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Kultur Axel Milbergs Roman: Neues aus Düsternbrook
Nachrichten Kultur Axel Milbergs Roman: Neues aus Düsternbrook
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13:01 03.05.2019
Ist unter die Romanautoren gegangen: „Tatort“-Kommissar Axel Milberg. Quelle: Foto: imago images / APress
Hannover

Dunkelheit steckt in dem Namen, Düsternbrook. Ein düsterer Bruchwald stand Pate für den Namen dieses Kieler Stadtteils. Doch für den Schauspieler Axel Milberg hat dieses Wort nichts Unheimliches, Waldfinsteres, für ihn klingt es nach Kindheit, Geborgenheit und heiler Welt. Jedenfalls sagt er das so: „Düsternbrook war ein Idyll und ist es zum Teil heute noch.“

Düsternbrook, so heißt der Kieler Stadtteil in dem Axel Milberg die ersten 20 Jahre seines Lebens verbracht hat. Und so heißt der erste Roman des „Tatort“-Kommissars, der am Donnerstag erschienen ist. Die Hauptperson des 280-Seiten-Buches: Axel Milberg. Und doch hat der Schauspieler keine Autobiografie geschrieben, darauf legt er Wert. „Es ist ein Roman“, sagt er.

Schon wieder ein romanschreibender Schauspieler?, möchte man fragen. Christian Berkel hat seine Familiengeschichte aufgeschrieben, Joachim Meyerhoff begeistert Leser, Hörer und Theatergänger mit seinen Romanen über sein Leben. Hollywoodstar Tom Hanks hat im vergangenen Jahr Erzählungen über sehr skurrile Typen veröffentlicht. Doch warum auch nicht? Schauspiel und Schreiben leben beide vom Wort. Ausdrucksstark können Schriftsteller wie auch Schauspieler sein. Und sollten es auch.

Was stammt wirklich aus Axel Milbergs Leben?

Doch wenn Prominente wie Axel Milberg einen Roman über ihre Kindheit und Jugend schreiben, ist klar, dass viele hoffen, einen Blick auf das Leben eines werdenden Stars werfen zu können. Doch Milberg hat dafür wenig übrig. Im Gespräch, in dem er mit seiner ruhigen, nachdenklichen, sinnierenden Art über seinen Erstling redet, ist zu merken, dass er einen Abgleich zwischen dem Axel im Buch und dem Axel in der Realität ablehnt. „Ich finde es total uninteressant, jetzt quasi mit einem Metalldetektor über das Buch zu gehen und zu fragen: Ist das wahr und aus Axel Milbergs Leben, oder ist das nur ausgedacht?“

Man muss aber kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass genau das jetzt geschehen wird. Milberg ahnt es wohl auch. Er sagt, er habe das alles mit seinem Lektor diskutiert, wollte den Namen seiner Hauptfigur ändern, wollte nicht in der Ich-, sondern in der Er-Perspektive schreiben. Doch vergebens. „Mein erfahrener Lektor war der Meinung, man wird sowieso davon überzeugt sein, dass die Geschichten überwiegend aus meinem Leben stammen.“

Ein Junge voller Fantasie

Aber was sind das nun für Geschichten, die das langjährige Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, der Fernsehstar und Kinoschauspieler („Nach Fünf im Urlaub“, „Hannah Arendt“, „Jahrestage“ und die Neuverfilmung von „Es geschah am helllichten Tag“) erzählt? Das Buch beginnt mit einer kleinen Szene, die zeigt, dass der heutige Charakterdarsteller schon früh ein Kind voller Fantasie war. Er dreht an einem dieser alten Radios, auf denen Orte wie Hilversum, Berlin-Ost, Monte Carlo und Beromünster zu lesen sind, und dreht sich zur Musik. Doch das Radio ist gar nicht an. Nur er hört die Musik, die Nachbarskinder, die bei Milbergs zu Hause zu Besuch sind, schauen irritiert auf den zur Stille tanzenden Jungen. Immerhin: „Meine Schwester Manuela wollte mir helfen und täuschte vor, sie höre Musik und taumelte und hüpfte ungelenk mit, war aber überhaupt nicht im Rhythmus. Also überhaupt nicht“, heißt es am Ende des ersten Kapitels.

Axel Milberg: „Düsternbrook“. Piper. 288 Seiten, 22 Euro. Quelle: Piper

Kapitel für Kapitel führt Milberg seine Leser in sein kleines Universum ein: die Mutter, die in Rio geboren wurde und entschieden hat, ihre Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken. Die aber auch leicht die Nerven verliert und ihren anderen Sohn Hans schon mal an den Haaren reißt und „schrill schreiend sein Gesicht tief in den Spinat“ drückt. Der Vater, der in seiner Borgward Isabella an den Strand fährt, wenn er denn mal zu Hause und nicht als Anwalt im Dienste des Rechts unterwegs ist. Milberg beschreibt, wie in Kieler Straßenbahnen die Werbung seines Vaters hing: „Kannst du deine Frau nicht leiden, geh zu Milberg, lass dich scheiden.“ Doch das zum Beispiel gehört ins Reich der Fiktionen, denn aufgrund des damaligen Werbeverbots für Anwälte kann der Vater eine solche Reklame gar nicht in den Trams platziert haben. Lustig ist es trotzdem. Der Leser geht teils mit dem realen, teil mit dem fiktiven Axel (wo genau die Grenze verläuft, weiß nur der Autor) auf die Jagd, zur Schule, zum Cowboy-und-Indianer-Spiel, oder holt mit ihm Geschirr aus dem „Barockzimmer“ des Hauses, in dem sich Silbertabletts, Tischdecken, Kerzen und Vasen hinter zwei wuchtigen Eichentüren stapeln.

Axel Milberg arbeitet schon an einem neuen Buch

In den 50 Kapiteln des Romans erzählt Milberg kleine Geschichten, die lose durch dünne Fäden zusammengehalten werden. Der Roman erinnert eher an eine immer weiter beschriebene Rolle, auf der immer noch eine Geschichte, noch eine Anekdote hinzugefügt wird, als an einen durchkomponierten, fein verwobenen Text. Doch das verringert das Lesevergnügen nicht im Geringsten. Das liegt auch daran, dass Milberg seinen Lesern Einblicke in die Kieler Villenviertelwelt ermöglicht, in der Männer mit Namen wie Tessen von Gerlach und Fritz Reventlow sowie der Herzog von Mecklenburg gemeinsam mit dem Vater auf die Jagd gehen. Inmitten dieser Welt steht Axel als ein Heranwachsender, der die heile Welt genießt und sich gleichzeitig fragt, wann er aus dieser ganzen Langeweile ausbrechen kann. Wobei ein wenig Langeweile ja auch kreativ machen kann: „Bei mir war es so, dass diese begrenzte Welt meine Fantasie anregte und ich genauer hinschaute“, sagt Milberg im Gespräch. „Wenn du behütet aufwächst, fragst du dich, wovor du eigentlich behütet werden sollst. Und denkst dir dann das andere dazu.“

Doch ein bisschen finster wird es dann doch in Düsternbrook. Immer wieder durchschneiden den Roman Beschreibungen eines unheimlichen Mannes, der es auf kleine Kinder abgesehen hat. Mitschnacker nannte man diese Leute früher im hohen Norden. „Es erschien mir wichtig, diesem Idyll, das natürlich wie jedes andere Idyll brüchig ist, dramaturgisch etwas Düsteres entgegenzustellen“, sagt Milberg.

Das Buch endet – so viel darf man verraten, ohne zu spoilern – mit den Worten „Ende und Anfang“. Ein Lebensabschnitt, die ersten rund 20 Jahre, sind vorbei. Es beginnt nun die Welt des professionellen Schauspiels für Milberg. Ein neuer Anfang. Aber „Ende und Anfang“ klingt auch nach einer möglichen Fortsetzung. „Es wird ein weiteres Buch geben, das steht fest“, sagt Milberg. „Inwieweit es eine Fortsetzung dieser Geschichte ist, werde ich in den kommenden Monaten entscheiden.“ Ob Fortschreibung oder etwas ganz Anderes, nach der Lektüre von Axel Milbergs Erstling lässt sich sagen: Ein zweites Buch von ihm wäre nicht die düsterste Aussicht.

Von Kristian Teetz/RND

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