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Kultur Die Niedersächsischen Musiktage erkunden das Thema „Nacht“
Nachrichten Kultur Die Niedersächsischen Musiktage erkunden das Thema „Nacht“
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08:16 27.05.2009
Von Daniel Behrendt
Markus Fein Niedersächsische Musiktage Nacht Programm
Lagenwechsel: Markus Fein beim Musikhören Quelle: Florian Wallenwein
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„Dieses Hören in der Stille, das ist etwas unendlich Kostbares“, sagt Fein und gesteht, dass er damals oft das Bedürfnis verspürt habe, früher ins Bett zu gehen, um die Lust des konzentrierten Musikhörens ein wenig ausführlicher genießen zu können.

Heute greift der viel beschäftigte Musikwissenschaftler, der neben den Niedersächsischen Musiktagen auch jene in Hitzacker leitet, kaum noch zu den Kopfhörern auf seinem Nachttisch – doch Feins Liebe am horizontalen Hörgenuss lebt im Programm der aktuellen, inzwischen schon 23. Ausgabe des Festivals fort. Unter das Motto „Die Nacht“ hat Fein das von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung finanzierte Musikfest gestellt – und dazu passt eine „Liegetöne“ betitelte Veranstaltungsreihe natürlich ausgezeichnet.

Mit Liegetönen sind hier keine besonders lang ausgehaltenen Notenwerte gemeint, sondern Konzerte, bei denen die Zuhörer statt auf Sitzpolstern in Liegestühlen Platz nehmen dürfen. In derart kommoder Position erwartet den Kunstfreund – bei gedämpften Licht selbstverständlich – ein Zwiegespräch kontrastierender Stile und Stimmungen. In der Galerie Herrenhausen etwa, wo am 3. Oktober eines von sechs Liegekonzerten stattfindet, trifft rassiger Tango auf die silbrigen Klänge eines Gambenconsorts. „Eine liebevolle Einzelanfertigung“ sei dieses Programm – und mit ihm jedes der rund 70 anderen Konzerte der Musiktage, verspricht Intendant Fein.

Anders als bei Festivals, die sich vor allem durch eine möglichst hohe Stardichte profilieren wollten, verstünden sich die Niedersächsischen Musiktage in erster Linie als thematisch orientierte Veranstaltung, als ein, wenn man so will, Festival mit Köpfchen – und in ein solches „passen einfach keine konfektionierten Tourneeprogramme wie sie so mancher Agent aus schierer Bequemlichkeit anbietet“, betont Fein.

Und tatsächlich: Das Programm der Musiktage – es erscheint in den nächsten Tagen und wird auch im Internet einsehbar sein – ist gespickt mit originellen Konzertdramaturgien, ungewöhnlichen Spielorten und prominenten Künstlern, die sich eigens für die Musiktage-Reihe „Nachtmenschen“ über ihr ganz persönliches Verhältnis zum Festivalthema Gedanken gemacht haben.

Der Autor, Moderator und Jazzenthusiast Roger Willemsen beispielsweise hat gleich drei verschiedene Programme entworfen (eins davon für Hannover) und wird überdies seinen neuen Roman „Bangkok Noir“, einen nächtlichen Erlebnisbericht aus Thailand, vorstellen. Auch der Schauspieler Ulrich Tukur, sein chansonaffiner Kollege Dominique Horwitz und die Bratschistin Tatjana Masurenko, die ihr Konzert in das Licht der „weißen Nächte“ ihrer Heimat St. Petersburg tauchen wird, gehören zu den „Nachtmenschen“ der Musiktage.

Von den vergangenen Musiktagen – sie standen unter dem Motto „Aufbruch“ – hat Markus Fein das Konzept der musikalischen Reise übernommen: Eine „Chorstraße“ führt von Melle nach Northeim, und die „Jazzroad“ startet in Cuxhaven und endet in Göttingen. Auf beiden Routen treten namhafte Solisten und Ensembles auf – etwa Cantus Cölln, der NDR Chor und der Klarinettist Rolf Kühn.

Ebenso vielfältig wie das Künstlerangebot ist die Auswahl der Spielstätten, die die 23. Musiktage ansteuern: Am 18. September legt das Festival bei laufendem Betrieb eine „Nachtschicht“ im Stahlwerk Georgsmarienhütte ein, es geht in den Klosterstollen Barsinghausen (16. September) und, einen Tag später, in die Iberger Tropfsteinhöhle Bad Grund. Doch bei aller Innovationsfreude: Ohne das traditionelle Flair von Kronleuchtern und roten Samtpolstern wollen die Musiktage nicht ganz auskommen. Wohl deshalb startet das Festival am 5. September mit einem Orchesterkonzert im altehrwürdigen Ambiente des Oldenburgischen Staatstheaters. Im Sitzen, versteht sich.