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Der Norden In Ritterhude ist die Explosion nicht vergessen
Nachrichten Der Norden In Ritterhude ist die Explosion nicht vergessen
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08:26 05.09.2019
Vor fünf Jahren explodierte die Chemiefabrik der Organo Fluid GmbH in Ritterhude. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Ritterhude

Die Blumen in der Vase sind vertrocknet, und auch die kleine weiße Grabkerze vor dem hohen Stahlgitterzaun in der Ritterhuder Kiepelbergstraße ist lange ausgebrannt. Hinter dem Zaun liegt eine grüne Brachfläche. Dort entsorgte und verbrannte das Unternehmen Organo Fluid GmbH viele Jahre Chemieabfälle. Bis zum 9. September 2014. An diesem Tag gab es auf dem Betriebsgelände mehrere heftige Explosionen. Ein Mitarbeiter starb. Es gab Verletzte, und viele Häuser wurden stark beschädigt.

Darunter auch das in der Kiepelbergstraße 10, das unmittelbar ans Firmengelände grenzt. Karl-Friedrich Brust war an dem Abend im Kino, doch sein 90-jähriger Vater war damals zuhause und bekam die Explosion in vollem Umfang mit. Das Haus wurde stark beschädigt, der Wintergarten zerstört. „Ein gewaltiger Schaden“, sagt der heute 62-jährige Brust, der mit anderen Anwohnern schon viele Jahre vor der Explosion gegen die Chemiefabrik in dem idyllisch gelegenen Misch-Gewerbe-Wohngebiet kämpfte.

Die Liste der Vorwürfe gegen die Firma war lang

Am 9. September 2014, einem Dienstag, waren die Detonationen bis ins nahe gelegene Bremen zu hören. Stundenlang kämpften die Feuerwehrleute damals gegen die Flammen. Ein 60-jähriger Mitarbeiter der Entsorgungsfirma starb später an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Druckwelle beschädigte rund 40 Häuser in dem Wohngebiet. Fenster gingen zu Bruch, Autos wurden durch umherfliegende Trümmerteile beschädigt. Zahlreiche Familien verloren vorübergehend ihr Zuhause.

Ein Mitarbeiter der Chemiefirma wurde getötet, 40 umliegende Häuser wurden teils stark beschädigt. Quelle: Ingo Wagner/dpa

Nach der Explosion begann die Staatsanwaltschaft Verden sofort mit Ermittlungen. Die Liste der Vorwürfe war lang: Fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen, unerlaubter Betrieb von Anlagen und nicht zuletzt, Verdacht auf Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung. Ermittelt wurde nicht nur gegen den Chef, die Geschäftsführung und Mitarbeiter von Organo Fluid, sondern auch gegen Mitarbeiter des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes in Cuxhaven.

Dass es schwere Versäumnisse beim Unternehmen und den Aufsichtsbehörden gab, stand damals auch nach einer Untersuchung des niedersächsischen Umweltministeriums fest. Doch die Staatsanwaltschaft zog im Februar 2018 den Schlussstrich, als sie nach über drei Jahren die Ermittlungen in „wesentlichen Kernpunkten“ einstellte. „Im Falle einer Anklageerhebung wäre nicht mit einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit mit einer Verurteilung der Beschuldigten zu rechnen“, begründete die Behörde damals den Schritt.

Die Bilanz der Anwohner fällt vernichtend aus

Ein halbes Jahr später scheiterten 16 Anwohner, darunter Karl-Friedrich Brust, mit ihrer Beschwerde gegen die Einstellung bei der Generalstaatsanwaltschaft in Celle. Die Beschwerde sei „unbegründet“, befand die höhere Instanz. Dabei haben die Explosion und der jahrelange Betrieb bei den Anwohnern für Verbitterung, Enttäuschung und Ernüchterung gesorgt.

 

Anwohner Karl-Friedrich Brust steht in seinem Wintergarten, von dem man auf das ehemaligen Gelände einer Chemieentsorgungsfirma blicken kann. Quelle: dpa

Die Bilanz von Brust zumindest fällt vernichtend aus. „Es gab keine Aufarbeitung und keine Konsequenzen“, sagt der 62-Jährige, der auch nach so vielen Jahren einen deutlichen Groll spürt gegen Behörden und den ehemaligen Organo Fluid-Chef, der sich nach dem Unglück nicht einmal entschuldigt habe.

Brust erzählt von Umlade- und Lagerflächen für Flüssigchemiestoffe auf einem einfachen, lediglich gepflasterten Boden ohne Wannenschutz und einer halb fertig gebauten Tiefgarage, in der entgegen der Nutzungsvorgabe Tankbehälter standen und ein Kompressor auf Holzpaletten wummerte. „Es gab Geruchs- und Lärmbelästigungen“, sagt er. Und er erinnert sich auch an viele Geschenke, die der Ex-Firmenchef zur Weihnachtszeit in Behörden verteilte.

Nach der schweren Explosion bei einem Entsorgungsunternehmen musste die Feuerwehr tagelang löschen. Quelle: dpa

Zumindest im letzten Punkt gab die Staatsanwaltschaft ihm im Dezember 2018 recht. Anhand von Geschäftsunterlagen sei ermittelt worden, dass Organo Fluid „regelmäßig auch Mitarbeitern verschiedener Behörden Weihnachtspräsente in Form von Wein bzw. Sekt und Delikatessen zugewendet hat“. Für Brust hat dies alles einen faden Beigeschmack. Aber auch er will nach vorne schauen. An die grüne Wiese vor seinem Haus, könnte er sich gewöhnen. Doch das ehemalige Chemiefirmengelände wird wohl irgendwann wieder genutzt werden.

Ein direkt angrenzendes Nebengelände, wo einst der Industrie- Lackhersteller Bergolin produzierte, wurde im April dieses Jahres verkauft. Das Gelände wird von der Ritterhuder Firma „Kammeier Multiservice“ entwickelt. Die Interessengemeinschaft Kiepelbergstraße sei nicht gegen eine Bebauung und Nutzung, versichert Karl-Friedrich Brust: „Aber wir wollen keine Gewerbeansiedlungen mehr und keine Überraschungen.“

Von RND/lni

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