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Kultur Für immer süße 17
Nachrichten Kultur Für immer süße 17
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09:04 22.11.2014
Von Uwe Janssen
Badeherzen: Sylke Keller, Katharina Kokemoor, Gisela Pohl, Barbara Koch, Bettina Schröder (v. l.).
Badeherzen: Sylke Keller, Katharina Kokemoor, Gisela Pohl, Barbara Koch, Bettina Schröder (v. l.). Quelle: Handout
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Hannover

Auf dem Wohnzimmertisch liegen quietschbunte Badesachen. Nicht zum Schwimmen. Sondern zum Singen. Es ist die Bühnengarderobe von Bettina Schröder. Für das Jubiläumskonzert.

25 Jahre Herzen in Terzen. Nach wie vielen Karriereauftritten? „Puh“, sagt Schröder und blickt aus dem Fenster, „haben wir nicht mitgezählt.“ Mehr als tausend sind es auf jeden Fall, genaue Zahlen gibt es nicht. Umso klarer kann sie beantworten, wo alles anfing: „Im Pavillon hatten wir unseren ersten Auftritt“, sagt sie. Weil es sich anbietet, wird das Jubiläum auch dort gefeiert, am heutigen Sonnabend um 20 Uhr wird das Musikkabarettquintett wieder auf der Bühne stehen: schrill, schräg, bunt, furios. Wie immer also.

Damals suchte Bettina Schröder, die der hannoverschen Punk-Band Hans-A-Plast entsprungen war, singende Damen für ein neues Projekt („mit Annoncen im Heißen Draht“), das sich eher um den Schlager drehte. „Ich sehe da schon eine innere Verbindung“, sagt sie heute zu diesem Stilwechsel. Damals gab es weder YouTube-Casting noch eine A-cappella-Comedyszene, aber kurze Zeit später formierte sich Herzen in Terzen – und hatte von vornherein Erfolg. Als ob Hannover und der Rest der Welt auf das Quintett (zunächst war es gar ein Sextett) gewartet hätten. Schnell sprach sich auch überregional herum, dass Hannover da was heißes Neues hatte. „Wir hatten Zeiten mit 20 Auftritten in drei Wochen, manchmal drei am Tag“, erinnert sich Sängerin Barbara Koch.

Trotzdem wagten die Herzen den letzten Schritt ins Profibusiness nicht, es gab weder ein externes Management noch wochenlange Auswärtsengagements. Die Frauen hatten Familie oder andere Jobs – obwohl die Herzen, wie Schröder sagt, immer „obenan standen. Wir haben keine Auftritte abgesagt, weil einer zum Geburtstag musste. Da hat Mutti dann die Peitsche geschwungen.“ In den besten Jahren kamen gut 100 Auftritte zusammen, auf eigenen Tourneen, auf Galas, für Firmen, auf Wahlkampfveranstaltungen („für Wulff und Schröder“), aber auch bei kleinen privaten Feiern. Auf Schlagerpartys haute es nicht immer hin. „Die Leute fühlten sich von uns verarscht, weil wir immer auch eine ironische Distanz zum Schlager hatten.“ Und einen Auftritt haben die Herzen nicht angenommen – im Kernkraftwerk Brokdorf. „Das konnte ich damals mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“, sagt die ehemalige Punk-Schlagzeugerin Schröder.

Das Gute: Herzen in Terzen ist ein Jungbrunnen. „Wir sind auf der Bühne immer noch alle süße 17“, sagt Barbara Koch, „obwohl wir schon am Anfang keine süße 17 mehr waren.“ Wer aber 17 bleibt, kann sich auch zur Silberhochzeit ein paar Klamaukklassiker erlauben. So wird heute Abend irgendwann ein Schuh fliegen – wohin, weiß noch keiner. Barbara Koch hat das eigentlich gut unter Kontrolle. „Nur einmal“, sagt sie mit aller gebotenen Demut, „habe ich eine Zuschauerin getroffen.“ Vor solchen Attacken dürfte das Publikum heute Abend sicher sein – vor Überraschungen allerdings nicht. Sagen die Damen. Und blicken verschwörerisch. 

Veranstaltungstipp

Herzen in Terzen, am heutigen Sonnabend um 20 Uhr im Pavillon Hannover. Es gibt noch Karten an der Abendkasse. Weitere Informationen unter: www.pavillon-hannover.de

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