Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur Die Drei-Minuten-Glücklichmacher
Nachrichten Kultur Die Drei-Minuten-Glücklichmacher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 20.10.2011
Bunte Hunde mit Bart: Coldplay veröffentlicht am Freitag das erste Album seit drei Jahren. Quelle: Lee/EMI

Da sage noch einer, Hannovers viel gescholtenes neues Stadtlogo mit den gestapelten Buchstaben sei nicht hip. Coldplay macht das auch. Die Coverdesigner des neuen Albums haben die Lettern des Titels auch in drei Reihen geschichtet. Natürlich alles ein bisschen bunter als Hannover. Ist ja Pop. Aber auch kryptischer. Mylo Xyloto? Ist was? Bedeutet was? Chiffriert was? Bezieht sich auf was? Nichts. Ein Phantasiename. Warum nicht? Ist ja Pop. Aber ist es auch hip? Ist Coldplay hip?

Fest steht: Was die britische Band auch tut, wird erwartet und ersehnt, vergöttert und verrissen, zum Thema gemacht, zur Schnecke gemacht. Zum Maßstab gemacht hat sich Coldplay selbst. Wer sich selbst irgendwann mit dem Attribut „größte Band der Welt“ in einem Satz nennt, wird das nicht mehr los. Wer diesem Status nach messbaren Kriterien wie Chartsplatzierungen, Plattenverkäufen oder Zuschauerzahlen dann auch noch nahekommt, muss sich nicht wundern, wenn ein neues Album eigentlich auch immer gleich das beste Album der Welt sein muss. Darf eine solche Hitmaschine zur Hipmaschine werden? Oder hat Coldplay einen Mainstream-Auftrag, der Experimente verbietet und stadionrocktaugliche Hymnen verlangt? Der Schritt von der Indie-Band zum Massenmagneten ist längst vollzogen. Und ein bisschen sitzt Gruppenkopf Chris Martin nun wohl in der Zwickmühle, ob der nächste musikalische Schritt nun ein großer sein darf oder nicht. Die Antwort auf „Mylo Xyloto“ ist entschieden unentschieden.

Die vorab ausgekoppelten Hörhappen „Every Teardrop is a Waterfall“ und vor allem „Paradise“ deuten geradewegs in die große Arena, zwar ohne die klassische Wucht des Überhits „Viva la Vida“, aber mit vielen „Ohoho“- und „Lalala“-Vorlagen. Lieder, die diese Kraft zum dreiminütigen Glücklichmachen haben, Lieder, die so breit und mächtig in den Gehörgang drängen, dass man lieber die Flügeltür aufmacht. Von diesem Schlage sind auch andere Songs. Die Gabe, solche Pathos-Breitseiten aus der Hüfte zu schießen, hat die Band schließlich dahin gebracht, wo sie jetzt ist. „Hurts like Heaven“ oder „Charlie Brown“ bitten mit leichten Melodien und Refrains für alle zum großen Fankurvengänsehautmiteinander. Falls der Hamburger SV nach „Viva la Vida“ eine neue Torhymne sucht, wird er auf diesem Album sicher wieder fündig.

Aber es geht auch anders. Leiser. Unter den Produzenten befindet sich auch Brian Eno, Altmeister, der auch schon bei anderen Bands mit ruhiger Hand eine zweite, schwebende Ebene eingezogen hat. Drei Songs werden durch knapp einminütige, sphärische Vorspiele eingeleitet. Und zweimal scheint der Bombast ganz draußen zu bleiben, da zieht Coldplay ans Lagerfeuer.

Thematisch soll sich das ganze Album der Geschichte eines Paars widmen, das um seine Liebe kämpft, was man sicher hier und da herauslesen kann, aber nicht muss. In „Us against the World“ formuliert Martin noch einmal den Leitgedanken des vergangenen Albums, das in höchsten Tönen das Leben feierte und es gegen alle Unbilden des Bösen zu verteidigen bereit war. Zur stromlosen Gitarre singt Martin intime Worte der Hoffnung, doch dann, zum Ende hin, öffnet sich der Song, Hall und klingelnde E-Gitarren ziehen ein. Es sitzen wohl doch 10 000 Menschen mit Martin am Lagerfeuer, und alle halten Feuerzeuge hoch. „U.F.O.“, ein zweiter Ansatz von instrumentaler Intimität, beginnt vielversprechend als leises Gebet, zergeht aber in Geigenschmalz. Um anschließend von Synthesizerklängen aus den fiesesten Ecken der achtziger Jahre abrupt ausgebremst zu werden. Der Britpop rollt den roten Keyboardteppich aus für – Rihanna. Ihr Gastauftritt bei „Princess of China“ gehört zu den orientierungslosesten Momenten des Albums. Zumal auf diesen Plastikpop einer der schönsten Songs folgt, das fast nackte und doch so atmosphärische „Up in Flames“.

Es deutet neue Wege an, dieses „Mylo Xyloto“, aber es hat seine schönsten Momente auf den alten Pfaden. Es ist wie am Mittwoch. Da spielte Coldplay auf der Gedenkfeier für Steve Jobs. Bei ­Apple, dem Quell der Innovation. Es gab die alten Hits „Yellow“ und „Fix you“.

Uwe Janssen

Mit dem Maler und Grafiker Willi Sitte verbinden die einen den DDR-Kulturfunktionär, die anderen einen der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Zu seinem 90. Geburtstag gibt es 90 Bilder in einer Ausstellung zu sehen - ein Bruchteil seines Schaffens.

20.10.2011

Einmal zurück in die Vergangenheit, bitte. Von der Sehnsucht einer Rückkehr in frühere Zeiten erzählt das Tanzstück "Mirage". Das Stück wird am Sonntag im Staatstheater Oldenburg uraufgeführt.

20.10.2011

Wie weit reicht die Verfügungsgewalt eines Künstlers über sein Werk? Wie weit muss die eines Kurators über seine Ausstellung gehen? Und auf welche Zugeständnisse muss sich ein Museum einlassen, wenn es eine bedeutende Schenkung bekommen möchte?

Simon Benne 18.10.2011