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Kultur Xavier Dolan macht Eindruck
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13:54 22.05.2014
Foto: Der erst 25 Jahre alte kanadische Regisseur Xavier Dolan katapultierte sich mit seinem Drama „Mommy“ weit nach vorn im Rennen um die Hauptpreise.
Der erst 25 Jahre alte kanadische Regisseur Xavier Dolan katapultierte sich mit seinem Drama „Mommy“ weit nach vorn im Rennen um die Hauptpreise. Quelle: dpa
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Cannes

Zwei visuell sehr ausdrucksstarke Werke zählen in der zweiten Halbzeit des Filmfestivals Cannes zum engeren Favoritenkreis. Der erst 25 Jahre alte kanadische Regisseur Xavier Dolan katapultierte sich mit seinem Drama „Mommy“ um eine verwitwete Mutter und deren verhaltensauffälligen, jugendlichen Sohn am Donnerstag weit nach vorn im Rennen um die Hauptpreise. Auch die Japanerin Naomi Kawase - eine von nur zwei Frauen im Wettbewerb - hinterließ mit ihrem meditativen und symbolisch aufgeladenen „Still the Water“ um zwei Heranwachsende einen nachhaltigen Eindruck.

Dolan, der auch das Drehbuch schrieb, inszeniert seinen Film in immer wieder wechselndem Tempo. Er ist mal schnell, mal langsam; mal still, mal mit pumpender Musik untermalt. Außerdem spielt Dolan mit der Größe der Leinwand - das Bild wird in einigen Szenen größer, schrumpft dann wieder auf ein kleineres Quadrat zusammen. Dafür gab es bei einer ersten Vorstellung Szenenapplaus. Der Regisseur galt schon wegen seiner früheren Werke als Wunderkind der Kinoszene: Als er sein gefeiertes Debüt „Ich habe meine Mutter getötet“ beim Festival in Cannes vorstellte, war er gerade 20 Jahre alt. „Mommy“ ist bereits sein fünfter Film. Dolan ist der jüngste Filmemacher im diesjährigen Cannes-Wettbewerb.

Kawase hingegen wählte einen stilleren Zugang zu ihrer Geschichte. Anhand der zarten Liebesgeschichte zweier Jugendlicher auf einer japanischen Insel erzählt sie in „Still the Water“ vom Sterben und Tod, vom Abschiednehmen und der Kraft des Lebens. Dabei spielt die Natur eine wichtige Rolle: die meterhohen Wellen etwa, die vor der Küste ohrenbetäubend brechen oder der Taifun, der selbst uralte Bäume ins Wanken bringt.

Ganz anders der britische Regisseur Ken Loach, der mit „Jimmy' Hall“ einmal mehr ein politisch aufgeladenes Statement vorlegte. Sein auf wahren Begebenheiten basierender Wettbewerbsbeitrag spielt in Irland, Anfang der 1930er: Jimmy Gralton bringt mit seiner Tanzhalle die Kirche und Republikaner gegen sich auf - sie fürchten, dass sich so Widerstand gegen ihr System formieren könnte.

Auch heute sehe er Unterdrückung von Dissidenz und Gegenstimmen, sagte Loach am Donnerstag. „Nur eine große Idee ist erlaubt: Geld.“ Das bestimme überall das Geschehen und Handeln. „Wenn das durch irgendetwas in Gefahr gerät, wird es bekämpft.“ Er nannte das Beispiel der Wikileaks-Informantin Chelsea Manning, die unter anderem die Gräuel im Irak aufdecken half. „Aber natürlich kommen nicht die Mörder ins Gefängnis, sondern Chelsea Manning.“

dpa

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