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Digital Besuch beim „Pokémon Go“-Fest in Dortmund: Die Jagd ist eröffnet
Nachrichten Digital Besuch beim „Pokémon Go“-Fest in Dortmund: Die Jagd ist eröffnet
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15:50 04.07.2019
Der achtjährige Leo (l) und seine zehnjährige Schwester Lea (r) aus Basel spielen Pokémon auf ihrem Handy. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Dortmund

Sie steigen plötzlich aus dem Wasser, hocken frech im Gebüsch, zeigen sich unerwartet am Fuße mächtiger Bäume. Tausende Jäger aus aller Welt spüren sie auf, verfolgen die Monster allein oder in Gruppen – Kopf gesenkt, Hand mit Wischbewegung am Smartphone. Zum Start des internationalen „Pokémon Go“-Festivals strömen die Online-Gamer in den Dortmunder Westfalenpark und durchkämmen die virtuellen Lebensräume nach den versprochenen besonders seltenen Minis. „Ich habe grad eins gefangen, das es sonst nur in Amerika gibt“, ruft Emanuela, eigens aus Genua angereist. „Es macht Spaß, man muss sich bewegen, lernt viele Leute kennen.“

Im Park sind Kinder, Jugendliche, Familien, leicht Ergraute und Senioren auf den Beinen. Man hört Englisch, Französisch, Polnisch, Schwedisch, Holländisch, Chinesisch, Japanisch. Das Pärchen Takuya und Mizuho Yamato ist extra von Kyoto ins Ruhrgebiet geflogen. „Wir lieben Pokémon“, erzählt der Unternehmer Takuya (46). „Am schönsten ist es in der Gruppe. Deshalb sind wir hier. Und nächsten Monat gehts nach Yokohama, da ist wieder ein großes Pokémon-Event.“

Zusätzliche Mobilfunkanlagen für sicheres Gaming

Für Nicht-Insider, die maximal von Pikachu gehört haben: Der Spieler – Trainer – macht allein oder im Team Jagd auf die knallbunten Monster. In der Regel gilt: Je seltener die Pokémon, desto kampfesstärker. Erfolgreiche Trainer steigern ihre EP-Punkte (Experience Points), man lässt die Pokémon auch in Arenen gegeneinander antreten.

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Neben einer überdimensionierten Powerbank-Station zum Akku-Aufladen jubelt eine junge Britin. Sie hat gerade ein seltenes Wasser-Pokémon geschnappt. „Wenn man fit ist, kann man hier 100 in einer Stunde fangen.“ Aber: „Das Netz ist nicht so gut, meine Freundin fliegt immer wieder raus.“ Auf dem Veranstaltungsgelände waren zusätzliche Mobilfunkanlagen errichtet worden, das sollte eigentlich ein unbeschwertes Online-Gaming sicherstellen.

Der „Pokémon Go“-Hype ist noch lange nicht vorbei

Rund 25.000 Gamer pro Tag erwartet der US-amerikanische Spieleentwickler Niantic bis Sonntag, spricht vom größten „Pokémon Go“-Event in Europa. Aber ist der Hype nicht allmählich vorbei – gut drei Jahre, nachdem die App auf den Markt kam? Ein Niantic-Sprecher sagt, die App sei bis Ende 2018 mehr als eine Milliarde Mal runtergeladen worden. Und 2018 sei „überaus erfolgreich“ gewesen.

Was macht den Reiz aus? „Der starke gemeinschaftsbildende Aspekt“, meint Medienwissenschaftler Hanns Christian Schmidt. Und es fasziniere viele nach wie vor, virtuell, aber zugleich unter Einbeziehung der realen Umgebung und mit oft völlig unbekannten Menschen „physisch zu interagieren“. In der Tat bilden in Dortmund etwa Polen mit Kanadiern fix ein Team, ein chinesisches Paar tut sich mit einer deutschen Gruppe zusammen.

„Hier sind die echten Fans“

Und es scheint für alle Altersklassen zu passen: Ein „ausgeprägter Niedlichkeitsfaktor und eine äußerst farbenfrohe und freundlich gestaltete Rahmenhandlung“ und einiges Kräftemessen spreche Jungen wie Mädchen an, erläutert Schmidt. Und die älteren Semester? Wer als Kind vor rund 20 Jahren Pokémon auf dem Gameboy gespielt habe oder mit der TV-Serie aufgewachsen und computeraffin sei, den treibe ein womöglich „wohlig-warmes Gefühl der Nostalgie“ an, sagt der Experte vom Kölner Institut für Medienkultur. „Das Interesse an Pokémon war nie wirklich weg.“

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Während der typische Gamer – zumindest laut Klischee – oft stundenlang unbewegt und fernab vom Sonnenlicht agiert, sind die „Pokémon Go“-Jäger jedenfalls an der frischen Luft in Bewegung. So auch Sonja mit Söhnen Arved (15) und Justus (10) aus der Nähe von Cuxhaven. „Hier gibt es Pokémon, die total selten sind und die man sonst in Deutschland nicht fangen kann“, schildert Arved. „Vor drei Jahren haben viele nur mitgemacht, weil das gerade Mode war. Hier sind die echten Fans.“

Von RND/dpa

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