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Kultur „Der Flohmarkt von Madame Claire“: Filmkritik und Trailer
Nachrichten Kultur „Der Flohmarkt von Madame Claire“: Filmkritik und Trailer
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06:00 01.05.2019
Versöhnung ist möglich: Claire Darling (Catherine Deneuve) bekommt Besuch von ihrer Tochter. Quelle: Foto: Neue Visionen
Hannover

Catherine Deneuve ist seit den 1960er Jahren die unangefochtene „Grande Dame“ des französischen Films. Da passt es, wenn sie in Julie Bertuccellis zärtlicher Dramödie über Fluss und Zerfall von Zeit die melancholische Heldin verkörpert.

Ihre Claire Darling residiert allein in einem großen Haus auf dem Land, wo sie über Jahrzehnte hinweg wertvolle Kunstobjekte gesammelt hat. Sammeln, das kann nach der Psychoanalyse bedeuten, den lauernden Tod auf Abstand zu halten dadurch, dass man dem Leben immer wieder Neues hinzufügt.

Es gibt unangenehme Wahrheiten im Leben von Madame Claire

Und genau das ist der Punkt bei der wohlhabenden Witwe. Das zweimalige Aufwachen in der Nacht nimmt sie als Zeichen nahenden Endes und glaubt, der nächste Tag sei ihr letzter. Traum, Vorahnung oder Verwirrung der 70Jährigen? Jedenfalls will sie sich von Hab und Gut trennen. Mit Hilfe von Dorfjugendlichen stellt sie alles – von Möbeln über Tiffanylampen, kostbaren Bucheditionen, Gemälden und alten Puppen bis hin zu exquisitem Schmuck – auf den Hof, wo Nachbarn und Dörfler anrücken, um ein Schnäppchen zu machen.

Der Flohmarkt steht hier als Metapher für Konfrontation mit der Vergangenheit, sich durch Ballast den Blick auf die Wirklichkeit zu verbauen und unangenehme Wahrheiten weg zu schieben. Von solchen gibt es genug im Leben von Madame. Wenn die Deneuve (erstmals mit silbrig-weißen Haaren) leicht desorientiert über die gierige Meute schaut, die sich um die Zeugen ihrer persönlichen Geschichte reißt, kommen bruchstückhaft Erinnerungen hoch: Kindheit und Jugend, Verlust von Ehemann und Sohn, verdrängte Schuldgefühle, Glück und Unglück. Alles in Rückblenden.

Man ahnt – das Leben mit seinen Kompromissen, großen und kleinen Tragödien war ihr nicht wohl gesonnen. Als dann die herbeigeholte Tochter Marie (Deneuves Tochter Chiara Mastroianni) auftaucht, die vor 20 Jahren den Kontakt abbrach, kochen Emotionen hoch, offenbart sich ein tiefer Konflikt zwischen einst strenger Mutter und sich zurückgesetzt fühlender Tochter.

Bertucellis Film handelt von Trauer, Abwesenheit, zerbrochenen Banden

Erst als Claire ihre Fehler erkennt, ist Versöhnung möglich. Auch Bertuccellis dritter Spielfilm nach „Seit Otar fort ist“ und „The Tree“ handelt wieder von Trauer, Abwesenheit und zerbrochenen Familienbanden. Zwar verliert die Erzählung über den Mut zum Loslassen bald die anfängliche Leichtigkeit und manchmal erfordert der langsame Rhythmus Geduld.

Dennoch verzaubert der in Magie mündende Mix von Realität und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart durch märchenhafte Bilder – da hängen Fahrräder in den Bäumen, glitzert der dörfliche Jahrmarkt bunt, wenn Claire nächtens einsam im Autoscooter ihre Runden dreht.

Catherine Deneuve hält das rätselhafte Ganze mit Eleganz und nostalgischer Anmut zusammen. Bis zum überraschenden finalen Paukenschlag.

„Der Flohmarkt von Madame Claire“ – Filminfo

Kinostart Deutschland: 2. Mai 2019

• Originaltitel: „La dernière folie de la Claire Darling

• Produktionsland: Frankreich

• Regie: Julie Bertuccelli

• Besetzung: Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Alice Taglioni

• Genre: Drama

• Laufzeit: 94 Min

• Altersbeschränkung: FSK ab 0

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