„Tippen tötet“: Kampagne gegen Handy am Steuer wird neu aufgelegt
Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Der Norden „Tippen tötet“: Kampagne gegen Handy am Steuer wird neu aufgelegt
Nachrichten Der Norden „Tippen tötet“: Kampagne gegen Handy am Steuer wird neu aufgelegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:43 23.03.2020
Gefährlich! Eine junge Frau sitzt in einem Auto am Steuer und bedient dabei ihr Smartphone.
Gefährlich! Eine junge Frau sitzt in einem Auto am Steuer und bedient dabei ihr Smartphone. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Anzeige
Hannover

Für viele sind die Signaltöne als Hinweis für neue Social-Media-Nachrichten nicht mehr wegzudenken. Der Griff zum Smartphone folgt automatisch. Nur mal kurz checken, aber das dutzende Male am Tag - bei der Arbeit, zu Hause, beim Essen, im Kino und leider auch beim Autofahrer. „Tippen auf dem Smartphone führt zur Ablenkung. Im Straßenverkehr kann das tödlich sein“, warnt der Geschäftsführer der Landesverkehrswacht Niedersachsen, Nicolai Engel. „Tippen tötet“ heißt eine Kampagne der Landesverkehrswacht, der Landesregierung und der Polizei. Sie steht nach sechs Jahren vor einer Neuauflage.

Das Warn-Piktogramm war einprägsam und setzte bildlich die Formel um: „Auto+Handy = :-(“. Es war auf Spannbändern an Autobahnbrücken, an Landstraßen und in der Stadt zu sehen. Plakate wurden geklebt, mehr als 70.000 Postkarten in Kneipen verteilt und Handy-Hüllen hergestellt. „Man muss die Menschen dauerhaft und penetrant mit der Botschaft konfrontieren“, sagt Engel. Nur durch Wiederholen sei das Risikobewusstsein zu schärfen. Allerdings braucht das Logo der Kampagne einen frischen Anstrich, denn das abgebildete Handy ist mit Tastatur, kleiner Antenne und SMS auf dem Bildschirm etwas in die Jahre gekommen.

Der Stil soll beibehalten, aber durch Symbole wie Rollstuhl, Rettungshubschrauber oder Krankenliege ergänzt und das Handy durch ein Smartphone ersetzt werden. Weitere Aktionen sind geplant. Bewährt hat sich etwa der Kettcar-Parcours, auf dem die Fahrer mit dem Smartphone daddeln und dann merken, was sie alles verpassen. „Das führt zu ganz erstaunlichen Effekten“, berichtet Engel. Was auf dem Kettcar-Parcours spielerisch erprobt wird, kann auf der Straße tragische Folgen haben.

Genauso gefährlich wie Alkohol am Steuer

„Wer in der Stadt mit dem Auto fährt und zwei Sekunden auf sein Handy schaut, der ist fast 30 Meter im Blindflug unterwegs. Auf der Autobahn sind das bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h sogar fast 70 Meter – eine wahnsinnig lange Strecke“, sagt Thomas Buchheit, Verkehrssicherheitsexperte im Landespolizeipräsidium. „Telefonieren oder Texten während der Fahrt ist genauso gefährlich wie alkoholisiert am Steuer zu sein.“

Wo Ablenkung anfängt und aufhört, ist schwer zu sagen. Wer aufmerksam Nachrichten im Autoradio verfolgt oder sich eine Zigarette anzündet oder mit dem Beifahrer erhitzt diskutiert - auch der dürfte nicht völlig auf den Verkehr konzentriert sein. Aber wer mal eben seine Whatsapp-Nachrichten checkt oder seiner Gruppe schreibt, wo er gerade ist, der wendet den Blick definitiv von der Straße ab. Wer dabei erwischt wird, zahlt mindestens 100 Euro Bußgeld und bekommt einen Punkt in Flensburg. „Das gilt während der Fahrt, aber auch im Stillstand vor einer roten Ampel, auch wenn die Start-Stopp-Automatik den Motor abgeschaltet hat“, warnt Buchheit.

In der Polizeidirektion Oldenburg läuft seit 2019 ein Pilotprojekt, das Brummifahrer auf der Autobahn mit einem unscheinbaren VW-Transporter kontrolliert, der auf dem Dach eine kleine Kamera installiert hat. Mit der haben die Beamten schon Lkw-Fahrer gefilmt, die mehrere Minuten lang intensiv mit dem Smartphone beschäftigt waren, anstatt nach vorne auf die Fahrbahn zu schauen. Seit Beginn des Projekts Anfang Februar 2019 wurden insgesamt 1870 Verstöße festgestellt (Stand: Stand: 8. März 2020).

Projekt als Erfolgsgeschichte

Aufgrund der positiven Erfahrungen setzt die Polizeidirektion Oldenburg das zunächst bis Ende 2019 befristete Projekt auch 2020 fort. „Das Projekt ist eine Erfolgsgeschichte, was allein schon der Blick auf die festgestellten – rechts- und beweissicher geahndeten - Verstöße unterstreicht“, sagte Bernd Deutschmann, Vizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg. Das Projekt „Ablenkung im Führerhaus“ solle in Niedersachsen auch landesweit umgesetzt werden.

Schwierig zu rekonstruieren bleibt, ob Ablenkung durch das Handy Ursache oder Mitursache für einen Unfall war. „Der Nachweis ist sehr schwierig. Wenn wir kommen, ist der Unfall schon passiert, und niemand muss sich selbst belasten.“ Aber ab 1. Januar 2021 werden die im Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung aufgeführten Verstöße durch Ablenkung in die Unfallursachen-Statistik des Statistischen Bundesamtes aufgenommen.

Lesen Sie auch

Von RND/dpa