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Kultur „Hannover war mir peinlich“
Nachrichten Kultur „Hannover war mir peinlich“
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06:43 09.07.2014
Foto: Tex Rubinowitz
Tex Rubinowitz Quelle: dpa
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Herr Rubinowitz, woher kommt Ihr Künstlername? Ist es nicht vermessen, sich selbst „Witz“ zu attestieren?
Der Künstlername hat mich gefunden, so war es auch bei Max Goldt und Blixa Bargeld und Farin Urlaub. So machte man das Anfang der Achtziger.

Die Zeitungen feiern Sie nach Ihrem Sieg beim Klagenfurter Wettlesen als Helden, der die Komik in den Literaturbetrieb zurückbringt. Nehmen Sie’s mit Humor?
Ich nehme es nicht mit Humor, wenn man nicht erkennt, dass mein Text nicht humorvoll ist, sondern düster, verzweifelt und dunkel, ein klassizistisches Vexierbild.

Zur Person

Tex Rubinowitz, der Gewinner des diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preises, ist Cartoonist, Musiker in der Rockband Die Mäuse, Reisejournalist und Schriftsteller. Tex Rubinowitz wurde 1961 als Dirk Wesenberg in Hannover geboren. Er lebt in Wien. Mit seinem Text „Wir waren niemals hier“ über den desaströsen Beziehungsalltag mit der Litauerin Irma, die an Batterien lutscht und von dem Erzähler verlangt, ihr ein Brathuhn zu stehlen, hat er den Klagenfurter Literaturpreis gewonnen. Sein Buch „Die sieben Plurale von Rhabarber“ (Rowohlt) besteht aus bezwingend absurden Listen, von den „Notizen eines Psychiaters während der Therapiesitzung“ über „7 Arten, eine Kerze zu löschen“ (mit einer Oboe ausblasen) bis zu „Max Brods Ausreden, warum er Kafkas Manuskripte nach dessen Tod nicht verbrannt hat“. Gleichfalls im Rowohlt-Verlag hat Tex Rubinowitz außerdem Reiseberichte unter dem Titel „Rumgurken“ publiziert.

Sie sind Autor und Cartoonist. Also so eine Art moderner Wilhelm Busch?
Nicht so ehrgeizig und fleißig wie Busch, und ich glaube auch nicht, dass Busch in einer Rockband gesungen hat.

Über Ihre Heimatstadt Hannover schreiben Sie in Ihrem Bachmann-Text, sie sei so uncharismatisch … Hat es Sie deshalb nach Wien verschlagen?
Jahrelang war es mir peinlich, aus Hannover zu kommen, weil es ja nun mal das Synonym für Mittelmäßigkeit ist. Jetzt bin ich stolz drauf, denn ein Gefäß, in dem nichts ist, lässt sich mit allem befüllen: die Herkunft als Projektionsfläche. Ich bin sogar Fan der Scorpions, aber nur von den frühen, der „Speedy’s Coming“-Ära.

Ihr jüngstes Werk „Die sieben Plurale von Rhabarber“ besteht aus Listen, zum Beispiel: „Wer zieht? Vögel in den Süden, Tee drei Minuten, eine Stripperin sich aus, eine Oper sich in die Länge …“ Was ist Ihre persönliche Lebensliste?
Wie man was misst. Liebe: in Minuten.  Leben: in Zentimetern. Erfolg: in Gramm. Intelligenz: in Litern. Blutdruck: in Anrufen.

In dem Rhabarber-Buch stellen Sie auch fünf Fragen an Ingeborg Bachmann, etwa, ob sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilgenommen hätte. Nach Ihrer Erfahrung in Klagenfurt – hätte sie?
Ja, aber nur, wenn sie hätte rauchen dürfen während des Lesens.

Sie haben sich dem traditionellen Videoporträt verweigert, das sonst vor den Klagenfurter Lesungen gezeigt wird. Obligatorisch ist auch das Siegerbild mit Blumenstrauß. Da wollten Sie dann doch nicht gegen die Form rebellieren?
Stimmt, das wäre konsequent gewesen, aber es wird einem quasi der Strauß in die Hand geschraubt, da kommt man schlecht raus aus der Nummer. Den Strauß hab ich auf der Straße einem dreijährigen Mädchen geschenkt, sie hat sich gefreut, vermutlich der erste Strauß ihres Lebens.

Wann erscheint Ihr nächstes Werk – und worum geht es?
Anfang nächsten Jahres, es geht um einen Mann, der nichts essen kann, auf das sein Schatten fällt.

Interview: Nina May

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