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Der Norden Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Dieser Fachmann baut Vorurteile ab
Nachrichten Der Norden Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Dieser Fachmann baut Vorurteile ab
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07:50 23.08.2019
Der ehrenamtliche Wolfsberater Kenny Kenner während eines Wolfswanderung in der Göhrde. Quelle: dpa (RND-Collage)
Göhrde

Das Märchen von Rotkäppchen, Weiden voller gerissener Schafe und ihr Heulen bei Vollmond in Horrorfilmen - das alles verknüpfen Menschen mit Wölfen. Seit Jahrhunderten ranken sich viele Geschichten um die Tiere, mittlerweile haben sich wieder Wölfe in Niedersachsen und anderen Regionen Deutschlands angesiedelt.

Doch einigen Menschen fehlt das Wissen um den Europäischen Grauwolf, den Fachleute auch Canis lupus lupus nennen. Wer mit Wolfsberater Kenny Kenner im Wendland auf Wanderung geht, der lernt eine Menge über die Lebensweise der Raubtiere. Unter den Teilnehmern sind zum Beispiel auch immer wieder Jäger.

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Rund 220 Wölfe leben in der Göhrde

Seit 2014 sind Wölfe wieder in der Göhrde zu Hause. Damit ist das Gebiet im Wendland nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover derzeit eines von 29 bestätigten Wolfsterritorien. 23 Wolfsrudel sind unterwegs, das Ministerium geht von insgesamt bis zu 220 Tieren aus.

Während der Wanderungen bekommen die Teilnehmer zwar meist keinen Wolf zu Gesicht. Dafür entdecken sie mit dem Fachmann aber häufig auf frische Spuren der Tiere. An diesem Nachmittag finden Kenny Kenner und die Wanderer reichlich Wolfsspuren in Form von Losung, also Kot. „Die Wölfe markieren mit dem Kot das Territorium. Wolfslosung riecht extrem“, erklärt der Wolfsberater. Einige Haufen sind frisch, über andere haben sich schon andere Tiere hergemacht. „Was die Wölfe hinterlassen, wird von vielen Tieren verwertet“, sagt Kenner. „Vögel holen die Haare, Käfer das Fleisch.“ Auch Schmetterlinge versorgen sich an der Losung mit Mineralien.

Der ehrenamtliche Wolfsberater Kenny Kenner in der Göhrde. Quelle: Berit Böhme/dpa

Wanderungen sollen Aufklärung bieten

Seit mittlerweile zehn Jahren ist Kenny Kenner ehrenamtlicher Wolfsberater im Kreis Lüchow-Dannenberg. Sein Wissen über die Tiere hat er seit 2003 zunächst in der sächsischen Lausitz erworben. Dort sind Wölfe schon seit zwei Jahrzehnten wieder heimisch. Nun wandert Kenner regelmäßig mit Interessierten im Staatsforst Göhrde.

Wolfsberater wie Kenner sind in Niedersachsen ehrenamtlich tätig und werden vom Umweltministerium berufen. Rund 80 Prozent der landesweit tätigen Wolfsberater sind Jäger. Koordiniert wird ihre freiwillige Tätigkeit von der Landesjägerschaft in Abstimmung mit dem Wolfsbüro des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Um Wolfsberater zu werden, absolvieren die Freiwilligen mehrtägige Schulungen, hinzu kommen jährliche Weiterbildungen.

„Wölfe sind die Spitze der Nahrungskette“, betont Kenner während der Wanderung. „Es ist ökologisch unsinnig, sie zu jagen.“ Sie fressen Huftiere wie Reh oder Rotwild. Nur 15 Prozent ihrer Angriffe seien zudem erfolgreich, schildert der Wolfsberater. Die Beute wird schnell verschlungen, berichtet Kenner: „Wölfe sind keine Genießer.“

Die Fellreste eines Wolfes. Quelle: Berit Böhme/dpa

Wolfsberater lässt Spuren auswerten

Zimperlich darf der Wolfsberater in seinem Ehrenamt nicht sein. Zu seinen Aufgaben gehört nämlich auch die Spurensicherung. Eine der frischen Losungen dieses Nachmittags - vermutlich ein verdautes Rotwild - fotografiert, vermisst und kartiert Kenner. Außerdem nimmt er Proben, die zur Genetik- und Nahrungsanalyse eingeschickt werden. Die Proben gehen zunächst zur Landesjägerschaft, die sie zur Untersuchung an das Senckenberg-Institut in Gelnhausen weiterleitet. Manchmal dauert die Auswertung Kenner zufolge ein halbes Jahr.

Die Wölfe in der Göhrde hatten 2016 das erste Mal Nachwuchs. Treue werde bei Wolfspaaren groß geschrieben, beschreibt Kenner. „Bei denen gilt: bis dass der Tod uns scheidet“, sagt der Wolfsexperte. Die Fähe, also das Weibchen, verbringt die ersten sechs Wochen mit den Welpen in der Wurfhöhle. Der Rüde füttert sie während dieser Zeit.

Alle Geheimnisse der Wölfe lüftet Kenny Kenner auf seinen Wanderungen nicht. Die Lage ihrer Wurfhöhlen oder von Rendezvousplätzen bleiben geheim. Ein Rendezvousplatz ist der Treffpunkt, auf dem die Welpen auf die Rückkehr der jagenden Eltern warten. Oft leisten ihnen die Jährlinge, also die älteren Geschwister, dabei Gesellschaft. Kenner erklärt: „Mama und Papa haben das Sagen, die anderen müssen gehorchen.“

Warum heulen Wölfe eigentlich?

Wölfe heulen übrigens nicht wegen des Vollmonds. „Wölfe heulen, um zu kommunizieren“, sagt Kenny Kenner. Sie verständigen sich neben Heulen zwar auch über Wuffen und Bellen. Aber wenn verschiedene Wölfe aufeinandertreffen, werden im Heulen zunächst Konflikte ausgetragen, schildert Wolfsberater Kenner, frei nach dem Motto: „Wir sind viele, wir sind stark“.

Von RND/dpa/Berit Böhme

Viele Nutztierhalter in Niedersachsen machen sich angesichts der zahlreichen Übergriffe von Wölfen Sorgen um ihre Schafe und Ziegen. Um sie zu schützen, brauchen sie entsprechende Zäune. Das Land übernimmt die Kosten dafür. Knapp 500 Anträge dafür sind in diesem Jahr bereits beim Land eingegangen.

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