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Kultur Jessica Chastain spielt eiskalte Strippenzieherin
Nachrichten Kultur Jessica Chastain spielt eiskalte Strippenzieherin
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00:00 05.07.2017
Will nicht mehr Goliath dienen: Die konservative Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) steigt aus ihrer renommierten Beraterfirma aus und schlägt sich auf die Seite der US-Waffengegner. Quelle: Foto: Universum
Hannover

Diese Frau möchte man nicht unbedingt als Kollegin an seiner Seite haben. Als berufliche Gegnerin auf der anderen allerdings erst recht nicht. Den roten Lippenstift zum blassen Teint trägt Elizabeth Sloane wie eine Kriegsbemalung. Wenn sie den Raum zur nächsten Strategiebesprechung betritt, strahlt sie eiskalte Effektivität aus, die andere bibbern lässt. Sie lässt niemandem etwas durchgehen. Ihr Mantra lautet: Ahne stets, was der Gegner plant und sei ihm immer einen Schritt voraus. Dann bleiben dir böse Überraschungen erspart, die du wiederum dem Gegner bereiten kannst.

Sogar das Privatleben ist ausgesourct

Das ist wichtig für „Miss Sloane“, wie auch der Originaltitel dieses Politthrillers lautet, den der deutsche Verleih recht poetisch mit „Die Erfindung der Wahrheit“ überschrieben hat. Denn Miss Sloane kennt nur ein Ziel: die nächste Kampagne zu gewinnen, egal wie hoch der Kollateralschaden ausfällt, wen sie dafür über die Klinge springen lassen und welche unlauteren Methoden sie anwenden muss.

Miss Sloane (Jessica Chastain) ist Lobbyistin in Washington, eine der besten, zart von Gestalt und doch stahlhart. Sogar ihr Privatleben hat sie ausgesourct, gelegentliche Besuche bei einem gut gebauten Herren vom Escort-Service sind das höchste der Gefühle. Auch bei ihm kommt sie gern schnell zur Sache. Miss Sloane ist das Paradebeispiel für eine Frau, die sich in einer Männerwelt keinen Fehler erlauben darf, weil alle genau darauf warten.

Maddens Heldin ist keine Sympathieträgerin

Kurzum: Diese Lobbyistin ist eine Leinwandheldin, wie man sie im konsenssüchtigen US-Kino nur noch selten findet, schillernd zwischen Gut und Böse und alles andere als eine Sympathiefigur. Mit einer Idealistin nach dem Schlag der umweltschutzbewegten „Erin Brockovich, die einst für die Entrechteten und Schwachen in die Bresche sprang, sollte man sie also keinesfalls verwechseln. Eher erinnert Miss Sloane an die CIA-Analystin Maya, die in „Zero Dark Thirty“ unerbittlich Osama bin Laden zur Strecke brachte – und diese wurde ebenfalls von Jessica Chastain gespielt.

Heutzutage muss man dankbar für jede Kinogeschichte sein, die sich mitten hinein ins politische Geschehen wagt. In diesem Fall ist man es ganz besonders, denn Regisseur John Madden (“Shakespeare in Love“, „Best Exotic Marigold Hotel“) macht es sich nicht einfach mit der Wirklichkeit. „Die Erfindung der Wahrheit“ ist für ihn das geeignete Vehikel, um das Lobby(un)wesen unter die Lupe zu nehmen, das ja nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande grassiert.

Miss Sloane ist gegen Waffenbesitz

Die gewiefte Miss Sloane macht bald schon einen Schritt, der alle verblüfft: Sie steigt aus ihrer renommierten Beraterfirma aus. Dabei hat ihr die National Rifle Association soeben eine lukrative Kampagne angetragen, mit der die Begeisterung von Frauen für Gewehre geweckt werden soll.

Irgendwo zwischen „Columbine und Charleston“ habe sie die Überzeugung verloren, dass Waffenbesitz gut sei, merkt Miss Sloane bissig an. Sie schlägt sich auf die Seite jener Überzeugungstäter (angeführt von Mark Strong), die ihrerseits ein Gesetz zur Verschärfung des Waffenzugangs durchbringen wollen und sich damit gegen den mit Inbrunst verteidigten zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung von 1791 stellen.

Gewinnen an Davids Seite ist schöner als an Goliaths

Die tatsächlichen Beweggründe hinter dieser Kehrtwende? Erstens reizt Miss Sloane das Gewinnen an Davids Seite weit mehr als das an der von Goliath - und einen mächtigeren Feind als die US-Waffenlobby kann man schließlich kaum haben. Und zweitens sollte man bei dieser Frau immer in Rechnung stellen, dass sie ganz eigene Pläne verfolgt.

Was diesem intelligenten Film fehlt, ist vielleicht der hintergründige Witz. Hier wird ein bisschen zu viel und zu nüchtern monologisiert, um den Zuschauer mitzureißen. Umso geschickter verschachtelt der Regisseur kunstvoll die Zeitebenen.

„Miss Sloane“ wirkt wie der erste Politfilm der Ära Trump

Von einem Donald Trump im Weißen Haus konnte Regisseur Madden bei den Dreharbeiten noch nichts wissen. Und doch wirkt „Die Erfindung der Wahrheit“ wie der erste Film einer neuen Ära. Viel ist darin von Deals, von Siegern und verächtlich auch von Verlierern die Rede. Das klingt plötzlich sehr vertraut. Allerdings kommen hier solche Zuschreibungen keinesfalls so plump daher wie das, was man derzeit sonst so aus dem echten Washington hört.

Von Stefan Stosch / RND

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