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Kultur „Once Upon a Time in Hollywood“: Nostalgietrip mit Flammenwerfer
Nachrichten Kultur „Once Upon a Time in Hollywood“: Nostalgietrip mit Flammenwerfer
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19:36 13.08.2019
Cool, cooler, Stuntdouble: Cliff Booth (Brad Pitt) lässt sich niemals aus der Ruhe bringen. Quelle: Sony
Hannover

Was träumt Quentin Tarantino? Vielleicht etwas dieser Art: Er cruist in einem Cadillac durch die Welt des schon ein wenig heruntergekommenen Hollywood. Die beste Zeit der Studios nähert sich ihrem Ende, das New Hollywood erwacht langsam – noch in diesem Jahr werden die „Easy Rider (1969) durch den US-Süden brettern.

In „Once Upon a Time in Hollywood“ blubbert der Motor des gelben Straßenkreuzers sanft, im Autoradio singen Simon & Garfunkel. Im Vorbeifahren erhaschen wir auf Kinoplakaten die Konterfeis von Jean Seberg und Tony Curtis. Wir feiern eine Poolparty in der Playboy-Villa und lernen die Helden aus Tarantinos Kindheit kennen – Roman Polanski und Steve McQueen. Über mehr als eine Stunde ist dies ein entspannter Trip durchs Sehnsuchtsland eines kinobesessenen Regisseurs – gedreht auf gutem, altem 35-Millimeter-Film und damit gewissermaßen selbst ein Auslaufmodell.

Cliff ist cool, Rick ein weinerlicher Typ

Am Steuer des Cadillacs sitzen zwei Buddys, wie Tarantino sie aus den zahllosen Serien kennen könnte, die er als Videothekenfachkraft früher konsumiert hat. Der eine ist der Serienstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der andere dessen Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt). Cliff ist Ricks Mädchen für alles, darüber hinaus sein bester Kumpel – und einen bestens erzogenen Kampfhund besitzt Cliff auch. Cliff ist cool, Rick ist ein weinerlicher Typ.

Der serienmüde Serienstar weiß, dass seine beste Zeit hinter ihm liegt und der Abstieg begonnen hat. Einmal lässt er sich in einem witzigen Dialog von einer achtjährigen Kollegin das Method Acting erklären – von solchen Gesprächen hätte man sich mehr gewünscht.

Abstecher zum Spaghettiwestern

Zwischendurch tauchen wir minutenlang in die Serien ab, die Rick gerade dreht oder die über irgendeinen Bildschirm flimmern. Rick verwandelt sich in einen Cowboy oder auch in einen Spion in einem NS-Hauptquartier. Liebevoll hat Tarantino all diese Szenen (nach-)inszeniert. Die Nazis werden abgefackelt – eine Reminiszenz an den US-Soldatentrupp „Inglourious Basterds“, der in Tarantinos Kinofantasie Adolf Hitler in einem Pariser Kino getötet hat. Den Flammenwerfer sollten wir genauso wenig vergessen wie den gut erzogenen Kampfhund.

Die Freunde – Tarantino hat sich von der Beziehung zwischen Burt Reynolds und Hal Needham inspirieren lassen – unternehmen einen Abstecher ins römische Filmstudio Cinecittà zum Spaghettiwestern, den Tarantino liebt, Hollywoodianer damals aber verachteten. Mit Sharon Tate (Margot Robbie im wippenden Minirock) gehen wir ins Kino und vergnügen uns in der Agentenkomödie „Rollkommando“, in der Tate 1968 zusammen mit Dean Martin und Elke Sommer spielte.

Faustkampf mit Bruce Lee

Cliff legt sich derweil mit einem asiatischen Kämpfer an. Der Mann heißt Bruce, Nachname vermutlich Lee (Mike Moh), und führt ein seltsames Tänzchen auf, bis Cliff ihn mit seinen Fäusten in den Staub schickt.

Bei der so heiß ersehnten Premiere im Mai in Cannes war mancher über dieses nostalgiegetränkte Macho-Unternehmen enttäuscht. Von Tarantino erwartet man ineinander verschlungene Handlungsfäden, einen pumpenden Soundtrack und schräge Alltagsdialoge zum Beispiel darüber, wie Fast-Food-Bratklopse in Paris heißen („Royal mit Käse“) – siehe „Pulp Fiction“. Die durchaus sympathische Exkursion ins alte Hollywood ist aber nicht das Problem von Tarantinos Neunter – nur noch einen weiteren Film will er drehen. Das unangestrengte Zusammenspiel von DiCaprio und Pitt macht durchaus Freude, hier stiehlt niemand dem anderen die Show. Unappetitlich wird es erst, als blutige Gewalt in den Film schwappt.

Regisseur Polanski als Nachbar

Seriencowboy Rick hat sein Anwesen ausgerechnet am Cielo Drive. Sein Nachbar ist der Regisseur Polanski, der gerade mit „Rosemary’s Baby“ berühmt geworden ist. Am 9. August 1969 wurden Polanskis hochschwangere Frau Sharon Tate und deren Gäste bestialisch von der Manson Family ermordet.

Die Manson-Sekte lernen wir kennen: Cliff ist so freundlich und fährt ein Hippiemädchen zurück auf die Filmranch des alten Cowboys George Spahn, wo sich die Sekte damals tatsächlich eingenistet hatte. Sein Besuch dort hat die Qualität eines Westerns kurz vor der entscheidenden Schießerei.

Die Nacht, in der Sharon Tage starb

Und dann nähern wir uns mit exakten Stunden- und Minutenangaben der Nacht, in der Sharon Tate mit 23 Messerstichen starb. Die Täter sind im Anmarsch. Sie philosophieren über den Zusammenhang von Gewalt im Kino und im Leben: In Beverly Hills würden doch die Stars wohnen, sagt ein Manson-Girl. „In denen wird doch auch immer nur gemordet, die haben uns doch gezeigt, wie das geht.“ Ist das jetzt Tarantinos Erklärung für das, was kommt? Für ihn war Gewalt schon immer ein blutiger Scherz, den die Zuschauer auszubaden hatten. In diesem Fall ein schlechter.

Verraten sollte man das Finale nicht. Der Regisseur hat darum gebeten, die einzige überraschende Wendung geheim zu halten. So viel ahnt aber jeder, der Tarantino ein bisschen kennt: Die Historie war für ihn noch nie verpflichtend.

Lesen Sie hier:
Neu im Kino – Diese Kinofilme starten am Donnerstag, 15. August

„Once Upon a Time ... in Hollywood“ – Filminfo

Kinostart in Deutschland: 15. August 2019

Regie: Quentin Tarantino

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie

Filmlänge: 159 Minuten

Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

Von Stefan Stosch/RND

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