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Kultur Bauchredner Sascha Grammel mit neuem Programm im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Bauchredner Sascha Grammel mit neuem Programm im Theater am Aegi
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11:11 19.03.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Am Freitagabend tritt Grammel noch einmal im Theater am Aegi auf.
Am Freitagabend tritt Grammel noch einmal im Theater am Aegi auf. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Das Raumschiff trägt einen wundervollen Namen. „Unzerstörbar Zwei“ - da muss man erstmal drauf kommen. Und der Außerirdische heißt „Herr Schröder“. Er hat vier Arme, und an seinem Körper klebt eine Art Walnuss mit Augen. Das ist Ursula, und sie kann sprechen. Immer, wenn Ursula den Mund öffnet, schießt der Kopf von Herrn Schröder in die Höhe, und ein merkwürdiges Geräusch, eine Mischung aus Juchzen und Stöhnen, ist zu hören. Es sei ein unterdrücktes Niesen, sagt der Außerirdische. Er muss oft das Niesen unterdrücken.

Das Publikum im Theater am Aegi aber lässt alles raus. Die Leute juchzen, grölen und sind ganz aus dem Häuschen angesichts der schönen Albernheiten in „Keine Anhung“, der neuen Show von Sascha Grammel. Am Ende gibt es viel Jubel und begeisterten Applaus im Stehen. Grammel bedankt sich sichtlich gerührt und erzählt nochmal, wie und wo in Hannover seine Karriere begann: zuerst in Desimos Lindener Spezial Club und dann beim Kleinen Fest im Großen Garten.

Seine neue Show ist ganz großes Kino. Das Problem eines Bauchredners, dass alles, was auf der Bühne geschieht, in der Regel nur innerhalb der Reichweite seiner Arme geschehen kann, löst Grammel auf seine Weise. Er präsentiert eine große Showbühne wie aus dem Märchenbuch. Seine Spielfiguren wohnen in vier kleinen Häuschen, deren äußere Gestaltung schon viel vom Charakter der Figuren preisgibt: Die romantisch veranlagte Schildkröte lebt hinter roten Fenster in Herzform, der freche Vogel in einer Messiewohnung, der Wissenschaflter mit dem Hamburgerkopf in einer Burgerburg mit Technikgimmicks.

Grammels Puppen sind ganz eigene und sehr eigenwillige Charakterwesen, und er überlässt ihnen meist die Bühne. Er selbst bleibt immer gleich und immer gleich zurückhaltend, seine Figuren bestimmen die Show. Und die ist bunt und laut und groß und technisch erstaunlich ausgefeilt.

Bei all der technischen Präzision freut man sich über Unvollkommenheiten. Insofern war es ganz schön, dass der Bauchredner am ersten der beiden Abende im Aegi ziemlich verschnupft und nicht so gut bei Stimme war. Das sorgte dafür, dass der technische Ablauf nicht allzu perfekt war. Perfektion ist für einen Bauchredner zwar wichtig, zuviel davon kann aber auch viel zerstören.

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