Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Großes Theater kommt nach Hannover
Nachrichten Kultur Großes Theater kommt nach Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:46 19.04.2009
Von Ronald Meyer-Arlt
Suzanne Andrade ist mit „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ zu sehen.
Anzeige

Hannover spielt auch mit. Als Spielort sowieso, aber auch als Kulisse und als Inspirationsquelle – und für ein Stück liefert die Stadt auch den Soundtrack. „La Mélancolie des Dragons“ (Die Melancholie der Drachen) der französischen Theatergruppe Vivarium Studio unter der Leitung von Philippe Quesne zeigt sechs Rocker in einer Winterlandschaft, die eine Autopanne haben. Die Herren mit den langen Haaren lieben die Musik der Scorpions ebenso wie die Kunst und basteln sich aus riesigen Plastiktüten, Seifenblasen und einem Ventilator eine phantastische Landschaft zusammen. Am Sonnabend, 20. Juni, ist „La Mélancolie des Dragons“ um 21 Uhr im hannoverschen Schauspielhaus zu sehen. Die Performance über eine gestrandete Künstlergruppe ist eine von 15 Produktionen der zehnten Ausgabe des hannoversch-braunschweigischen Festivals Theaterformen.

Das Festival, das am 10. Juni beginnt und am 21. Juni endet, findet in diesem Jahr in Hannover statt, 2010 – dann kann man 20 Jahre Theaterformen feiern – wird wieder Braunschweig der Austragungsort sein.


Anzeige
 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Anja Dirks, die neue künstlerische Leiterin, hat für ihre ersten Theaterformen (Etat: etwa eine Million Euro, Förderer: Land Niedersachsen, Stadt Hannover, Stiftung Niedersachsen, Klosterkammer Hannover und viele andere Sponsoren) viel Neues eingeladen: Elf deutsche Erstaufführungen sind im Programm sowie eine Uraufführung, große Formate sind darunter, wie etwa die vom lettischen Regisseur Alvis Hermanis am Moskauer Theater der Nationen inszenierten kuriosen Erzählungen des russischen Schriftstellers Wassili Schukschin, aber auch kleine Kostbarkeiten wie das „Erinnerungsbüro“ des Schweizer Künstlers Mats Staub, der Menschen aus Hannover eingeladen hat, von ihren Großeltern zu erzählen.

Eröffnet werden die Theaterformen mit einem Zirkusprojekt; das ist seit den letzten beiden Ausgaben des Festivals schon fast Tradition. Der Regisseur Aurélien Bory hat mit Akrobaten aus Marokko zirzensisches Theater mit Akrobatik und Hip-Hop inszeniert. „Taoub“ heißt Stoff oder Gewebe und hat am Mittwoch, 10. Juni, im Theater am Aegi Premiere. Der neue Spielort ist nötig, weil im Schauspielhaus gerade Abschied gefeiert wird: Intendant Wilfried Schulz verlässt Hannover und geht nach Dresden, sein Nachfolger Lars-Ole Walburg hat für Hannover schon einiges startklar gemacht. Weil fast das gesamte Ensemble Hannover verlässt, gibt es die seit vielen Jahren obligatorische Koproduktion von Schauspiel und Festival in diesem Jahr in einem Bereich, der auch nach dem Weggang des Intendanten bleibt: dem Jungen Schauspiel. Das gestaltet zusammen mit der Gruppe andcompany&Co. im Geist von Kurt Schwitters ein Projekt über ein Thema, das Jugendliche vermutlich besonders interessiert: Faulheit. Nicht allein an Jugendliche richtet sich das ausgefuchste Party- und Konzertprogramm, das – meist gratis – im Festivalzentrum im Innenhof des Schauspiels angeboten wird.

Auffallend an dieser Ausgabe der Theaterformen ist die wilde Mischung von ganz großen und ganz kleinen Arbeiten, die Abwesenheit von Schauspielern in vielen Produktionen und ein gewisser Hang zum Basteln.

Großes Theater kommt aus München nach Hannover. Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Kafkas „Der Prozess“ wird hier am 15. und 16. Juni zu sehen sein. Davor wird das Stück beim Berliner Theatertreffen gezeigt. Kleines Theater zeigt Suzanne Andrade im Ballhof 2, „Between the Devil and the Deep Blue Sea“ ist ein Ein-Frauen-Stück im Cabaretstil der zwanziger Jahre. Gebastelt wird in vielen Stücken, besonders aber in „Alle, die da fallen“ nach einem Hörspiel von Samuel Beckett. Hier zimmert sich das belgische Schauspielerkollektiv Compagnie Marius im Georgengarten am Wilhelm-Busch-Museum ein eigenes Theater zusammen. Und in der Performance „Some Things happen all at once“ präsentiert die spanische Künstlerin Rosa Casado ein Stadtmodell aus Eis. Die Zuschauer sollen für Kühlung sorgen: Auf Standrädern erzeugen sie Strom, der eine Kältemaschine antreibt. Das Eismodell der Stadt wird im Neuen Rathaus aufgebaut – gleich neben den anderen Stadtmodellen von Hannover.

Die Stadt soll dahinschmelzen. So oder so.

Das Festival Theaterformen
Wann? Vom 10. bis 21. Juni.
Wo? Schauspielhaus, Cumberlandsche Galerie, Theater am Aegi, Neues Rathaus, Ballhof eins und zwei, Hauptbahnhof, Georgengarten.
Wer? 300 Künstler aus aller Welt zeigen 15 Produktionen.
Für wen? Für alle. Die Eintrittspreise entsprechen den üblichen Preisen im Schauspielhaus; ansonsten kosten die Karten meist 16 Euro, ermäßigt 6 Euro. Abonnenten und Käufer von mehr als fünf Karten erhalten 20 Prozent Ermäßigung.
Wie? Karten: (05 11) 99 99 11 11.
Was noch? Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Festivals Theaterformen.

Johanna Di Blasi 16.04.2009
Kultur Deutscher Buchpreis - Verlage reichen 132 Romane ein
16.04.2009