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Kultur Das Erbe der Mönche
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18:24 17.09.2012
Von Simon Benne
Kloster Loccum bei Hannover.
Kloster Loccum bei Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Im Mittelalter zog es die Zisterzienser hinaus in die Wildnis. Dort, fernab vom Leben der Städte, schufen sie blühende Kulturlandschaften. Ganz unberührt war die Gegend um die „Luccaburg“ zwar schon anno 1163 nicht mehr, als zwölf Zisterzienser aus dem thüringischen Volkenroda sich anschickten, dort das Kloster Loccum aufzubauen, und heute liegt der Ort nur eine knappe Autostunde von Hannover entfernt. Dennoch treten ihre protestantischen Erben jetzt in gewisser Weise in die Fußstapfen der Mönche: Zum 850-jährigen Bestehen der grandiosen Klosteranlage, in der seit mehr als drei Jahrhunderten evangelische Pastoren ausgebildet werden, haben sie ein ambitioniertes Kulturprogramm auf die Beine gestellt.

Vom 21. März 2013 an wird es in Loccum neben vielen Klosterführungen, einem Mittelaltermarkt, einem Pilgerfest und einem internationalen Jugendcamp auch mehr als 100 Konzerte und Lesungen geben. Der Etat des hochkarätigen Kulturprogramms - insgesamt 500000 Euro - wird zu zwei Dritteln von der Stiftung Niedersachsen, der VGH-Stiftung sowie der Walter-und-Charlotte-Hamel-Stiftung aufgebracht. Insgesamt sollen binnen sieben Monaten 150000 Besucher nach Loccum kommen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck hat sich angesagt.

Das gut evangelische Festivalmotto „Wort halten“ bezieht sich, wie Abt Horst Hirschler bei der Präsentation des Programms gleich mal klarmachte, auf das biblische Wort, das im Anfang war und Fleisch geworden ist. Gleichwohl dürften alle Künstler das Motto auf andere Weise mit Leben füllen. Das Lesungsprogramm, zusammengestellt vom langjährigen NDR-Kulturmann Hanjo Kesting, kann mit einer Riege von Stars aufwarten: Für den 6. April hat sich Literaturnobelpreisträger Günter Grass angekündigt - der 84-Jährige habe „unter Vorbehalt der Tagesform“ zugesagt, wie Kesting sagt. Außerdem sind Sibylle Lewitscharoff (4. Mai) und Raoul Schrott (3. August) in Loccum zu Gast. In der Veranstaltungsreihe „Kirche trifft Literatur“ werden Theologen wie Präses Nikolaus Schneider, Landesbischof Ralf Meister oder Margot Käßmann ihre literarischen Lieblingstexte von Schauspielern vortragen lassen und dann kommentieren. Literarisch-musikalische Abende widmen sich Themen wie den historischen Loccumer Hexenprozessen oder Schriftstellern wie Theodor Fontane, Wilhelm Busch oder Erich Kästner.

In einem lutherischen Kloster wird das Wort schnell zu Kirchenmusik, und natürlich darf dann der „fünfte Evangelist“ Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Der Knabenchor Hannover interpretiert am 29. März dessen - eigentlich verschollene - Markus-Passion in einer rekonstruierten Fassung. Auch die Hannover Harmonists und das Collegium Vocale, der Hamburger Bachchor und der Mädchenchor Hannover sind mit Bach-Werken in Loccum zu Gast. Als Organisator des exquisiten Musikprogramms hat Hans Bäßler international renommierte Organisten für eine Orgelreihe engagiert - zum Auftakt spielt am 24. März Jürgen Essel. Außerdem treten die A-cappella-Truppe Maybebop (10. Mai) und Kabarettist Lars Reichow (5. Juli) im Kloster auf. Am 24. Mai wird Bernd Rufs Kindermusical „Das Geheimnis von Loccum“ uraufgeführt, und Mousse T. präsentiert am 28. Juni beim „Funky Kloster Open Air“ im Priorsgarten das Konzert „Keep one’s word“. Für Besucher aus der Landeshauptstadt haben Region Hannover und Landkreis Nienburg sich einen besonderen Service einfallen lassen: Die Busfahrpläne werden auf die Veranstaltungen abgestimmt.

Mehr Infos und Karten gibt es im Internet unter www.Klosterloccum2013.de.

17.09.2012
Rainer Wagner 17.09.2012