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Der Norden Jugendherbergen verzeichnen immer weniger Gäste
Nachrichten Der Norden Jugendherbergen verzeichnen immer weniger Gäste
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09:44 24.02.2019
Der Speiseraum einer Herberge des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Hannover. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Osnabrück/Hannover

Die Zahl der Gäste in den niedersächsischen Jugendherbergen ist gesunken. Die 55 Häuser zählten im vergangenen Jahr insgesamt knapp 440.000 Besucher, wie die Sprecherin der Jugendherbergen im Nordwesten, Gesa Hauschild, berichtete. Das war ein Rückgang von etwa zwei Prozent. Die Zahl der Übernachtungen sank um knapp vier Prozent auf rund 1,2 Millionen. Ein Grund ist, dass es im Vergleich zu 2017 fünf Jugendherbergen weniger gab. Neben den geschlossenen Häusern waren weitere Jugendherbergen wegen Baumaßnahmen vorübergehend zu.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden Jugendherbergen moderner und spezialisieren sich. In Osnabrück entsteht zum Beispiel die bundesweit erste Jugendherberge mit digitalem Schwerpunkt. Die Neuausrichtung kostet rund 1,8 Millionen Euro. Auch andere Jugendherbergen legen ihre eigenen Schwerpunkte.

Wie gefragt sind die niedersächsischen Jugendherbergen?

Im vergangenen Jahr zählten die 55 Häuser in Niedersachsen knapp 440 000 Gäste. Das war ein Rückgang von etwa zwei Prozent, wie die Sprecherin der Jugendherbergen im Nordwesten, Gesa Hauschild, berichtete. Bei den Übernachtungen sank die Zahl um knapp vier Prozent auf rund 1,2 Millionen.

Warum kamen weniger Gäste als im Vorjahr?

Ein Grund ist, dass es im Vergleich zu 2017 fünf Jugendherbergen weniger gab. Diese Häuser wurden geschlossen, weitere waren wegen Baumaßnahmen vorübergehend zu.

Wer kann in Jugendherbergen übernachten?  

Die größte Zielgruppe der Häuser im Nordwesten sind Schulklassen. Unter den Gästen sind zudem viele Familien und junge Seminargruppen. Das Deutsche Jugendherbergswerk ist nach eigenen Angaben der bundesweit größte gemeinnützige Anbieter von Klassenfahrten und Freizeiten sowie Bildungsveranstaltungen. Grundsätzlich sind alle Menschen willkommen. Die breite Ausrichtung zeigt sich in der Ausstattung. So gibt es in der Club-Jugendherberge Neuharlingersiel neben Mehrbettzimmern auch Appartements für bis zu 6 Personen. Mit Angeboten wie Nähcamps erreichen die Häuser auch ältere Menschen.

Sind Jugendherbergen eine Konkurrenz für Hotels und Pensionen?

„Sie stehen in direkter Konkurrenz, weil sie so aufgerüstet haben, dass sie sehr modern sind“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen, Renate Mitulla. Viele Häuser hätten inzwischen fast alle Angebote eines Hotels. Mitulla zufolge ist der größte Ausstattungsunterschied, dass Jugendherbergen Mehrbettzimmer haben. Trotz der Konkurrenzsituation sehe sie die Häuser als Bereicherung. „In Niedersachsen sind Jugendherbergen wichtig, weil so Zielgruppen kommen, die sonst nicht kommen würden.“ Die Hoffnung sei, dass die Leute wiederkommen und dann in Hotels, Pensionen oder Gasthäusern einkehren. Da Jugendherbergen öffentlich bezuschusst würden, müssten sie ihr Angebot nach ihrem Auftrag ausrichten. Sollten sie Geschäftsreisende als Zielgruppe ausmachen, werde der Dehoga intervenieren.

Gibt es einen Trend bei den Jugendherbergen?

Nach Angaben von Sprecherin Hauschild wächst die Nachfrage nach betreuten Angeboten. „Seit fünf Jahren werden im Nordwesten Kinder-, Jugend- und Familienfreizeiten sowie Klassenfahrten über einen eigenen Teamerpool professionell betreut“, berichtet sie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in Themen wie erlebnispädagogische Methoden, Kommunikation mit Kindern, Eltern und Lehrern sowie Konfliktbewältigung geschult.

Wie unterscheiden sich Jugendherbergen?

Jedes Haus ist anders, was zunächst am Standort liegt. Manche Jugendherbergen sind in Großstädten, andere auf dem Land oder an der Küste. Zudem gibt es unterschiedliche Programme im Bereich Bildung, Sport, Musik oder Umwelt. Viele Häuser spezialisieren sich. So bietet die Jugendherberge Aurich ein Fußballcamp an, das Haus in Neuharlingersiel Klassenfahrten mit Surfkurs.

Die erste Jugendherberge mit digitalem Schwerpunkt soll im April in Osnabrück eröffnen. Neben Tagungsräumen mit moderner Technik soll es einen sogenannten Makerspace geben. Dazu gehört eine Kreativwerkstatt mit 3D-Druckern und Lötkolben, ein Social Media Lab sowie eine Games-Werkstatt. Schulklassen können sich zudem mit Themen wie Medienkritik und Cybermobbing beschäftigen.

Wie finanzieren sich Jugendherbergen?

Das Deutsche Jugendherbergswerk ist ein gemeinnütziger Verein. Die Jugendherbergen sind freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe und haben einen öffentlichen Bildungsauftrag. Sie finanzieren sich über Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus dem Betrieb. Bei ausgewiesenen Bildungsprojekten können sie eine öffentliche Förderung beantragen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Jugendherbergen?

Die alternde Gesellschaft ist eine Herausforderung für die Häuser. Wenn weniger Schülerinnen und Schüler kommen, sinken die Einnahmen. Um den gestiegenen Ansprüchen an Ausstattung und Programm gerecht zu werden, müssen die Jugendherbergen investieren. Derzeit wird in Oldenburg gebaut, das neue Haus soll im Oktober 2019 öffnen.

Von dpa/jos/RND

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