Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Kultur „Dave Made A Maze“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur „Dave Made A Maze“ und mehr DVD-Tipps
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:36 18.07.2019
Quelle: Getty Images/iStockphoto
Anzeige
Hannover

Creed II – Rocky’s Legacy. In Kiew steigt ein boxender Berg in den Ring. Sein Vater und Trainer ist der Mann, der einst in den guten alten Tagen der „Rocky“-Filme Apollo Creed erschlug. Und nun soll Apollos Sohn Adonis (Michael B. Jordan) also gegen Ivan Dragos (Dolph Lundgren) Sprößling antreten – da werden Revanchegedanken wach.

Gottseidank ist Creed Juniors Weisheiten nuschelnder Coach Rocky Balboa nach einer Auszeit verlässlich an seiner Seite. Beflissen hält Sylvester Stallone die Boxersaga, die ihn Mitte der Siebzigerjahre berühmt machte, am Leben, in der Boxhiebe wie Trommelschläge klingen und die Zeitlupe den k-o-Schlag samt fliegender Spucke abbildet.

Anzeige

Und „Creed II – Rocky’s Legacy“ ist ein recht ansehnlicher Boxerfilm geworden mit soliden Charakteren und guter Story, der sportliche Besessenheit erklärt, die Gier nach dem Sieg – ohne die ganz große Tragödie anzubieten. Wie überhaupt das späte Wirken von Uns Rocky – im Gegensatz zu den letzten beiden Filmen der Originalserie - ähnlich cool ist wie das Spätwerk von Johnny Cash.

Creed II – Rocky’s Legacy Quelle: Warner

Polaroid. Verfluchte Technik, die den Tod bringt. Kennt man seit der Serie „Twilight Zone“, spätestens aber seit dem japanischen Original von „The Ring“ (oder Gore Verbinskis US-Coverversion), wo ein VHS-Band einem Dämon erlaubte, Zugriff auf die zu bekommen, die es betrachteten. Hier nun ist es eine Polaroidkamera, die das Böse in sich trägt.

Die junge Bird Fletcher (Kathryn Prescott), Mitarbeiterin eines Antiquitätenladens, bekommt den Apparat geschenkt. Auf all ihren Porträtfotos ist ein unerklärlicher Schatten zu sehen, der von Bild zu Bild springt und sich zu einem Wesen manifestiert, das die Porträtierten ums Leben bringt.

Der norwegische Regisseur Lars Klevberg hat mit „Polaroid“ eine abendfüllende Version seines eigenen Kurzfilms gedreht. Und es gelingt ihm durchaus einige Male, den Zuschauer mit den klassischen Mitteln des Gruselfilms in Angst und Schrecken zu versetzen. Als Birds Spiegelbild in einer Fensterscheibe auf einem der Sofortbilder zu sehen ist, stellt das Ding aus einer anderen Welt auch der niedlichen Heldin nach, die seltsamerweise entkommen kann – Fotografenbonus?

Die dunstige Atmosphäre, die beigen und braunen Grundfarben verstärken das Gefühl der Bedrohung, und die Teenager, die vom Übernatürlichen untergebuttert werden, sind zum Zeitpunkt der Begegnung mutterseelenallein in fürchterlichen Häusern, in denen man nicht einmal zusammen mit einer Heerschar Helden und Exorzisten weilen möchte.

Trotzdem schafft es Klevberg nicht, den Zuschauer mit seiner Idee über 90 Minuten bei der Stange zu halten. Je mehr erklärt wird, desto mehr baut der Spuk an Effizienz ab. Trotteliges, unplausibles Verhalten der Gefährdeten und Dialoge von minderer Güte („Wir sollten nicht sterben müssen, nur wegen so eines blöden Fotos“) tun ein Übriges, um das Vergnügen zu mindern. Am Ende bleibt ein streckenweise solides Stück Genrekino, das als Höhepunkt mit einem Gänsehautauftritt der großen, gruseligen Grace Zabriskie (Sarah Palmer aus „Twin Peaks“) aufwartet.

Polaroid Quelle: Capelight

Replicas. Die Musik ist dringlich, Keanu Reeves ist es auch. „Margaret, aktivieren sie den Körper“, beauftragt er eine Assistentin, nachdem er durch das Verschieben von allerhand Holografien (nach dem Vorbild von Tom Cruise in „Minority Report“) das Bewusstsein eines toten Soldaten in einen Roboterkörper übertragen hat.

Das scheinbar geglückte Experiment endet mit der Verzweiflung des „übertragenen Bewusstseins“ im künstlichen Körper, mit mentalen Abstoßungsreaktionen und der versuchten Selbstzerstörung der Menschmaschine. Die Auftraggeber des Bioingenieurs William Foster sind derweil ungeduldig, drauf und dran, die Gelder von dem Projekt abzuziehen. Was den Dr. Frankenstein des 21.Jahrhunderts nicht von seinen Studien abbringt.

Nach einem Autounfall, bei dem seine Frau und seine drei Kinder ums Leben kommen, klont er seine Liebsten umgehend. Weil nur drei Spezialtanks vorhanden sind, fällt seine jüngste Tochter aus der Nachzüchtungslinie, die Erinnerung an sie wird aus dem Bewusstsein der anderen Familienmitglieder getilgt. Seltsam: Auch die Nachbarn und das restliche soziale Umfeld scheinen das Mädchen aus ihrem Bewusstsein verbannt zu haben.

Nur eine von vielen Eseleien in Jeffrey Nachmanoffs „Replicas“, einer an Ungereimtheiten reichen Sci-Fi-Variante von „Friedhof der Kuscheltiere“, die schließlich an ein komplett hanebüchenes Ende gelangt. Der Name Keanu Reeves steht für vieles – für Zusammenarbeiten mit namhaften Regisseuren, für hochkalibrige Actionfeste wie den jüngsten John-Wick-Film und für Mumpitz wie hier, Zeug, das sonst nur Nicholas Cage hinkriegt.

Replicas Quelle: Concorde

Dave Made A Maze. Dave (Nick Thune) hat eine kleine Kinderburg aus Pappkarton gebaut. Sie steht mitten im Wohnzimmer und Dave sitzt drin, als Annie (Meera Rohit Kumbhani) von einer Reise nach Hause kommt. Dave spricht bezüglich des Schandflecks etwas hochtrabend von einem Labyrinth, Freunde kommen zu einer Art „Befreiungsparty“ und niemand nimmt den Budenzauber ernst. Man freut sich nur, dass der bislang eher erfolglose Künstler Dave endlich mal was fertiggekriegt hat.

Dann aber stellt das „Rettungsteam“ inklusive dreier Filmemacher fest, dass es sich mit der Pappkonstruktion so verhält wie mit Zelten und Koffern in der Welt von Harry Potter – das Innen ist um ein Vielfaches größer als das Außen vermuten ließe. Dass Dave sich nicht mehr meldet ist sehr beunruhigend, dass ein Blutstropfen vom Karton aufgesaugt wird, umso mehr.

Aber erst als Origamivögel zu leben scheinen, wächst die Unruhe unter den bislang Quietschvergnügten. Und dann schlagen die im Irrgarten versteckten Pappfallen zu und töten die Eindringlinge, die – enthauptet oder aufgespießt – Papierschlangen und Konfetti bluten. Und ein Minotaurus ist auch noch unterwegs in den Gängen, während der irre Bau wächst und der Ausgang nicht mehr zu finden ist.

Bill Wattersons überraschungsreiche Verspieltheit erinnert an Wes-Anderson-Filme, der Ablauf an Vincenzo Natalis zumindest eine Zeitlang an „Cube“ (1997). Mit einem Winzbudget wurde Großartiges geleistet, wenngleich in alldem keine wirkliche Botschaft steckt - außer vielleicht der Angst aller noch suchenden Künstler vor dem Scheitern, ihr Wunsch, nicht mehr den Eltern auf der Tasche zu liegen.

„Ich bin kurz davor …“, sagt Dave mitten im Film, aber „wovor“ bleibt ungesagt. Ist auch egal – die Geschichte vom sich verselbständigenden, mordenden Kunstwerk hat Witz, Chuzpe und Genie, dieser CGI-freie Spaß ist ein Kultfilm reinsten Wassers.

Dave Made A Maze Quelle: Pandastorm

The Possession of Hannah Grace. Wenn sich eine Filmfirma „Screen Gems“ (also Leinwandjuwelen) nennt, ist das noch kein wirklicher Hinweis auf die Qualität ihrer Produkte. „The Possession of Hannah Grace“ ist ein Horrorfilm, der gleich mal mit einer saftigen Dämonenverbannung loslegt, die allerdings nur diejenigen hinters Sofa jagen kann, an denen die zahllosen filmischen Austreibungen seit William Friedkins „Exorzist“ (1972) komplett vorbeigingen.

Shay Mitchell, die sympathischste der vier Mordmädels aus der Serie „Pretty Little Liars“, bietet in „The Possession of Hannah Grace“ eine solide Leistung. Sie ist die neue Nachtschichtlerin in der Leichenhalle eines Krankenhauses. Megan, traumatisierter, von seltsamen Visionen geplagter Ex-Cop und trockene Alkoholikerin, bekommt es in der stylishsten Morgue aller Zeiten mit der eingangs (nur scheinbar) entdämonisierten, inzwischen toten, schlimm zugerichteten Hannah zu tun, die „erwacht“, umgeht und – ein Dämon im Leib einer Toten wirkt irgendwie zombiehaft - mordet.

Der gebürtige Niederländer Diederik van Rooijen bringt derart viel Kälte und Klaustrophobie an seinen betongrauen Handlungsort, dass es einen an Ridley Scotts „Alien“ (und natürlich Ole Bornedals „Nightwatch“) erinnern will.

Er jagt den Zuschauer auch einige Male vom Sitz hoch, wie es sich für einen ordentlichen Horrorfilm gehört – etwa, wenn urplötzlich ein Bienenschwarm aus dem Leichnam zu schwirren scheint oder der entseelte Körper sich zum ersten Mal bewegt. Was dem Film indes fehlt, sind Bilder, die man noch nicht gesehen hat (statt Zitate aus „Shining“ und Co.).

The Possession of Hannah Grace Quelle: Sony International Pictures

Das Fenster zum Tod. Eine Hommage an Alfred Hitchcocks „Fenster zum Hof“ (1954); ihr Held Randal (Irshaad Ally) ist so gut wie erledigt. Ein großer Coup endete mit dem Tod seines besten Freundes, er selbst ist seither an den Rollstuhl gefesselt. Randal schuldet einem sadistischen Wucherer (Danny Ross) 25000 Dollar, die er binnen sieben Tagen zurückzahlen muss, sonst geht es ihm und seiner über Gebühr loyalen Freundin Pam (Monique Rockman) an den Kragen.

Alles scheint verloren, zumal Randal sich in dem inklusionsfeindlichen Wohnblock bei Kapstadt nicht bewegen kann. Da entdeckt er mit seinem Feldstecher, wie in der Wohnung gegenüber eine Tasche randvoll mit Geldscheinen gezeigt und ein korrupter Polizist von einer Gang ermordet wird. Und plant, aus seinem Wissen buchstäblich Kapital zu schlagen.

Randals Plan ist lebensgefährlich – auch für Pam. Die Leichtfertigkeit, mit der er seine Planungen durchzieht, verdiente eigentlich ein Scheitern. Der südafrikanische Regisseur Nosipho Dumisa reichert die ursprüngliche Geschichte eines Voyeurs aus Langeweile um eine „We gotta get out of this place“-Story an. Die Verzweiflung wirkt echt, das Ende von der Sorte „glückliches Missverständnis“ hätte Hitch gefallen.

Das Fenster zum Tod Quelle: Indeed Film

Verschwörung. Fede Alvarez macht aus Lisbeth Salander eine großartige Actionheldin, eine comichafte Assassinin, die nächtens bei einem gewalttätigen Ehemann aufkreuzt und sich ihn vornimmt, als wäre sie Batman höchstpersönlich. Dabei war sie doch nur eine punkige, verschlossene und seelisch verletzte Meisterhackerin in coolen schwarzen Klamotten.

Claire Foy ist nun schon die dritte Salander-Darstellerin nach Noomi Rapace und Rooney Mara. Die Verfilmung des David-Lagercrantz-Romans „Verschwörung“, mit dem die Stieg-Larsson-Buchtrilogie fortgesetzt wurde, verpasst der Figur einen neuen Hintergrund – eine tyrannische Vater-Tochter-Geschichte mit einem Schuldkomplex statt des ursprünglichen Missbrauchsdramas.

Die neueste Salanderversion ist eine Sportskanone, ein Bikerass, eine die sich binnen weniger Minuten von fast bewusstlos zu voll verfolgungsjagdtauglich hochjazzen kann, und die mit zwei Simsalabimchen ihrer flinken Finger in die am besten gesicherten Computer der Welt kommt.

Der Auftrag, eine weltbedrohliche Software sicherzustellen, mit der alle Atomwaffen der Erde kontrolliert werden können, führt zu einem beinahe tödlichen Angriff auf ihr Leben. Die Software ist gestohlen, der schwedische Geheimdienst, die NSA und die Polizei sind ihr auf den Fersen, weil sie Lisbethchen für eine Mörderin halten. Und schon bald taucht auch ein unerwarteter Schatten aus ihrer Vergangenheit auf.

Foy ist eine überragende Schauspielerin, die diesmal nicht voll gefordert wird und James Bond lässt bis zum superspannenden Finale grüßen. Die Figur des Journalisten Mikael Nyqvist (Sverrir Gudnason) grüßt diesmal niemanden. Man hätte komplett auf ihn verzichten können.

Verschwörung Quelle: Sony International Pictures

Abgeschnitten. Der Wahn steht ihm gut. Lars Eidinger ist einfach immer sehenswert in seinen Irrer-Mörder-Rollen. Seine Darstellung des sadistischen Entführers und Manipulierers Jan Erik Sadler in Christian Alvarts „Abgeschnitten“ kann es mit Ted Levines Jame „Buffalo Bill“ Gumb im „Schweigen der Lämmer“ aufnehmen, mit Kevin Spacey als John Doe in „Sieben“.

Der Film selbst – nach einer Geschichte von Sebastian Fitzek und Charité-Rechtsmedizinchefchef Michael Tsokos - ist nicht so kultverdächtig wie die genannten Edelthriller. Und doch ist Alvarts Neuer prima Genrekino aus Deutschland.

Moritz Bleibtreu spielt darin den Rechtsmediziner Paul Herzfeld, dessen Tochter von Sadler entführt wird und der ihn fortan mit in Leichen versteckten Hinweisen (Telefonnummern) zu seiner Tochter lotst. Der erste Anruf bringt ihn mit Linda zusammen, einer Comiczeichnerin (Jasna Fritzi Bauer), die vor ihrer letzten Beziehung nach Helgoland geflohen ist. Es wird der übliche Letzte-Sekunde-Wettlauf mit einem Gegner, der nie an Freilassung denkt, der eine Weile spielen und dann töten will.

Am Ende kommt es auf jede Sekunde an, und zu allem Unglück zieht auch noch ein Sturm herauf (der Filmtitel ist also doppeldeutig). Action trifft Horror, nicht alle dramatischen Möglichkeiten werden ausgereizt. Die Geschichte von Lindas stalkendem Ex etwa bleibt eine Fußnote, ein Motivationsschub für den Kampf gegen den frauenhassenden Soziopathen Sadler.

Abgeschnitten Quelle: Warner

Vidocq – Herrscher der Unterwelt. Eugène Francois Vidocq ist eine französische Legende – vom Gelegenheitsdieb, Meisterverbrecher und König der Duellanten wurde der Sohn aus gutem Hause zu Napoleons Zeiten erst Spitzel, dann Chef einer Undercoverpolizei und schließlich Leiter dessen, was heute als erstes Detektivbüro gilt. Vidocq inspirierte schon zu Lebzeiten die Literatur (so etwa Victor Hugos „Die Elenden“, Alexandre Dumas` „Mohikaner von Paris“), später das Kino.

Nach Pitofs frei erfundenem Fantasydrama „Vidocq“ (2001) mit dem massigen Gérard Depardieu in der Titelrolle, schlüpft jetzt der charismatische Vincent Cassel in Frack und Zylinder, um den skrupelarmen Abenteurer mit sauertöpfischem Blick und kurzer Entschlossenheit neuerlich lebendig werden zu lassen.

Regisseur Jean-Francois Richet erzählt aus der Zeit von dessen Umbesinnung und wie ein alter Bekannter (August Diehl) nach Paris zurückkehrt, um (effektvoll inszeniert) gemeinsam mit ihm König der Kriminellen zu werden. Als Letzterer ablehnt, bricht in Paris ein kleiner Krieg aus.

Die Ausstattung des mit Fabrice Luchini, Olga Kurylenko und Patrick Chesnais bis in die Nebenrollen prominent besetzten Historiendramas ist üppig. An Kostümen und Kulissen – etwa der Baustelle des Arc de Triomphe – kann sich das Auge kaum sattsehen, Computertrickelemente sind vorsichtig und geschmackvoll eingesetzt. Besser freilich, man bringt einiges an historischem Interesse mit, denn in der zweiten Hälfte mischt sich in das aktionsgeladene (Kriminal-)Drama eine wortreiche Illustration des napoleonischen Zeitalters.

Vidocq – Herrscher der Unterwelt Quelle: Splendid

Jäger – Tödliche Gier. Gold wird gefunden, 28 Gramm pro Tonne Gestein. Der hohe Arsengehalt wird verschwiegen. Der Unternehmer Markus Lindmark (Pelle Heikkilä) will ausbeuten, die Südafrikaner ins Boot holen und jeder, der zweifelt und die Geschäfte gefährdet, ist ein Feind und wird der Vernichtung anbefohlen. Korrupte Polizisten beziehen Seite, militante Umweltaktivisten sind auch nicht zimperlich. Blut fließt mehrfach.

Nach Kjell Sundvalls erfolgreichen Kinofilmen „Die Spur des Jägers“ (1996) und „Die Nacht des Jägers“ (2011) kehrt der schwedische Schauspielstar Rolf Lassgard in einer Miniserie als Erik Bäckström zurück. Inzwischen ist er pensioniert, will im Norden seiner Heimat Stille und Frieden finden, nimmt einen Job als Sicherheitschef der Goldschürfer an, kann aber seine Spürnase partout nicht nach schäbiger Leute Interessen justieren. So wird es gefährlich, dort wo sich sonst Elch und Hase gute Nacht sagen.

Lassgard, der schon den ersten TV-Wallander spielte, ist der Philip Marlowe des Nordic Noir, der einsamste Wolf dieser harten und deprimierenden Sorte Krimidrama, in der in die tiefsten menschlichen Abgründe hinabgestiegen wird. Viele faszinierende, beunruhigende und dennoch lebensnahe Persönlichkeiten trifft man auf dem Weg durch die 270 Minuten dieses erneut von Björn Carlström geschriebenen Thrillers.

Jäger – Tödliche Gier Quelle: Edel

One Cut of the Dead. „Ich will sehen, dass du richtig Angst hast“, schreit der Regisseur des Zombiefilms seine Darstellerin an. Aber wie soll sie das, der Schauspielkollege, der ihr Angst einjagen soll, ist lediglich ein wenig bläulich eingefärbt, weit weg von den schreckerregenden Kreaturen, wie sie seit „The Walking Dead“ Standard im Horrorsubgenre Zombiefilm wurden. Überhaupt ist das ganze Team am Rand des Nervenzusammenbruchs, ein verunsicherter Haufen, bereit zur Flucht vor dem cholerischen Spielleiter.

Die dann nicht mehr möglich ist, weil die „perfekte Horrorfilmlocation“ natürlich tatsächlich verflucht ist und echte Untote um das Gebäude herumstolpern – nicht allzu clever, ja sogar tollpatschig aber penetrant und unter Umständen unglaublich schnell. Während das Team angstschlotternd streikt, wechselt der begeisterte Regisseur vom Spielfilm- in den Dokumodus und filmt die Dezimierung von Stab und Cast.

Wie aus einem wildwitzigen No-Budget-Zombiestreifen ein enthusiastischer Film über die Lust am Filmemachen und die Kunst zu improvisieren wird, wie dazu die Liveevent-Kultur unserer Tage auf die Schippe genommen wird, ist höchst vergnüglich anzuschauen. Richtig Angst hat man als Publikum nie, aber der japanische Film „One Cut of The Dead“ von Shin’ichiro Ueda hat das Zeug zum Kultfilm.

One Cut of the Dead Quelle: Koch Films

Stockholm Requiem. Die Stockholmer Polizei residiert in einem aus üppiger Flora und Komfortmöbeln zusammenkomponierten Wohlfühlbüro, das seinesgleichen sucht. Die Polizisten darin sind aber trauriger Standard: Machos, die ihre Alphatier-Zirkusnummern aufführen müssen, um den Betakollegen, vor allem aber der neuen Kollegin Fredrika Bergman zu zeigen, wo der Hammer hängt und wie er geschwungen wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass Bergman von ihrer Vorgesetzten als den Kollegen haushoch an Kompetenz überlegen eingeführt wird. So werden sofort Killerinstinkte ausgelöst, kommen Besserwissereien und Bevormundung vernünftigen Ermittlungen in die Quere.

Die fahrige Bergman, durch einen Unfall gezeichnet, reizt die Hardboiled-Kollegen Alex und Peder mit ihren leise vorgetragenen Einlassungen, die natürlich am Ende viel nutzbringender sind als deren bräsiges Gemackere. Ein Genie im dunklen Trenchcoat, die den langen Weg zur Anerkennung nehmen muss. Liv Mjönes spielt eine weitere in der Serie skandinavischer Kommissarinnen mit Kanten. Man steht schnell auf ihrer Seite wie man zuvor auch sofort auf der ihrer Kolleginnen Lund und Noren stand.

Die fünf 90-Minutenkrimis sind den großen Handlungsbögen der Serien „Das Verbrechen“ und „Die Brücke“ allerdings unterlegen. Fälle wie die eines Kinderschänders („Aschenputtel“) erscheinen nichtsdestoweniger heftig, dennoch wahrhaftig – vor allem wenn man sie gegen exaltierten Krimikram wie die Neuverfilmung des Päderastenthrillers „M –Eine Stadt sucht einen Mörder hält.

Stockholm Requiem Quelle: Edel

Drachenzähmen leicht gemacht 3 – Die geheime Welt. Die Liebe ist in der Wikingerwelt keine richtige Himmelsmacht. Jedenfalls wollen Astrid und Hicks von Olafs Vorschlag, zu heiraten und eine modernere Generation Nordmenschen zu begründen, zumindest offiziell nichts wissen. Die Drachen sind dafür schon eher zu haben, jedenfalls verknallt sich der schwarze Riesen-Flugsalamander Ohnezahn sofort in ein scheues, misstrauisches Tagschattenmädchen. Das indes von skrupellosen Drachenjägern als Lockvogel ausgelegt wurde.

Während Held Hicks sein Dorf Berk samt der Drachen ins Heimatland der Letzteren am Ende der Welt verbringen möchte („Berk ist da, wohin wir gehen“), wird er von Grimmel verfolgt, einem grausamen Krieger, der in der Jagd kein notwendiges Übel sondern reines Vergnügen sieht. Nicht nur die Flucht vor den menschlichen Unzulänglichkeiten in ein Utopia, in dem alles von neuem und besser gemacht werden kann, steht im Mittelpunkt von „Drachenzähmen 3“.

Es geht auch darum, was wahre Freundschaft in aller Konsequenz bedeutet und dass es in ihr nur Freiheit und keine Abhängigkeiten geben kann. Mit furioser „Kamera“ in erstklassiger Tricktechnik realisiert, ist dieser (Liebes-)Film Höhepunkt und Abschluss einer Trilogie, die zu den Meisterwerken des Animationsfilms zählt. Die Wikinger von Universal spielen in der Pixar-Klasse.

Drachenzähmen leicht gemacht 3 – Die geheime Welt Quelle: Universal

Von Matthias Halbig