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Der Norden Viele Stallbrände auch in Niedersachsen - Statistik fehlt
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Viele Stallbrände auch in Niedersachsen - Statistik fehlt

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08:36 02.08.2021
Feuerwehrleute versuchen einen Scheunenbrand im niedersächsischen Meppen zu löschen.
Feuerwehrleute versuchen einen Scheunenbrand im niedersächsischen Meppen zu löschen. Quelle: -/Nord-West-Media TV/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Hannover

Auch in Niedersachsen kommt es jedes Jahr zu Bränden in landwirtschaftlichen Stallungen. Zu diesen Bränden gibt es allerdings keine Statistik. Rund 5000 Mal brennt es im Schnitt pro Jahr in deutschen Tierställen, schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Eine bundesweite Statistik gibt es nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft nicht.

„Das finde ich erstaunlich“, sagt Stefan Stein, der mit zwei Mitstreiterinnen in seiner Freizeit halbjährlich Übersichten dazu erstellt. Seine Tabellen entstehen auf Grundlage von Medienberichten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. „Wir wissen, dass das keine wissenschaftliche Studie ist“, sagt der 54-Jährige.“ Aber wir wollen zeigen, dass es wichtig wäre, dazu eine amtliche Statistik zu erstellen.“

Erst am vergangenen Mittwoch verendeten Hunderte Schweine bei einem Stallbrand in Bramsche bei Osnabrück. In den Jahren 2017 und 2018 hatte es mit Stand 8. Februar 2019 insgesamt 13 Brandstiftungen beziehungsweise Sachbeschädigungen durch Feuer im Zusammenhang mit Stallungen in Niedersachsen gegeben, wie aus Angaben des niedersächsischen Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag aus dem Jahr 2019 hervorging.

Baulicher Brandschutz nur begrenzt umsetzbar

Der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen reagiert auf eine entsprechende Anfrage zurückhaltend. Die Landwirte seien angehalten, auf die Wartung technischer Vorrichtungen zu achten, um Stallbrände zu vermeiden, hieß es von einer Sprecherin. Der vorgeschriebene bauliche Brandschutz sei vor allem darauf ausgerichtet, eine Brandausbreitung zu behindern und Rettungsmöglichkeiten zu bieten. Beides sei oft nur über Neubauten zu steigern und daher nur begrenzt umsetzbar.

Immer wieder lösen technische Defekte Brände in Tierställen aus. Ein großes Problem seien dabei korrosive Gase wie Ammoniak, die von den Tieren ausgestoßen werden, sagt der GDV-Brandschutz-Experte Mingyi Wang. So können zum Beispiel Bauteile der Elektroinstallation und anderer technischer Anlagen angegriffen werden, wodurch Brände etwa aufgrund von Kurzschlüssen entstehen können. Regelmäßige Kontrollen von Fachleuten könnten die Brandgefahren reduzieren, sagt er.

Tiere sind aus brennendem Stall oft schwer zu retten

Im Juni forderte der Bundesrat deshalb die Bundesregierung auf, die Möglichkeit einer Obergrenze für Tierhaltungen zu prüfen - und eine Statistik zu Stör- und Brandfällen mit hohen Tierverlusten zu erstellen.

Steht ein Stall erst mal in Flammen, gestaltet sich die Rettung der Tiere oft schwierig. Durch brennbare Materialien wie Heu und Stroh kann sich das Feuer meist schnell ausbreiten, Brandmelder sind wegen der korrosiven Ereignisse in Ställen in der Regel nutzlos und deshalb oft nicht vorhanden.

„Keiner will heißes Eisen wirklich anfassen“

„Ein Erschwernis bei der Brandbekämpfung sind aber auch die Tiere selbst“, sagt Brandschutz-Experte Wang. „Manche Tiere erschrecken sich und wollen raus, andere werden durch das Feuer angezogen und laufen dorthin.“ Bei einer großen Anzahl von Tieren sei die Rettung für die Feuerwehr kaum rechtzeitig zu bewältigen, sagt Wang. „Um die Tiere aus dem Brandbereich zu evakuieren, ist oft kaum ausreichendes Personal seitens des Landwirts da.“

Ohne präzise Zahlen bleibt der genaue Umfang solcher Fälle in Deutschland aber unklar. Stefan Stein und seine Mitstreiterinnen zählen weiter. 1013 Brände und Havarien in Ställen haben sie im ersten Halbjahr 2021 bundesweit erfasst, mindestens 59.300 Tiere seien den ausgewerteten Berichten zufolge dabei gestorben. Immer wieder wendet sich Stein auch an Ministerien und Behörden, um Verbesserungen anzuregen. „Aber keiner will das heiße Eisen wirklich anfassen“, sagt er. „Mit exakten Zahlen wäre das viel leichter.“

Von RND/dpa/Elmar Stephan