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Der Norden Chronologie: So verlief die Jagd auf Frank N.
Nachrichten Der Norden Chronologie: So verlief die Jagd auf Frank N.
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18:08 28.09.2019
Auf der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder ist in Elze bei Hildesheim ein Zug gestoppt worden, der Verdächtige konnte flüchten. Quelle: dpa
Göttingen/Hildesheim

Das Gewaltverbrechen in Göttingen-Grone mit einer Toten und einer lebensgefährlich Verletzten hält ganz Niedersachsen in Atem. Die Polizei hat den Tatverdächtigen Frank N. am Freitagabend in Göttingen festgenommen. Das ist bisher passiert:

Donnerstag, 13.05 Uhr

Auf offener Straße ereignet sich im Göttinger Ortsteil Grone ein Gewaltverbrechen. Die Lage ist anfangs unübersichtlich, kurz nachdem die Nachricht die Runde macht, kursieren wilde Gerüchte in den sozialen Netzwerken. Nach und nach gibt die Polizei erste, verifizierte Informationen heraus. Demnach hat ein Mann eine 44-jährige Frau an der Straße Zollstock getötet. Eine weitere Frau wird lebensgefährlich verletzt. Die Polizei sperrt den Bereich um den Tatort weiträumig ab. Parallel fahnden die Ermittler mit einem Großaufgebot nach dem Täter. Dieser soll auf einem Fahrrad geflüchtet sein. Ein Hubschrauber kreist über der Stadt.

Frau in Göttingen auf offener Straße getötet – Täter auf der Flucht

Donnerstag, 13.35 Uhr

Die Bahnstrecke zwischen Rosdorf und Nörten-Hardenberg wird im Zuge der Fahndung gesperrt. Auch der Göttinger Bahnhof wird zwischenzeitlich gesperrt. Züge fallen aus oder werden umgeleitet. Es kommt zu erheblichen Verspätungen im Bahnverkehr rund um Göttingen. Überall im Göttinger Stadtgebiet sind Polizisten im Einsatz. Im Laufe des Nachmittags intensiviert die Polizei nach eigenen Angaben die Fahndungsmaßnahmen erheblich. Von dem Tatverdächtigen fehlt aber weiterhin jede Spur.

Eine Frau ist am 26. September 2019 im Göttinger Ortsteil Grone auf offener Straße getötet worden. Eine weitere Frau wurde schwer verletzt und starb später.

Donnerstag, 15.12 Uhr

Anwohner reagieren geschockt auf die Tat. Einige stehen vor ihren Häusern und beobachten das Geschehen mit der gebotenen Zurückhaltung. Ein Anwohner berichtet, sein Nachbar habe ihm erzählt, er habe die Tat beobachtet. Seiner Erzählung nach habe der Mann die Frau mit einer Flüssigkeit übergossen, angezündet und dann auf sie eingestochen. Das will die Polizei bislang weder dementieren noch bestätigen.

Donnerstag, 17.40 Uhr

Die Göttinger Polizei fahndet mit einem Foto nach dem Tatverdächtigen und nennt erstmals auch dessen Namen. Demnach handelt es sich bei dem Gesuchten um den 52-jährigen Göttinger Frank N. Bei dem von ihm bei der Flucht vom Tatort genutzten Rad soll es sich um ein „normales“ Fahrrad gehandelt haben, an dem sich Packtaschen befunden hätten. Wer Frank N. sieht, wird gebeten, sich unbedingt sofort unter der 110 bei der Polizei zu melden.

Donnerstag, 21.30 Uhr

Im Göttinger Ortsteil Weende gibt es einen Polizeieinsatz. Die Polizei geht nach eigenen Angaben einem Hinweis nach, wonach sich der Verdächtige in der Weender Brunnengasse aufhalten könnte. Gegen 21.30 Uhr kommt es zum Zugriff. Im Internet kursiert wenig später ein Video, das offenbar aus der Nachbarschaft aufgenommen wurde. Darin sind lautes Geschrei und auch zwei Schüsse zu hören. Die Sprecherin der Göttinger Polizei, Jasmin Kaatz, bestätigt gegenüber dem Tageblatt den Einsatz. Bei den Schüssen habe es sich um Warnschüsse von Polizeibeamten gehandelt. Im Laufe des Zugriffs, so Kaatz, habe sich aber herausgestellt, dass der gesuchte 52-Jährige nicht aufzufinden sei. Man fahnde weiter mit Hochdruck nach dem Flüchtigen.

Schüsse in Weende – Polizeieinsatz führt aber nicht zu Tatverdächtigem

Freitag, 0.22 Uhr

Die Polizei veröffentlicht ein weiteres Foto des Tatverdächtigen Frank N.. Außerdem teilt die Polizei mit, dass die Fahndung nach dem 52-Jährigen auch in der Nacht mit Hochdruck fortgesetzt wird. Im Stadtgebiet von Göttingen sind eine Vielzahl Beamte im Einsatz.

Freitag, 5 Uhr

Im Zuge der Fahndung nach dem Tatverdächtigen wird die Bahnstrecke zwischen Hannover beziehungsweise Hildesheim und Göttingen um 5 Uhr gesperrt. Das teilt die Deutsche Bahn mit Hinweis auf eine Polizeiaktion unter anderem über Twitter mit. Weil die einzige Umfahrungsstrecke überlastet ist, fallen am Morgen die meisten Züge zwischen Göttingen und Hannover aus.

Freitag, 7.45 Uhr

Die Polizei Hildesheim teilt über Twitter mit, dass im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Göttingen Hinweise auf eine verdächtige Person im Bereich des Bahnhofs Elze im Landkreis Hildesheim eingegangen seien. Sie bittet darum, keine Anhalter mitzunehmen oder verdächtige Personen anzusprechen. Nach Informationen der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung soll das Personal eines Zuges den Gesuchten zuvor erkannt und ihn in einem Waggon eingeschlossen haben. Er habe sein Fahrrad dabei gehabt und hätte „tiefenentspannt gewirkt“. N. habe aber eine Scheibe des Waggons mit einem Nothammer eingeschlagen und sei im Bahnhof Elze aus dem Fenster gesprungen. Das bestätigt die Polizei gegenüber dem Tageblatt.

Das Fenster eines Zuges, aus dem der mutmaßliche Mörder von Göttingen geflüchtet sein soll. Quelle: dpa

Als sich Beamte dem Waggon genähert hätten, sei N. durchs zerschlagene Fenster geflüchtet. Die Polizei sucht daraufhin mit Hubschrauber, Drohnen und Spürhunden im Bereich Elze nach ihm. Später wird die Suche bis Sarstedt ausgedehnt.

Nach Bluttat: Verdächtiger schlägt Zugfenster ein und flüchtet

Freitag, 9 Uhr

Die Polizei Göttingen schaltet eine Telefonnummer für Hinweise auf den Gesuchten frei: 05 51/4 91 30 00. Außerdem teilt sie mit, dass das zweite Opfer der Bluttat, eine 57-jährige Frau, lebensgefährlich verletzt wurde. Unterdessen laufen die Ermittlungen der im Zentralen Kriminaldienst zur Klärung des Tatgeschehens eingerichteten Mordkommission „Zollstock“ weiter. Der Gesuchte ist weiterhin auf der Flucht.

Freitag, 9.30 Uhr

Grone befindet sich im Schockzustand. Nach dem Gewaltverbrechen in dem Göttinger Stadtteil gibt es dort am Freitagmorgen nur ein Gesprächsthema. Die Menschen sind fassungslos – und traurig. Am Tatort haben Anwohner Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt im Gedenken an die Opfer der Bluttat. Einige Menschen bleiben stehen, halten kurz inne. Ein Anwohner sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass hier so etwas Schreckliches passiert.“

Freitag, 11.46 Uhr

Die Bahn teilt über Twitter mit, dass die Streckensperrung in Elze zwischen Hannover/Hildesheim und Göttingen wieder aufgehoben wurde. Die Züge verkehrten wieder mit Halt in Göttingen. Verspätungen seien aber weiterhin möglich. Der Tatverdächtige bleibt verschwunden.

Freitag, 12.32 Uhr

Göttingens Kripochef Thomas Breyer bestätigt gegenüber dem Tageblatt, dass der Tatverdächtige am Donnerstag mit der Polizei Kontakt aufgenommen habe. Dabei habe er sich auch nach dem gesundheitlichen Zustand der 44-Jährigen erkundigt. Es sei dem Tatverdächtigen offenbar nicht bewusst gewesen, dass die Frau tot sei, sagte Breyer. Außerdem habe N. auf seiner Flucht mehrere Passanten angesprochen, unter anderem, weil wohl der Akku seines Handys zu neige ging. Die Polizei gehe davon aus, dass der Tatverdächtige orientierungslos sei.

Freitag, 12.38 Uhr

Die Polizei sucht in Rössing, einem kleinen Ort westlich von Hildesheim, nach dem Tatverdächtigen. Etwa eine Stunde später wird der Großeinsatz dort ergebnislos abgebrochen.

Freitag, 14.38 Uhr

Der FC Eintracht Northeim teilt mit, dass es sich bei dem Opfer um die Frau eines Trainers des Vereins handelt. Der Verein drückt auf seiner Homepage seine Trauer und sein Beileid aus. „Da spielt Fußball keine Rolle mehr“, sagt Florian Becker, FC-Trainer und Mitglied des Vorstandes.

Freitag, 16.15 Uhr

Die Polizei sucht in Sarstedt bei Hildesheim nach dem mutmaßlichen Täter.

Freitag, 18 Uhr

Am frühen Abend gibt es im Zusammenhang mit der Suche nach dem 52-Jährigen auch einen Polizeieinsatz in Hannover – ohne Ergebnis. Darüber hinaus soll N. im Laufe des Freitags mehrere Passanten nach einem Handy gefragt haben.

Freitag, 20.40 Uhr

Die Suche nach dem Tatverdächtigen dauert an. Die Polizei fahndet weiter mit einem Großaufgebot nach Frank N.. Die Polizei vermutet ihn irgendwo im Gebiet Hildesheim/ Hannover. Wer den Tatverdächtigen sichtet, sollte dringend den Polizeinotruf 110 wählen, rät Kripochef Breyer. Zumal nicht klar sei, ob Frank N. eine Waffe mit sich führe. Wie gefährlich der 52-Jährige aber tatsächlich Fremden gegenüber ist, vermag der Kripo-Chef nicht zu beurteilen.

Freitag, 22.50 Uhr

Am späten Freitagabend nimmt die Polizei den 52-jährigen Göttinger Frank N. in der Innenstadt von Göttingen fest. Das bestätigte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz dem Tageblatt.

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