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Kultur Cartoonist Peter Neugebauer zieht Zeichnungen zurück
Nachrichten Kultur Cartoonist Peter Neugebauer zieht Zeichnungen zurück
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21:36 18.10.2011
Von Simon Benne
Streit im Wilhelm-Busch-Museum: Cartoonist Peter Neugebauer zieht seine Zeichnungen zurück. Quelle: Peter Neugebauer
Hannover

Wie weit reicht die Verfügungsgewalt eines Künstlers über sein Werk? Wie weit muss die eines Kurators über seine Ausstellung gehen? Und auf welche Zugeständnisse muss sich ein Museum einlassen, wenn es eine bedeutende Schenkung bekommen möchte? Es sind sehr grundsätzliche Fragen, mit denen sich das „Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst“ derzeit herumschlagen muss. Denn der Hamburger Karikaturist Peter Neugebauer hat im Streit mit dem Museum seine fest für Dezember geplante Ausstellung abgesagt. Außerdem hat der 82-Jährige die Schenkung seiner Werke an das Museum zurückgezogen. Die rund 1000 Blätter, die bereits nach Hannover geschafft wurden (Transportversicherung: etwa eine Million Euro), werden nun nach Hamburg zurückgeschickt.

Neugebauer wurde vor allem durch die Krimiserie „Zeus Weinstein“ bekannt, die von 1959 bis 1987 im „stern“ erschien. Außerdem zeichnete er für „Zeit“, „Welt“ und „Süddeutsche Zeitung“ über Jahrzehnte hinweg Karikaturen und Cartoons. „Wilhelm Busch ist das Idol seiner Kindheit, und außerdem wollten wir die Sammlung nicht stückweise verkaufen“, sagt Neugebauers Lebensgefährtin Marion Wedekind, die sich um das Werk des Zeichners kümmert. „Da bot es sich an, alles an das Busch-Museum zu geben.“

In Vorgesprächen habe das Museum in Aussicht gestellt, dass Neugebauer im Gegenzug selbst Einfluss auf die Gestaltung der Ausstellung sowie auf den Katalog nehmen könnte. „Das ist kein unbilliger Wunsch, wenn jemand sein Lebenswerk aus der Hand gibt – und es war die Vorbedingung für die Schenkung“, sagt Wedekind. „Doch dann kam ein knallharter Vertragsentwurf bei uns an, nach dem das Museum ein alleiniges Entscheidungsrecht haben sollte“, sagt sie. Der Zeichner weigerte sich zu unterzeichnen.

Ihm schwebte offenbar eine Art Werkschau zu den Stationen seines Lebens vor. Unter anderem wollte er auch eine Papierfigur ausstellen, die sein Freund Loriot für ihn gestaltet hatte. Mit ihm hatte er sich in seinen Anfangsjahren ein Atelier geteilt, und Loriot rühmte ihn als „einen unserer besten Zeichner“. Doch Kuratorin Gisela Vetter-Liebenow, die 2012 Direktorin des Busch-Museums werden soll, habe ausgerechnet einige sehr bekannte Cartoons nicht in der Ausstellung haben wollen, klagt Wedekind: „Am Ende gab es ein Hin und Her um jedes einzelne Blatt.“

In dem Zwist steht gewissermaßen die Freiheit der Kunst gegen die Freiheit der Kunst – denn auch das Museum pocht auf die Autonomie der Kreativität: „Wir können die Verantwortung für eine Ausstellung nicht aus der Hand geben“, sagt Vetter-Liebenow: „Wir sind schließlich keine Galerie, die man mieten kann.“ Jeder Kurator gehe mit anderen Fragestellungen an das Werk eines Künstlers heran: „Sonst könnte man ja auch nur eine einzige ­Raffael-Ausstellung machen, der dann nie wieder eine zweite folgen könnte“, sagt die Kuratorin.

Im April, als das Verhältnis noch ungetrübt war, hatte Neugebauer die Bilder nach Hannover geschickt. Mit großem Einsatz hat das Museumsteam die 1000 Zeichnungen seither gesichtet, fotografiert und eine Auswahl für die Ausstellung getroffen. „Wir haben immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert“, beteuert Vetter-Liebenow. Sie bestreitet, dass Neugebauer seine Bedingungen von Anfang an klar formuliert habe: „Sonst hätten wir uns gar nicht darauf eingelassen. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen, und wir verbiegen uns nicht, um eine Schenkung zu bekommen.“

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie Künstler und Kuratorin, ausgehend von grundverschiedenen Vorstellungen, immer wieder an­einander vorbeigeredet haben; wie sie Konfliktpunkte ausblendeten und sich sagten, dass am Ende schon alles irgendwie so laufen würde wie gewünscht – bis alles unwiderruflich falsch gelaufen war.

Inzwischen ist das Tischtuch zwischen ihnen zerschnitten: „Ich bin kein starrsinniger Künstler, der jetzt die beleidigte Leberwurst spielt“, sagt Peter Neugebauer. „Ich habe so etwas in dieser Form noch nicht erlebt“, sagt Vetter-Liebenow. „Wenn das Museum mit lebenden Künstlern nicht umgehen kann, muss es sich ­allein auf tote einstellen“, sagt Neugebauers Lebensgefährtin. „Als der Zeichner Ronald Searle uns seine Werke anvertraute, gab es keine Probleme – und die Übergabe war an keine Bedingungen geknüpft“, sagt Vetter-Liebenow.

Im Dezember will das Museum nun allein Arbeiten des Illustrators Nikolaus Heidelbach zeigen, die sonst in einer Doppelschau mit Neugebauers Werken zu sehen gewesen wären. „Wir packen Neugebauers Bilder jetzt zusammen und schicken sie zurück“, sagt die Kuratorin. Was in Hamburg aus den Zeichnungen werden soll, ist unklar: „Gute Frage“, sagt Wedekind. „Wir wissen noch nicht, wer das Geschenk haben will.“

Die Abenteuer von „Tim und Struppi“ sind den Starregisseuren Steven Spielberg (64) und Peter Jackson (49) ans Herz gewachsen. „Es wird mit Sicherheit weitere „Tim und Struppi“-Abenteuer geben“, sagte Spielberg in Hamburg erscheinenden Zeitschrift „Cinema“. Jackson ergänzte: „In diesem Projekt steckt unser beider Herzblut. Wir haben es drei Jahre lang gemeinsam vorbereitet, und so schnell geben wir es nicht aus den Händen.“

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