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Kultur „Unser Saatgut“ – Vom Sterben der Sorten
Nachrichten Kultur „Unser Saatgut“ – Vom Sterben der Sorten
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06:00 11.10.2018
Geschenk der Natur: Saatgut darf kein Spekulationsobjekt sein. Quelle: W-Film
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Hannover

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts haben wir 94 Prozent unserer Saatgutvielfalt verloren. Vor 100 Jahren gab es noch 544 Kohlsorten, heute sind es nur noch 28. Von 158 Blumenkohlsorten haben gerade einmal neun überlebt und von 55 Kohlrabivarianten nur noch zwei.

Die Monopolpolitik von Konzernen führte zum Sortenverlust

Über Jahrtausende war die Biodiversität der Schlüssel für das Überleben der Menschheit. Die Sortenvielfalt ermöglicht es, die richtige Pflanze für spezifische, regionale Umweltbedingungen auszusuchen. Die Monopolpolitik von Konzernen wie Bayer/Monsanto und Syngenta, die über zwei Drittel des Marktes mit patentierten Hybridsamen kontrollieren, haben diese Ausdünnung zu verantworten.

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In ihrem Dokumentarfilm „Unser Saatgut“ formulieren Taggart Siegel und Jon Betz ein Plädoyer für den Kampf um die Saatgutvielfalt. Aktivisten, die Saatgutbanken anlegen, kommen ebenso zu Wort wie indigene Gruppen, für die die Bewahrung von Saaten seit Jahrhunderten zur Kultur gehört.

Sortenvielfalt könnte der Schlüssel zum Überleben werden

Auch zwei freakige Saatgutjäger hetzen hier kreuz und quer durch die Welt, um die Samen essbarer Pflanzen zu sichern. Vor allem eines macht der Film klar: Saatgut ist ein Geschenk der Natur, das allen zusteht. Es darf kein Spekulationsobjekt sein.

Die Hungersnot, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland eine Million Menschen tötete, war die Folge des Anbaus einer Kartoffelsorte, die nicht gegen Mehltau resistent war. Die Sortenvielfalt könnte angesichts herannahender Klimakrisen der Schlüssel zum Überleben sein. In sinnlichen Bildern und wunderschönen Makroaufnahmen feiern die Filmemacher die Vielfalt der Pflanzenwelt und das Wunder, das in einem keimenden Samenkorn steckt.

Von Martin Schwickert / RND