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Der Norden Spanischer Betreiber übernimmt: Ist der Weltvogelpark in Gefahr?
Nachrichten Der Norden Spanischer Betreiber übernimmt: Ist der Weltvogelpark in Gefahr?
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10:17 04.07.2019
Javier Gimeno, Geschäftsführer vom Weltvogelpark Walsrode, hält einen knapp dreieinhalb Woche alten Milchuhu in den Händen. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Walsrode

Mehr als 4000 Vögel und rund 650 verschiedene Arten - die weitläufige Anlage in Walsrode gehört zu den artenreichsten Zoos der Welt. Der Weltvogelpark ist eine der Attraktionen in der Lüneburger Heide und liegt ziemlich genau in der Mitte des Städtedreiecks Hamburg-Hannover-Bremen. Im Januar wurde er an die spanische Freizeitpark-Gruppe Parques Reunidos verkauft, die nach eigenen Angaben weltweit insgesamt mehr als 60 Zoos und Freizeit-Parks betreibt – was wird sich ändern, was soll bleiben?

„Die Seele des Parks soll bleiben“, verspricht Javier Gimeno, neuer Geschäftsführer. „Die einmaligen Kenntnisse über die Tiere im Park sollen erweitert werden, dazu gehören auch die Artenschutzprojekte“, betont er. Da profitiere die Gruppe vom Know-how des Vogelparks. „Andererseits wird Walsrode von Parques Reunidos profitieren – etwa durch die finanziellen Möglichkeiten und die Erfahrung eines großen Konzerns.“ Das betreffe nicht nur die Expertise über Vögel, sondern auch das Gärtnerische. „Viele Besucher kommen wegen der botanischen Parkanlagen, auch das muss bleiben“, sagt Gimeno. Und: „Die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.“ Der 43 Jahre alte Biologe kommt aus Madrid, dort hat er Zoo-Erfahrung gesammelt.

Neues Zuchtprogramm und Mitmach-Fütterungen

„Die Nachzuchtprogramme sollen erweitert und für die Zuschauer sichtbarer werden“, kündigt Gimeno an. „Bislang wird viel hinter den Kulissen gearbeitet.“ Ornithologen wie der Brite Nigel J. Collar haben das nachhaltige Engagement in Walsrode gelobt, mehr als 35.000 Nachzuchten haben sich schon in Walsrode aus dem Ei ans Licht der Welt gearbeitet – ob Königsparadiesvogel, Veilchenohrkolibri oder Braunohrarassari. Dieser Tage bindet auch ein Milchuhu die Aufmerksamkeit der Tierpfleger.

Ein acht Tage junger Königsparadiesvogel in der Brutstation im Weltvogelpark Walsrode (Archiv). Quelle: Holger Hollemann/dpa

Bei Mitmach-Fütterungen kommen die Besucher schon jetzt besonders eng in Kontakt etwa mit Loris, Arassaris, Roten Sichlern oder auch dem Weißstorch. Im Kolibri-Haus können die bunten Winzlinge aus nächster Nähe bewundert werden. Pelikane tummeln sich in der Freiflughalle in den Wellen, während Rote Sichler durch die Luft gleiten. Hinter Zaun und Wassergraben wartet zwei Ecken weiter der mannshohe Helmkasuar, dessen gefährliche Kralle schon manches Menschenleben in Papua-Neuguinea beendet haben soll - im April tötete einer in Florida seinen Züchter. Ein Stück weiter leben Greifvögel wie der mächtige Riesenseeadler und der Andenkondor, es gibt die selten gewordenen Kiwis aus Neuseeland ebenso wie Humboldt-Pinguine.

Touristen-Attraktion: 200.000 Besucher im Jahr

Der Park begann zunächst als privates Hobby eines Walsroder Kaufmanns. Von 1962 an entwickelte er sich dann zum Anziehungspunkt für Vogelfreunde aus aller Welt, heute ist die Anlage insgesamt 36 Hektar groß. „Jedes Jahr kommen mehr als 200.000 Besucher - das ist immer vom Wetter abhängig“, sagt Parksprecherin Janina Ehrhardt. „Der Auftrag ist, Vögel erlebbar zu machen.“

Auch bei der ebenso unterhaltsamen wie informativen Flugshow werden unter freiem Himmel zahlreiche Arten gezeigt, so Kronenkraniche und diverse Papageien, Gänsegeier und Weißkopfseeadler. Zu den Stars gehört Söckchen, ein Sekretär. Die rund 1,20 Meter großen Greifvögel treten mit ihren langen Beinen und kräftigen Füßen nach ihrer Beute - doch wegen eines gebrochenen Knochens musste vor gut zwei Jahren bei Söckchen der untere Teil des linken Beines amputiert werden. Hilfe kam von einem Netzwerk, das sonst mit 3D-Druckern kostenlos Handprothesen für Kinder herstellt. Auch international wurde über die Aktion berichtet, sie war erfolgreich.

Söckchen ist für viele Besucher nicht nur ein Vogel“, sagt Gimeno. Manch einer schreibe an den Park, wenn er Söckchen gesehen habe. „Durch die Geschichte dahinter hat er einen Namen, er weckt besondere Emotionen“, erklärt Gimeno. „Mit Vögeln ist das nicht so einfach, es geht nicht um Koalas.“

Wie kann man junge Besucher besser erreichen?

„Wir müssen noch sehen, was wir brauchen“, sagt Gimeno zu weiteren möglichen Neuerungen. „Wir haben schon Ideen, aber die müssen wir noch prüfen.“ Mindestens eine Zielgruppe müsse noch besser als bisher erreicht werden: „Wir brauchen noch Attraktionen für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren“, betont Gimeno. „Das könnten neue Tiere, etwa Reptilien oder Fledermäuse sein. Es soll aber mit dem Thema Vögel oder Fliegen zu tun haben.“ Giraffen oder dergleichen seien deshalb nicht geplant. „Auch Bienen könnten ein Thema sein“, meint Gimeno. Dabei könnte es auch um die Frage gehen, warum Insekten so wichtig für die Natur sind. „Durch das Insektensterben sind auch die Vögel bedroht.“ Da könne man Zusammenhänge aufzeigen und so Jugendliche begeistern, hofft er.

Eine andere Brücke könne etwa über die Lebensräume geschlagen werden. So lebten die in Amerika heimischen Kaninchenkäuze unterirdisch auch in von Präriehunden gegrabenen Höhlen. „Da könnten wir beides zeigen.“ Eines sei aber sicher: „Der Fokus soll ganz klar bei den Vögeln bleiben“, sagt Gimeno. „Wir müssen ein Vogelpark bleiben.“

Von RND/Peer Körner/dpa

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