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Kultur Berlins Gedächtniskirche wird 50
Nachrichten Kultur Berlins Gedächtniskirche wird 50
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13:21 17.12.2011
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Kurfürstendamm in Berlin im Jahr 1960 (l.), im August 2008 (oben) und im März 2011 (unten). Am Sonnabend feiert der Neuebau des evangelischen Gotteshauses neben dem "Hohlen Zahn" seinen 50. Geburtstag. Der historische Kirchturm ist derzeit eingerüstet und wird zur Zeit für 4,2 Millionen Euro saniert.
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Kurfürstendamm in Berlin im Jahr 1960 (l.), im August 2008 (oben) und im März 2011 (unten). Am Sonnabend feiert der Neuebau des evangelischen Gotteshauses neben dem "Hohlen Zahn" seinen 50. Geburtstag. Der historische Kirchturm ist derzeit eingerüstet und wird zur Zeit für 4,2 Millionen Euro saniert. Quelle: dpa
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Berlin

Als Anti-Kriegsdenkmal wurde sie eingeweiht, heute ist sie ein Ort der Ruhe mitten in Berlins geschäftigster Einkaufsgegend: Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, „der Hohle Zahn“, wie sie Einheimische nennen, mahnt seit 50 Jahren zur Einkehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Wahrzeichen West-Berlins. Die Ruine und der Neubau in der Nähe des Kurfürstendamms, nur einige Schritte entfernt vom KaDeWe, locken heute jedes Jahr etwa eine Million Menschen, viele von ihnen mit Einkaufstaschen. „Die meisten sitzen dann einige Minuten still da“, berichtet Pfarrer Martin Germer.

Zum runden Geburtstag an diesem Samstag (17. Dezember) bleibt  das evangelische Gotteshaus von Gerüsten umhüllt. Der Turm sieht zur Zeit aus wie ein Bürohaus der 70er Jahre. Die am dritten Advent 1961 eingeweihte Gedächtniskirche ist in die Jahre gekommen. Wind, Regen, Schnee und Abgase haben der Oberfläche zugesetzt.

Der Beton ist verwittert, an den Fenstern dringt Feuchtigkeit hinein und das Licht kommt nur mühsam durch das blaue Glas. Vor allem die Korrosionsschäden im Stahlbeton bereiten den Kirchenleuten Sorgen. Anfang Januar sollen die Arbeiten am wilhelminischen Turm im neoromanischen Stil beginnen. In einem ersten Schritt soll später die marode Plattform des modernen Baus des Architekten Egon Eiermann saniert werden, auf der das Ensemble steht. Dafür sucht die Kirche aber noch eine Finanzierung.

Dabei war der Erhalt der Turmruine zunächst nicht geplant. Im November 1943 war bei einem Luftangriff das Kirchengebäude in Flammen aufgegangen, der Dachstuhl stürzte ein, Teile des Hauptturms brachen in sich zusammen. Nach dem Krieg stand der Turm lange wie ein Solitär in der Berliner Trümmerlandschaft. Als man 1956 den vom Einsturz bedrohten Kirchenchor abreißen wollte, regte sich Widerstand. Manche sahen Parallelen zur Sprengung des Hohenzollern-Schlosses in Ost-Berlin.

Der 68 Meter hohe Turm-Stumpf blieb stehen - gegen den Widerstand der Berliner Verwaltung, die das gesamte Areal für den Autoverkehr platt machen wollte. Statt der Kirche schlug die Baubehörde als Kompromiss einen Springbrunnen vor.

Doch die Kirchengemeinde ließ nicht locker. Nach einem Wettbewerb beauftragte sie den Architekten Egon Eiermann (1904-1970) mit dem Bau - der Entwurf löste einen Sturm der Entrüstung aus. Die Fachwelt aber jubelte. Eiermann hatte vier zusätzliche Baukörper entworfen: Den achteckigen Kirchenbau, einen neuen Turm, eine Kapelle sowie das Foyer. Er gruppierte sie rund um die Turmruine. Es sei die vielleicht „großartigste Plastik der Welt“, freute sich der amerikanische Bildhauer Alexander Calder.

Das Ensemble wurde Wahrzeichen des westlichen Berliner Stadtzentrums und ein Vorzeigebau der Nachkriegsmoderne. Bis zum Mauerfall war die Kirche auch so etwas wie ein Treffpunkt der westlichen Stadtprominenz. Hier gab es die Trauerfeiern etwa für Günter Pfitzmann, Klausjürgen Wussow, Horst Buchholz oder Hildegard Knef.

“Ästhetisch genial“ nennt heute Pfarrer Germer das Kirchenensemble, in dem die Büros der Gemeinde allerdings keinen Platz haben. Und auch Eiermann freute sich bei der Einweihung vor einem halben Jahrhundert. „Meine neue Kirche könnte in jeder Stadt stehen, aber mit der Turmruine verbunden ist sie ein einmaliges, nur in Berlin mögliches Bauwerk.“  

dpa

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