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Der Norden Streit um mehr als 6 Millionen Euro: Gericht weist Klage von Utz Claassen gegen Carsten Maschmeyer ab
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Utz Claassen gegen Carsten Maschmeyer: Gericht weist Klage ab

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17:53 28.12.2021
Utz Claassen (rechts) gegen Carsten Maschmeyer im Mai vor dem Landgericht München I. Das Verfahren ging zugunsten Maschmeyers aus. Vor dem Landgericht Hannover treffen sich beide im nächsten Jahr wieder.
Utz Claassen (rechts) gegen Carsten Maschmeyer im Mai vor dem Landgericht München I. Das Verfahren ging zugunsten Maschmeyers aus. Vor dem Landgericht Hannover treffen sich beide im nächsten Jahr wieder. Quelle: Matthias Balk/dpa (Archiv)
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Hannover

Früher waren die beiden hannoverschen Unternehmer Carsten Maschmeyer und Utz Claassen Freunde und Geschäftspartner. Mittlerweile treffen sie sich überwiegend in Gerichtssälen zwischen Hannover und München und streiten dort um Millionensummen. Am Donnerstag hat das Landgericht München I eine Klage der Syntellix AG von Claassen gegen Maschmeyer abgewiesen. Maschmeyer sollte rund 6,3 Millionen Euro Schadensersatz an den Medizintechnikhersteller zahlen, an dem er einmal mit einem dicken Aktienpaket beteiligt war.

Syntellix wurde 2008 vom Vorstandsvorsitzenden Claassen gegründet und sitzt am Aegidientorplatz in Hannover. Die Firma stellt medizinische Schrauben aus Magnesium her, die etwa bei Knochenbrüchen zum Einsatz kommen sollen. Die Schrauben sollen sich im Körper auflösen und damit weitere Operationen zur Entfernung überflüssig machen.

„Marodierungskampagne“ gegen Syntellix

Claassen wirft Maschmeyer eine „über mehrere Jahre andauernde Diffamierungs-, Schädigungs- und Marodierungskampagne“ gegen Syntellix vor. Damit habe Maschmeyer aktienrechtliche Treuepflichten verletzt. Nach Kursverlusten habe Syntellix eine Kapitalerhöhung nur zu einem sehr viel niedrigeren Ausgabepreis durchführen können. Zudem seien erhebliche Anwaltskosten entstanden. Maschmeyer, seine Beteiligungsgesellschaft MM Familien KG und ein früheres Syntellix-Aufsichtsratsmitglied aus Isernhagen sollten etwas mehr als 6,3 Millionen Euro zahlen.

So sieht das auch „Wunderschraube“ genannte Medizinprodukt von Syntellix aus. Quelle: Philipp von Ditfurth (Archiv)

Schadensersatzpflichten der Beklagten konnte die 5. Kammer für Handelssachen allerdings nicht erkennen, wie das Landgericht München I am Dienstag mitteilte. So sollte auf einer Hauptversammlung der Spruch gefallen sein, Claassen spiele „Prinz Karneval“. Eine solche Äußerung sei nicht treuwidrig, da sie von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, entschieden die Richter. Auch darüber hinaus haben sich Maschmeyer und seine Beteiligungsgesellschaft nach Auffassung der Kammer aktienrechtlich sauber verhalten, als sie auf der Versammlung eine Sonderprüfung erreichen und Claassen die Versammlungsleitung entziehen wollten.

Aufsichtsrat von Syntellix muss nicht zahlen

Der frühere Aufsichtsrat schließlich haftet nicht wegen des Vorwurfs, es habe in einer E-Mail an einen Wettbewerber Geschäfts- oder Betriebsgeheimnisse verraten. Der Inhalt der Mail sei damals bereits öffentlich bekannt gewesen.

Damit könnte die Causa Syntellix nun nach Jahren beendet sein. Tatsächlich aber steht vor dem Landgericht Hannover eine weitere Runde an. Dort verlangt Maschmeyer eine Millionensumme von Claassen. Dieser hatte ein Aktienpaket, das Maschmeyer zurückgegeben hatte, gewinnbringend verkauft. Maschmeyer meint, an dem Gewinn hätte Claassen ihn beteiligen müssen.

Von Karl Doeleke