
Von Ronald Meyer-Arlt
Kulturwissenschaftler Stefan Krankenhagen spricht über Auftritte in der populären Kultur
Kulturwissenschaftler Stefan Krankenhagen spricht über Auftritte in der populären Kultur Quelle: Paul Krueerke
Anzeige
Hannover

Bei einer Tagung zum Thema Auftritte, die das Institut für Medien und Theater der Universität Hildesheim veranstaltet, sprechen Sie über „Auf- und Abtritte in der Populärkultur“. Ist es nicht ein bisschen übertrieben, über das Thema Auftritte gleich eine Tagung zu veranstalten?

Wissenschaftsintern gibt es durchaus einen Grund, sich damit zu beschäftigen. Zum Thema Auftritt wurde bisher nur wenig geforscht. Dieser Moment, der für weite Teile der künstlerischen Praxis entscheidend ist - irgendjemand muss schließlich hervortreten, damit es losgehen kann -, ist in der theoretischen Auseinandersetzung eher unterbelichtet. Das ist für die Wissenschaft immer ein Grund, hier weiter zu forschen. Der andere Grund ist das neue Gebäude, das wir bezogen haben. Mit der Tagung über Auftritte, feiern wir auch die neuen Auftrittsmöglichkeiten an der Domäne Marienburg.

Nun ist es ja so, dass es im zeitgenössischen Schauspiel kaum noch große Auftritte gibt. Meist sind die Schauspieler schon auf der Bühne, wenn die Zuschauer in den Saal kommen. Wenn das Schauspiel stilbildend ist, scheint die Zeit großer Auftritte vorbei zu sein.

Der Auftritt im Theater ist ja ein fragiler Zwischenzustand zwischen Noch-nicht-ganz-Rolle und Doch-schon-auf-der-Bühne-sein. Kann sein, dass man diesen Zwischenzustand am Theater nicht mehr so mag. Nun bin ich kein Theaterwissenschaftler ...

... sondern ein Kulturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Populärkultur. In diesem Bereich sind starke Auftritte wohl noch ganz wichtig.

Ja. Es gibt starke und auch ganz schwache Auftritte. Die peinlichen Auftritte aller möglichen ästhetischen Praxen werden ja auf YouTube gesammelt. In Sammlungen wie den zehn schlechtesten oder peinlichsten Auftritten verbindet sich der Zwang der Populärkultur zur Serialität mit dem ganz genauen Blick auf das Auftreten als eigene kulturelle Form. In der Populärkultur gehört der Auftritt zur Performance. Er ist hier eine eigene kulturelle Form, und das verweist darauf, dass sich der Mensch seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer als ein Auftretender begreift.

Was ist ein schwacher Auftritt?

Der Auftritt, der sich selber nicht als solcher begreift. Der vermeintlich unabsichtliche Auftritt, der im Theater möglich ist, ist in der Populärkultur ganz undenkbar. Außer, man macht das bewusst zum Thema. Künstler in der Populärkultur müssen immer ein Bewusstsein von sich selber als auftretender Figur haben. Und sie müssen auch zeigen, dass sie dieses Bewusstsein haben.

Als Professor treten Sie ja auch auf. Haben Sie ein Bewusstsein von sich selber als auftretender Figur?

Ich gehöre ja selber nicht dem System Populärkultur, sondern dem System Wissenschaft an. Und ich bin weit davon entfernt, ein Star zu sein. Ich versuche das Nachdenken über meine Auftritte zu vermeiden. Und das geht am besten über Tradition: indem ich so auftrete, wie ich bisher auch immer schon aufgetreten bin.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

Kultur Spektakulärer Protest - Museum bei Neapel vernichtet Kunst
18.04.2012
Stefan Arndt 17.04.2012
Rainer Wagner 20.04.2012