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Kultur Berlinische Galerie zeigt Retrospektive von Klaus Staeck
Nachrichten Kultur Berlinische Galerie zeigt Retrospektive von Klaus Staeck
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16:36 28.05.2009
Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie wird am Freitag eröffnet.
Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie wird am Freitag eröffnet. Quelle: Dennis Gundlach/ddp
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Diese versammelt bekannte Plakate des Präsidenten der Akademie der Künste mit Schlagzeilen wie „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“, „German Bankers Club - Wir machen mit Ihrem Geld, was wir wollen“ und „Ein Volk, das solche Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Rennfahrer hat, kann auf seine Uniwersitäten ruhig verzichten“. Zudem sind rund 90 Fotografien des 71-Jährigen zu sehen, die subtiler, aber ebenso demaskierend wie die Plakate sind.

Der Direktor der Berlinischen Galerie und Kurator der Ausstellung, Jörn Merkert, sagte am Donnerstag, Staecks künstlerisches Werk sei in der Hauptstadt bisher nur selten und in kleinen Projekten gezeigt worden. Dies sei „ein Defizit für den Berliner Bildungshorizont“.

Staecks Plakate sorgten oft für Empörung. Politische Satire habe „mächtige Gegner“, sagte das SPD-Mitglied, das häufig die Union aufs Korn nahm. Er habe 41 juristische Auseinandersetzungen geführt, aber alle gewonnen. Seine Bekanntheit verdanke er seiner „absoluten Zähigkeit“. Während andere die Seiten wechselten, sei er immer „unbeirrbar“ gewesen: „Ich war nie zeitgeistkompatibel.“ Der Jurist und Verleger betonte, er habe immer auch einen anderen Beruf gehabt, um finanziell unabhängig zu sein. „Das ist die Grundvoraussetzung für das, was man da macht.“

Staeck zufolge ist das Plakat kein altmodisches und überholtes Medium. „Je elektronischer und je schneller es wird, desto eher gibt es das Bedürfnis nach dem starren Bild, das man auch mal anschauen kann.“ Er wisse, dass er „sehr vielen Leuten auf die Nerven“ gehe: „Aber die Probleme, die ich in den Plakaten beschreibe, sind nicht nur meine eigenen.“ Er werde „immer zorniger und ungeduldiger“, was auch mit seinem Alter zu tun habe. Er beobachte jedoch, dass Deutschland leider immer mehr zu einer „Zuschauerdemokratie“ geworden sei.

Staeck, der 1956 aus der DDR flüchtete und nach Heidelberg umsiedelte, gilt sowohl als Akademie-Präsident als auch als Künstler als Kämpfer für das Konzept des öffentlichen Raumes. Entsprechend werden seine Arbeiten auch nicht nur in der Berlinischen Galerie, sondern an sechs weiteren und zum Teil ungewöhnlichen Orten gezeigt - darunter die Stiftung Deutsche Klassenlotterie und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Mit Blick auf nachrückende junge Satirekünstler sagte der jüngst im Amt bestätigte Präsident der Akademie der Künste, diese gebe es zwar. Sie hätten es jedoch heute schwerer als er damals, denn sie würden kaum irgendwo gezeigt - unter anderem, weil es „zu viele Abhängigkeiten der Institutionen“ gebe.

„Klaus Staeck: Schöne Aussichten“ ist bis 31. August zu sehen. Parallel dazu läuft die Ausstellung „John Heartfield: Zeitausschnitte“, in der 80 Fotomontagen des deutschen Künstlers gezeigt werden, der eigentlich Helmut Herzfeld (1891-1968) hieß. Auch Heartfield, der in der Berliner Dada-Bewegung wurzelte, attackierte mit Karikaturen und Satire die Verhältnisse in Deutschland. Staeck sagte, er sei zwar kein Schüler Heartfields, stehe aber in dessen Tradition. Die Berlinische Galerie hat nach eigenen Angaben die weltweit größte Sammlung zum politisierten Berliner Dadaismus der 1920er Jahre.

ddp

28.05.2009
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Johanna Di Blasi 27.05.2009