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Kultur Captain Marvel – Und Marvel sagt endlich: „Me Too!“
Nachrichten Kultur Captain Marvel – Und Marvel sagt endlich: „Me Too!“
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11:24 06.03.2019
Sie trägt den Namen des Comic-Hauses: Captain Marvel (Brie Larson) kommt von einem anderen Planeten. Quelle: Foto: Marvel/Disney
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Hannover

Auf dem Gebiet heroischer Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau hinkte man im sogenannten „Marvel Cinematic Universe“ deutlich hinterher. Vor zwei Jahren kam dann mit „Wonder Woman“ der Konkurrent „DC“ dem Marktführer zuvor und bewies mit einem Einspiel von weltweit 821 Millionen Dollar eindrücklich, dass man im Segment der Comic-Verfilmungen auch mit einer weiblichen Zentralheldin an den Kinokassen reüssieren kann.

Der Film erzählt einen quälerischen Selbstfindungsprozess

Spät, fast schon zu spät sagt nun auch „Marvel“ endlich „me too“ und präsentiert mit „Captain Marvel“ eine neue Superheldin, die sogar den Firmennamen tragen darf. Aber bevor die Heroine das Ruder im kriselnden Avengers-Team übernimmt, muss sie sich zunächst in diesem Prequel durch eine Selbstfindungsprozess quälen.

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Der Film beginnt in einer fernen Galaxie auf dem Planeten Hala, wo die angehende Heldin zur Kriegerin ausgebildet wird. Aus ihren Händen schießt ein kraftvoller Laserstrahl, mit dem sie ihre Gegner zehn Meter durch den Raum schleudern kann. „Es gibt nichts Gefährlicheres für einen Krieger als Gefühle“ sagt ihr Mentor Yon-Rogg (Jude Law). Wie vielen Frauen wird auch ihr die eigene Emotionalität zum Vorwurf gemacht, die einem Aufstieg in der Führungshierarchie im Wege steht.

Damit hat der Film auch gleich seine Aufgabenstellung formuliert, denn gerade durch die Wertschätzung der eigenen Gefühle lernt Vers (Brie Larson) ihre Kräfte zu potenzieren. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg, denn Vers leidet an einer starken Amnesie. Erst als sie nach einem Kampfgemetzel auf den Planeten Erde, katapultiert wird, erkennt sie die Bilder aus ihren Alpträumen wieder. Durch die Decke einer Videothek im Los Angeles der 90er-Jahre landet die Heldin und schießt erst einmal eine Schwarzenegger-Pappfigur nieder.

Nach chaotischem Auftakt kommt der emotionale Kern viel zu spät

In Begleitung des SHIELD-Agenten Fury (digital verjüngt: Samuel L. Jackson) muss sie sich nicht nur diverser außerirdischer Verfolger erwehren, sondern auch die eigene Vergangenheit als Airforce-Pilotin in einem geheimen Militärprojekt erforschen. Zwischen halsbrecherischer Action und Selbstbesinnung hängen Anna Boden und Ryan Fleck ihren „Captain Marvel“ auf und können auf keiner der beiden Ebenen wirklich überzeugen. Das Retro-Setting der 90er macht zwar den Weg frei für ein paar nostalgische Witzchen, gibt aber als cinegene Kulisse genauso wenig her wie die allzu routinierten Kampfsequenzen.

Nach einer chaotischen Exposition dringt der Film viel zu spät zum emotionalen Kern der Geschichte vor, der hier nicht in einer romantischen Verwicklung, sondern in der engen Freundschaft der Heldin zu ihrer früheren Co-Pilotin liegt.

Nach den Mühen kathartischer Erinnerungsarbeit gelingt es Vers schließlich die eigenen Superkräfte zu bündeln und als flammende Lichtgestalt in den Himmel zu schießen. „Ich muss dir nichts mehr beweisen“ sagt sie zu ihrem früheren Mentor und schleudert ihn per Laserstrahl lässig durch die Landschaft.

Captain Marvel: kein Vergleich zu DCs „Wonder Woman“

Das ist nicht nur eine griffige Frauenpower-Geste, sondern auch das Selbstbekenntnis eines Films, der sich nicht mit anderen messen lassen will. Aber natürlich liegt der Vergleich mit „Wonder Woman“ auf der Hand, mit dem dieses äußerst halbherzige feministische Pilotprojekt aus dem Hause „Marvel“ längst nicht mithalten kann.

Von Martin Schwickert